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Keystone-SDA | Freitag, 10. Juli 2026

Kann Djokovic die Zeit noch einmal zurückdrehen?

Dieses Wimbledon ist für den 39-jährigen Novak Djokovic die beste und vielleicht letzte Chance auf den 25. Grand-Slam-Titel.

Roger Federer ist 37 Jahre und elf Monate alt, als er 2019 den legendären Wimbledonfinal gegen Novak Djokovic verliert, nachdem er im fünften Satz zwei Matchbälle hat. Nun ist der Serbe noch 15 Monate älter als damals Federer und versucht, das fast Unmögliche zu schaffen. Seit fast drei Jahren jagt er dem 25. Grand-Slam-Titel nach. So viele hat auch bei den Frauen niemand.

Im Halbfinal wartet die höchstmögliche Hürde. Am Freitag trifft Djokovic um zirka 17.00 Uhr auf den Vorjahressieger und Weltranglistenersten Jannik Sinner. Der Serbe brillierte im Viertelfinal gegen die Weltnummer 4 Félix Auger-Aliassime mit einer eindrücklichen Parforce-Leistung - aber er stand auch fünfeinviertel Stunden auf dem Platz. "Das ist nicht normal", staunten die Kommentatoren und Experten der BBC wiederholt. "Aber das ist eben Djokovic."

Überrascht? Ja und nein

Das Niveau der Partie war atemberaubend, der siebenfache Wimbledonchampion sprintete nach Stoppbällen, rutschte in bekannter Manier nach scheinbar unerreichbaren Bällen in den Ecken und schlug, fast immer, wenn es wichtig war, nervenstark zweite Aufschläge mit 195 km/h ins Feld. Überrascht von sich selber? "Ja und nein", sagt Djokovic. "Ich denke, schon irgendwie. Noch immer mit diesen Jungs, die 15 Jahre jünger sind als ich, mitzuhalten und sie auf der grössten Bühne bezwingen zu können, ist eine nette Überraschung." Doch Djokovic wäre nicht Djokovic, wenn er sich dies nicht zutrauen würde. "Auf der anderen Seite habe ich immer die höchsten Ansprüche an mich. Ich kann sehr kritisch und hart mit mir selber sein." Aber er versuche schon, diese Momente auch zu geniessen.

Die Partie sei fast schon wie ein Final gewesen, stellte der Grand-Slam-Rekordsieger fest. Seit einigen Jahren schon gelingt es Djokovic immer mal wieder, das Rad der Zeit zurückzudrehen. Doch die Jahre holen ihn auch regelmässig wieder ein. Gerade bei den Grand-Slam-Turnieren ist die physische Belastung mit den langen Matches und inklusive Final sieben Runden enorm. Für Djokovic in jüngerer Vergangenheit zu gross.

Im letzten Jahr erreichte er bei allen vier Major-Turnieren die Halbfinals, scheiterte dort aber jedes Mal auch wegen körperlicher Beschwerden und fehlender Frische. Am Australian Open bezwang er im Halbfinal den Vorjahressieger Jannik Sinner, ehe ihm im Final gegen Carlos Alcaraz nach gewonnenem Startsatz der Saft ausging. In Paris kam das Aus schon in der 3. Runde gegen João Fonseca. Für Wimbledon könnte dies ein Bonus sein, es gab Djokovic mehr Zeit, um sich zu erholen und vorzubereiten.

Dreieinhalb Stunden länger auf dem Platz

Nun geht es wieder gegen Sinner, der zwar spielerisch nicht auf der ganzen Ebene überzeugen konnte, aber seit der 1. Runde ohne Satzverlust ist. Der 15 Jahre jüngere Italiener hat auch fast dreieinhalb Stunden weniger lang auf dem Platz gestanden als Djokovic. Immerhin hatte er diesmal nach dem gewonnenen Viertelfinal zwei Tage Pause. Sinner hat fünf der letzten sechs Direktbegegnungen gewonnen, darunter den Halbfinal vor einem Jahr in Wimbledon. Nach der Niederlage in Australien ist er auf jeden Fall gewarnt. "Jeder Match gegen ihn ist anders", betont der Südtiroler. "Wenn ich nicht gut aufschlage oder den Ball nicht gut fühle, wird es sehr, sehr schwierig."

Für Djokovic war es gegen Auger-Aliassime "ein Sieg mit dem Racket und ganz viel Herz". Vor sieben Jahren gegen Federer musste er sich noch einreden, dass die Fans "Djokovic" und nicht "Roger" rufen. Nun, selber der Oldie, geniesst er tatsächlich viel Support von den Zuschauern. Ob das für den grossen Coup reicht? "Ich weiss nicht, wie es morgen aussieht", gab sich der Serbe vorsichtig. "Aber ich will noch mindestens einen Schritt weiter machen."

Genau sind es noch zwei, die er braucht, um seine Rekorde weiter auszubauen. Immerhin müsste er dank des verletzungsbedingten Fehlens von Alcaraz, dem er 2023 und 2024 im Final unterlag, nicht hintereinander Sinner und Alcaraz schlagen.

Ein Selbstläufer würde der Final dennoch nicht. Alexander Zverev scheint nach seinem Triumph am French Open befreit aufzuspielen, er hat wie Sinner erst zwei Sätze abgegeben. Und sollte Arthur Fery sensationell in den Final einziehen, hätte Djokovic das britische Publikum bestimmt nicht auf seiner Seite. Der Londoner steht als erst zweiter Wildcard-Empfänger im Halbfinal. Sein Vorgänger Goran Ivanisevic gewann 2001 dann auch das Turnier.

Vielleicht ist dies aber auch die letzte Chance von Novak Djokovic, noch einmal die Uhr zurückzudrehen. Wenn sein Körper hält, ist ihm dies zuzutrauen.

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