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"In diesem Moment wusste ich, dass das Podium weg ist"
Die Tour de France Femmes 2026 endet für Marlen Reusser mit einer Enttäuschung. Einen Tag später erklärt sie, wieso es nicht der Sturz war, der sie das Podium kostete.
Es sind traurige Bilder, die am Sonntag die Runde machen. Marlen Reusser fährt über die Ziellinie der letzten Etappe der Tour de France Femmes. Und weint. Nicht aus Freude, sondern aus Enttäuschung. Von ihren Teamkolleginnen wird die Bernerin umarmt und getröstet. Während Demi Vollering aufs Podest steigt, um über den Gesamtsieg zu jubeln, bleibt Reusser Platz 14.
Einen Tag später sagt sie im Rahmen einer Medienrunde: "Es ist noch sehr früh, um über alles zu reden." Wieso ihre Beine nicht mehr mitgemacht haben, könne sie sich nicht erklären. "Das ist ein Rätsel, das wir jetzt versuchen müssen, zu lösen."
"Da wusste ich, dass das Podium weg ist"
Tatsächlich hätte die Rundfahrt für Reusser, die als Mitfavoritin an den Start ging, dramatischer kaum verlaufen können. Bis zur Königsetappe am Mont Ventoux war die Bernerin während drei Etappen in Gelb gefahren. Dann musste sie die Führung im Gesamtklassement an Kasia Niewiadoma abgeben. Am Samstag ist Reusser dann, so sagt sie selbst, mit "den schlechtesten Beinen ihres Lebens" gefahren. Während Vollering die Führung im Gesamtklassement übernahm, fiel Reusser weiter zurück.
Das Podest an der Rundfahrt schien am letzten Tag trotzdem noch auf sicher. "Ich ging in den Tag und dachte, das Ding sei geritzt", so Reusser am Montagnachmittag - auf die Viertplatzierte Elisa Longo Borghini hatte sie 1:53 Minuten Vorsprung.
Rund 67 km vor dem Ziel - bei der zweiten von insgesamt vier Überquerungen des Col d’Eze - kam dann aber der Rückschlag. Reusser musste die Leader-Gruppe ziehen lassen. "Es ist mir ein Rätsel. Ich musste eine Gruppe reissen lassen, die ich normalerweise nicht reissen lassen muss. In diesem Moment habe ich gewusst, dass das Tour-Podium weg ist."
Erklärungsversuche und viel Ungewissheit
Trotz der Ungewissheit versucht sich Reusser in einem Erklärungsversuch. Es sei ein Problem, das bereits nach der Flandern-Rundfahrt aufgetreten sei und im Giro erneut Mühe gemacht habe. Ab einem gewissen Zeitpunkt sei das Kräfteverhältnis auf den Pedalen nicht mehr 50/50, sondern 45/55. "Irgendwie ist ein Problem in meinem Bein. Aber ob das alles ist und woher das genau kommt, ist uns ein Rätsel."
Nachdem Reusser die Gruppe ziehen lassen musste, habe die Enttäuschung eingesetzt. Doch damit nicht genug. Abseits der Kameras stürzte sie wenig später in der Abfahrt. Sie habe den Lenker bei einem Schlagloch verloren, erklärt sie. Eine Weile sass sie einfach auf dem Boden. Weiterzufahren habe für sie zuerst gar keinen Sinn gemacht.
Bis ihre Teamkolleginnen von Movistar anhielten und Reusser vorschlugen, das ganze als eine Art Zeremonie zu sehen und gemeinsam noch die verbleibenden Stunden zu fahren. Reusser stieg wieder aufs Rad und kam mit 24:35 Minuten Rückstand auf Siegerin Vollering ins Ziel. Der 14. Platz in der Gesamtwertung ist das Resultat.
Ein Highlight steht noch an
Trotz der Frustration versucht Reusser auch bereits das Positive zu sehen. Eigentlich sei die Tour lange sehr gut verlaufen. Besonders wenn man bedenke, woher sie kam. So stürzte Reusser im Februar bei der UAE Tour und zog sich Verletzungen an Knie und Schulter zu, die sie zu einer fast zweimonatigen Pause zwangen. Mitte April erlitt sie bei der Flandern-Rundfahrt einen Wirbelbruch.
Beim Giro kehrte sie ins Renngeschehen zurück, mischte lange auch vorne mit. Doch dann fiel sie nach einem weiteren Sturz und körperlichen Beschwerden vom Podest auf den 13. Rang im Gesamtklassement zurück.
Mit der WM Ende September in Montreal steht noch ein grosses Saison-Highlight an. Bis dahin will sich Reusser erholen. "Diese paar Wochen Pause sind schon sehr angenehm." Bereits bei der Jahresplanung sei klar geworden, dass es extrem intensiv werde. "Jetzt brauche ich wirklich eine Pause."

















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