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Keystone-SDA | Dienstag, 26. Mai 2026

Im FC St. Gallen entbrennt nach dem Cupsieg ein Machtkampf

Noch während der Feier nach dem Cupfinal haben sich Konflikte innerhalb der Führung des FC St. Gallen offenbart. Inzwischen ist ein Machtkampf zwischen Verwaltungsrat und Aktionariat öffentlich geworden. Die St. Galler Regierung zeigt sich besorgt.

Es schien ein Misston in der ausgelassenen Feierstimmung nach dem Cupsieg des FC St. Gallen am Pfingstsonntag in Bern zu sein. Auf dem Kunstrasen erklärte Präsident Matthias Hüppi, es gebe im Klub Tendenzen, "die wir in dieser Form nicht akzeptieren werden". Für ihn sei es unvorstellbar, "dass in der besten Phase der Klubgeschichte nicht alle geschlossen hinter uns stehen".

Hüppi war von den SRF-Moderatoren auf ein Transparent der Fankurve angesprochen worden. "Hinder dem Triumph stönd die Richtige", hiess es darauf. "Danke Beni, Patrick G., Christoph, Peter und Matthias!" Bei dieser Aufzählung der Vornamen der Verwaltungsratsmitglieder fehlte einer: Patrick Thoma war als Vertreter des Aktionariats erst im letzten Herbst in den Verwaltungsrat gewählt worden. Vorher waren die grössten Aktienbesitzer nicht im Gremium vertreten.

Viele offene Fragen

Mehr Hintergründe über den Konflikt zwischen dem Aktionariat und dem bisherigen Verwaltungsrat lieferten am Montagabend verschiedene Berichte auf der Online-Plattform des St. Galler Tagblatts. In den Grundzügen wurden die Informationen am Dienstagvormittag durch den St. Galler Nationalrat Benedikt Würth (Mitte) in einem Interview bestätigt. Er ist eines der bisherigen Mitglieder des FCSG-Verwaltungsrats.

Danach ist eine Machtübernahme durch Vertretungen des Aktionariats geplant. Vier bisherige Verwaltungsratsmitglieder - darunter Würth - sollen durch vier neue Mitglieder ersetzt werden. Darunter sind laut verschiedenen Medienberichten Marwin Hitz, bis vor kurzem Torhüter des FC Basel, sowie der ehemalige St. Galler SVP-Regierungsrat Stefan Kölliker. Kölliker soll Hüppi kurz- oder mittelfristig als Präsident ablösen.

Gegenüber SRF erklärte Kölliker, er sei vor rund sechs Wochen vom Aktionariat kontaktiert worden. Ihm sei aufgezeigt worden, dass es Rücktritte aus dem Verwaltungsrat gebe und dass der Vertrag mit dem Präsidenten Hüppi Ende Jahr auslaufe. Danach habe er seine Bereitschaft signalisiert, das Amt zu übernehmen.

Am 30. Juni könnte der Machtwechsel an einer ausserordentlichen Generalversammlung umgesetzt werden. Das Aktionariat würde dank seiner Anteile die personellen Änderungen durchsetzen können. Ob es dazu kommt, ist in diesem frühen Stadium noch offen.

Zu verschiedenen Fragen fehlen bisher die Antworten. Nicht bekannt ist beispielsweise, welche Kritikpunkte dem bisherigen Verwaltungsrat unter Präsident Hüppi vorgeworfen werden, damit ein derart kurzfristiger Umbruch erzwungen werden muss.

Die möglichen neuen Verwaltungsratsmitglieder haben sich und ihre Pläne der Öffentlichkeit noch nicht vorgestellt. Für Auskünfte waren sie für die Nachrichtenagentur Keystone-SDA vorerst nicht erreichbar. Der FC St. Gallen teilte auf Anfrage mit, dass aufgrund "einer aktuell dringlichen Situation" keine Anfragen beantwortet würden. Man arbeite mit Hochdruck an einer Lösung.

Regierung zeigt sich besorgt

Am Dienstagvormittag erklärte die St. Galler Regierung in einem Statement, sie verfolge "mit erheblicher Besorgnis" die Berichte über interne Spannungen. Eine erzwungene Ablösung des Verwaltungsrats zum jetzigen Zeitpunkt stelle das verbindende Moment des Cupsiegs infrage. Das über Jahre aufgebaute Vertrauen in die Clubführung könne erschüttert und der Rückhalt bei Fans, Bevölkerung und Sponsoren gefährdet werden.

Keine Stellungnahmen zum Konflikt gibt es bisher auch von wichtigen finanziellen Unterstützern, wie der St. Galler Kantonalbank als Hauptsponsor oder der Berit Klinik AG, die ab Sommer die Namensrechte für das Stadion besitzt.

Die Fankurve hat sich in einem Statement auf der Webseite "einefueralli.ch" hinter die bisherige Führung gestellt und Widerstand angekündigt. Welche Auswirkungen die Reaktionen aus dem Umfeld auf die Auseinandersetzung haben werden, ist offen.

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