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Keystone-SDA | Mittwoch, 24. Juni 2026

Rechenspiele, Luxusprobleme und eine offene Rechnung

In ihrem letzten WM-Gruppenspiel trifft die Schweiz in Vancouver auf Kanada. Vor dem Duell mit dem Co-Gastgeber stellen sich vor allem fünf Fragen.

Erster oder Zweiter?

Durch den deutlichen Sieg gegen Bosnien-Herzegowina ist klar: Die Schweiz wird Platz 1 oder 2 belegen. Ein Rückfall auf Rang 3 wäre nur noch theoretisch möglich, wenn die Schweiz deutlich verliert und Katar gleichzeitig sehr hoch gewinnt. Doch welcher der beiden Plätze ist für den weiteren Turnierverlauf eigentlich der bessere?

Diese Frage erhielt in den letzten Tagen zusätzlichen Auftrieb durch eine Aussage von Giorgio Contini. Im Podcast "Forza" erzählte der ehemalige Co-Trainer von Murat Yakin, man sei an der letzten EM über den späten Ausgleich im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland gar nicht so unglücklich gewesen. Dadurch landete die Schweiz in der vermeintlich etwas leichteren Hälfte des Turnierbaums.

Und diesmal? Sämtliche Schweizer Spieler, die sich in den vergangenen Tagen an den Pressekonferenzen äusserten, betonten, dass nur der Sieg zähle und man klar Platz 1 anstrebe. Zum einen geht es nach dem Fehlstart gegen Katar darum, gar nicht erst wieder eine angespannte Stimmung aufkommen zu lassen. Zum anderen ist vor der letzten Runde insgesamt noch zu viel offen, um die nächsten Gegner zuverlässig prognostizieren zu können.

Prime-Time oder Weckruf für die Fans?

Holt die Schweiz den Gruppensieg, muss sie noch eine Weile warten, bis ihr Gegner für den Sechzehntelfinal feststeht. Es wäre der Drittplatzierte einer der Gruppen E, F, G, I oder J. Bei Platz 2 steht der Gegner rund sechs Stunden nach dem Schweizer Spiel fest: der Zweitplatzierte der Gruppe A, also Südkorea, Tschechien oder Südafrika.

Der grosse Unterschied liegt jedoch im Datum der beiden möglichen Sechzehntelfinals. Als Gruppensieger hätte die Schweiz eine siebentägige Pause, als Gruppenzweiter wären es nur drei Tage.

Auch für die Fans in der Heimat ist der Schlussrang relevant: Bei einem Gruppensieg stünde die Schweiz am Freitag, 3. Juli, bereits um 5.00 Uhr Schweizer Zeit im Einsatz. Somit würde der Match, der erneut in Vancouver stattfinden würde, wohl eher allein auf dem heimischen Sofa als gemeinsam im Public Viewing verfolgt.

Als Gruppenzweiter würde die Partie hingegen zur Prime-Time angepfiffen: am Sonntag, 28. Juni, um 21.00 Uhr Schweizer Zeit in Los Angeles.

Manzambi/Vargas oder Rieder/Aebischer - oder doch ganz anders?

Mit seinem eindrücklichen Kurzeinsatz gegen Bosnien-Herzegowina hat sich Johan Manzambi für grössere Aufgaben empfohlen. Yakin wollte dem 20-jährigen Shootingstar danach zwar keine Startelfgarantie geben. Allzu lange auf der Ersatzbank schmoren lassen dürfte er ihn aber kaum noch.

Dasselbe gilt für Ruben Vargas. Er nutzte seine Einsatzminuten im zweiten Gruppenspiel wie Manzambi für Eigenwerbung. Verdrängen die beiden Michel Aebischer und Fabian Rieder aus der Startaufstellung? Oder entscheidet sich Yakin erneut für die defensivere Variante?

Möglich wäre auch, dass Dan Ndoye eine Pause erhält. Er war in den ersten beiden Spielen ein Aktivposten. Bei seinen Abschlüssen fehlte ihm jedoch die letzte Entschlossenheit.

Nicht ausgeschlossen scheint zudem, dass Yakin bei seinem dritten WM-Auftritt erneut überrascht und doch noch auf eine Dreierabwehr umstellt. Schliesslich hat er diese Formation in den Testspielen vor dem Turnier mehrfach erprobt und für gut befunden. Sollte er diesen Schritt wagen, müssten etablierte Kräfte wie Silvan Widmer oder Ricardo Rodriguez um ihre angestammten Plätze zittern.

Befreit oder zäh?

In den ersten beiden Partien traf die Schweiz auf Gegner, die ihr das Spiel weitgehend überliessen. Katar und Bosnien-Herzegowina lauerten mit tief stehender Defensive auf Kontermöglichkeiten. So entwickelte sich beide Male ein lange zähes Spiel.

Gegen Kanada ist ein solches Szenario nicht zu erwarten. Die Mannschaft von Trainer Jesse Marsch steht für offensives Pressing. Hinzu kommt, dass der Co-Gastgeber seinem Heimpublikum etwas bieten möchte. Das Stadion in Vancouver mit seinen 52'497 Plätzen wird erneut ausverkauft sein.

Das könnte den Schweizern entgegenkommen. Hatten sie gegen Katar und über weite Strecken auch gegen Bosnien-Herzegowina Mühe mit der Angriffsauslösung, dürfte insbesondere Sturmspitze Breel Embolo diesmal mehr Räume vorfinden.

Revanche oder nächster Tiefschlag?

Murat Yakin hat mit Kanada noch eine ganz persönliche Rechnung offen. Mitte Mai 2002, im bislang einzigen Duell der beiden Nationalteams, spielte der damals 27-Jährige in der Innenverteidigung. Das Testspiel auf dem St. Galler Espenmoos verlief jedoch überhaupt nicht nach seinem Geschmack.

Bis zu seiner Auswechslung in der 63. Minute lag die Schweiz bereits 0:3 zurück. Am Ende gelang dem Team von Trainer Köbi Kuhn immerhin noch der Ehrentreffer zum 1:3-Endstand. 24 Jahre später hofft Yakin als Nationaltrainer auf die späte Revanche.

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