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Kanton Glarus weist PFAS in Böden und Milchproben nach
Im Kanton Glarus sind Böden grossflächig mit den "Ewigkeitschemikalien" PFAS belastet. Die Behörden wiesen in gezielten Messungen die Stoffe in fast allen untersuchten Oberbodenproben nach. Auch in einzelnen Rohmilchproben wurden die Substanzen gefunden. Die Untersuchungen werden fortgesetzt.
Zwei Messkampagnen sollten die Belastungssituation im Kanton Glarus klären, teilte das kantonale Departement Bau und Umwelt am Montag mit. Eine erste Untersuchung von Böden fand zwischen September und Oktober 2025 statt, eine zweite mit Fokus auf Flächen mit mutmasslicher Klärschlamm-Ausbringung folgte im Januar und Februar 2026.
Verdachtsstandorte im Fokus
Bei sämtlichen Proben beider Kampagnen wurde PFAS im Oberboden nachgewiesen. Die kantonalen Behörden gehen von einer höheren Hintergrundbelastung in Schweizer Böden aus, als bisher angenommen wurde. Sie stützen sich dabei auf die neuste Studie des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) vom März 2026.
Bei dieser trugen Forschende der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der ETH Zürich im Auftrag des Bafu 1070 PFAS-Bodenmessungen zusammen und werteten sie aus. Die Messungen stammen aus kantonalen Untersuchungen und der Nationalen Bodenbeobachtung.
Diese Auswertung ergab, dass PFAS in über 99 Prozent der Bodenproben nachweisbar waren. Flächen, auf denen vermutlich Löschschaum oder Klärschlamm verwendet wurde, wiesen erhöhte PFAS-Konzentrationen auf. Deswegen beprobte der Kanton Glarus gemäss eigenen Angaben gezielt Flächen, bei denen ein Verdacht auf eine Belastung durch verschiedene Quellen bestand.
Die höchsten Konzentrationen fanden sich jedoch auch auf Flächen, auf denen der Einsatz von Feuerlöschschaum oder die Ausbringung von Klärschlamm vermutet wurde. Es gab jedoch auch untersuchte Verdachtsflächen, die keine erhöhten Werte aufgewiesen hätten, so der Kanton.
Untersuchungen werden fortgeführt
In der Schweiz existieren aktuell keine Grenzwerte für PFAS in Böden. Aus diesem Grund können laut den kantonalen Behörden noch keine Schlussfolgerungen über die ökologische Verträglichkeit der belasteten Flächen gezogen werden. Die Untersuchungen im Kanton stünden noch am Anfang. Derzeit werde das Grundwasser untersucht, um die Belastung der Umwelt besser abschätzen zu können.
Bei der Studie des Bundes hiess es dazu, dass der mittlere PFAS-Gehalt bei 2,4 Mikrogramm pro Kilogramm liege und damit über dem Median von 1,4 Mikrogramm pro Kilogramm der ZHAW-Studie aus dem Jahr 2022. Die Gründe dafür dürften methodisch sein. Den Forschenden standen mehr Proben zur Verfügung. Dennoch sei die Situation "bedenklich", schrieb der ZHAW-Experte Basilius Thalmann damals.
Bei PFAS handelt es sich um eine Gruppe von mehreren tausend synthetischen Chemikalien. PFAS sind fett-, schmutz- und wasserabweisend und werden seit Jahrzehnten in Produkten wie Textilien, Lebensmittelverpackungen oder Feuerlöschmitteln eingesetzt. Sie sind aber kaum abbaubar und reichern sich deshalb in der Natur und in Organismen an.
PFAS auch in Milchproben gefunden
Das kantonale Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit untersuchte auch Rohmilch. Bei einer ersten Messreihe im Herbst 2025 ergab eine von fünf Proben aus Milchsammelstellen einen Hinweis auf eine Belastung bei einem Milchbetrieb.
Bei einer zweiten, risikobasierten Untersuchung im Winter 2026 wurden drei weitere Rohmilchproben von drei Betrieben analysiert. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass auch diese Betriebe von einer PFAS-Belastung betroffen sind. Das weitere Vorgehen werde nun zwischen den zuständigen Ämtern und den betroffenen Landwirten sowie Grundeigentümern koordiniert, so der Kanton.

















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