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Kanada setzt auf "amerikanische Arroganz"
Jesse Marsch ist seit gut zwei Jahren Nationaltrainer von Kanada - und hat dem Team des Co-Gastgebers typisch amerikanische Eigenschaften eingepflanzt. Wie das bei der WM helfen soll.
Seit Mai 2024 leitet Jesse Marsch die Geschicke der Canadian Soccer Association. Er tut dies auf seine ganz eigene Art und Weise. "In dem, was ich tue, steckt definitiv eine gewisse amerikanische Arroganz und dieses Selbstbewusstsein", sagte er kurz vor Turnierbeginn in einem Interview des TV-Senders CBC über sich selbst.
In der kanadischen Gesellschaft würden Freundlichkeit, Grosszügigkeit und Aufrichtigkeit geschätzt. Und auch grosse Bescheidenheit. "Aber Bescheidenheit und Freundlichkeit machen noch lange keine Champions", sagte der 52-jährige Amerikaner.
Die Mannschaft habe daher jemanden wie ihn gebraucht: "Jemanden, der etwas forscher ist, etwas selbstbewusster und der an das glaubt, was wir tun - das gibt uns bessere Chancen, als Sieger hervorzugehen." Typisch amerikanisch eben.
WM als Chance für den Fussball
Der Coach, der ausser bei seinem glücklosen und nicht einmal sechs Monate dauernden Engagement 2021 in Leipzig auch bei den New York Red Bulls (2015 bis 2018), Red Bull Salzburg (2019 bis 2021) und Leeds United (2022 bis 2023) Erfahrungen als Cheftrainer sammelte, hat seinen Vertrag als Nationaltrainer gerade um vier Jahre verlängert. Denn Marsch will Kanadas Fussball über die WM hinaus salonfähig machen.
Je mehr Euphorie die Auswahl mit ihren WM-Auftritten im Land entfacht, umso grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Turnier nachhaltig wirkt. Deshalb erteilte Marsch seinen Schützlingen einen klaren Auftrag: "Wir dürfen nicht methodisch und passiv spielen. Das wird das Land nicht begeistern und den Sport nicht verändern. Ich glaube, wir brauchen etwas, das unterhaltsam und spannend anzusehen ist."
Seine Schützlinge haben Marschs Mindset längst verinnerlicht. "Wir erstellten einen Fragebogen zur Identität", erzählt Marsch. "Eine der Fragen, die ich ihnen gestellt habe, lautete: 'Wie sollte es sich anfühlen, gegen uns zu spielen?' Und die Antwort darauf war: 'Die Hölle'."
Rüffel für US-Präsidenten
Marsch selbst brennt für seine Aufgabe - und das Land, in dem er arbeitet. So scheute er sich auch nicht, US-Präsident Donald Trump für dessen Vorschlag einer Eingliederung Kanadas in die USA öffentlich zu rüffeln. "Hör auf mit dieser lächerlichen Rhetorik, dass Kanada der 51. Bundesstaat sei", sagte Marsch in Richtung von Trump.
Er sei sehr enttäuscht gewesen und halte Trumps Aussage für "total dumm", erzählte Marsch kurz vor WM-Beginn. "Als Amerikaner, der für eine kanadische Nationalmannschaft arbeitet, fühle ich mich verpflichtet, meine Meinung zu sagen und ein Land zu verteidigen, das ich in jeder Hinsicht für fantastisch halte."

















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