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Keystone-SDA | Freitag, 16. Oktober 2026

Kleine Schritte für ein grosses Ziel - Ausgang ungewiss

Wenn die Skirennfahrerinnen in Sölden in die Saison starten, fehlt Michelle Gisin. Nach ihrem schweren Sturz Ende 2025 kämpft sich die Obwaldnerin in kleinen Schritten zurück. Der Ausgang ist offen.

"Ich hätte querschnittgelähmt sein können." Michelle Gisins Worte im März in der SRF-Sendung "Gredig direkt" fuhren ein. Sie zeigten, was bei der 32-Jährigen nach ihrem Sturz im Abfahrtstraining in St. Moritz auf dem Spiel stand. Und liessen erahnen, dass der Weg zurück auf die Rennpisten so steinig wie ungewiss sein würde.

Halswirbelsäule, Knie, Handgelenk, Schulter

Die Liste der Verletzungen war lang, neben dem Knie erwischte es auch Handgelenk, Schulter, Halswirbelsäule und Oberschenkel. Zehn Monate später gibt sich die zweifache Olympiasiegerin optimistisch, doch die Nachwirkungen sind nach wie vor spürbar.

"Es geht immer besser, aber es braucht natürlich noch ein Momentchen. Der Weg ist noch lang", erklärt Gisin. Die Herausforderung liege dabei weniger an einer einzelnen Verletzung als in der Kombination: "Ein kaputtes Knie ist schlimm genug. Aber wenn so viele Baustellen auf einmal zusammenkommen, ist das mental anspruchsvoll und manchmal frustrierend im Training."

Während das Handgelenk gute Fortschritte macht und das Knie heilt, erfordert der Kraftaufbau im linken Oberschenkel Geduld. Für die Rekonstruktion wurde dort die Quadrizepssehne entnommen. Zudem fungiert der Rücken derzeit oft noch als "Handbremse", wie es Gisin ausdrückt. Übertreibe sie es im Training, fordere der Körper rasch eine Pause ein.

Der verflixte Schnee-Plan

Gisins nächstes grosses Etappenziel ist nach wie vor die Rückkehr auf den Schnee. Noch stand die Engelbergerin seit dem Sturz nicht wieder auf Ski. Vom ursprünglichen Plan, auf dem Gletscher in Zermatt erste Schwünge zu ziehen, musste Gisin ebenso abrücken wie vom Vorhaben, in diesen Tagen auf der Diavolezza wieder Schnee unter den Füssen zu spüren. "Es macht im Moment einfach noch nicht so Sinn", so Gisin.

Gleichwohl blickt sie optimistisch und mit Sehnsucht nach vorne: "Ich freue mich sehr, dass ich sehr bald hier in Engelberg auf die Ski kann. Es sieht sehr gut aus, es hat schon ein bisschen Schnee gegeben auf dem Gletscher."

Erst die Rückschlüsse aus den Schneetrainings werden zeigen, wie - und ob - es für Gisin weitergeht als Skirennfahrerin. "Auf dem Schnee werde ich sehen, wie sich mein Körper unter der spezifischen Belastung verhält, wie viel mental und physisch noch fehlt und ob die Psyche bereit ist, wieder ans Limit zu gehen", sagt Gisin. Bis dahin liege der Fokus weiter auf der Rehabilitation und dem Wiederaufbau. Nach wie vor ist Geduld gefragt.

Hochzeit, Wimbledon und Wandern

In den schwierigen Monaten der Reha fand Gisin Halt im privaten Umfeld. Im Sommer heiratete sie ihren langjährigen Partner, den italienischen Skirennfahrer Luca De Aliprandini, zivil in Engelberg - mit Blick auf ihren Lieblingsberg, den Spannort auf der Fürenalp. Anstelle klassischer Flitterwochen genoss das Paar Grand-Slam-Tennis in Wimbledon und Wanderausflüge in den Dolomiten.

"Sobald ich mit den Krücken raus konnte und den Bergen näher kam, habe ich gemerkt, wie wichtig mir das ist", erzählt Gisin. Das Wandern laufe derzeit hervorragend, auch polysportive Aktivitäten wie Klettern oder leichtes Joggen seien wieder möglich.

Eine zentrale Rolle in dieser Phase spielt ihr Physiotherapeut Patrick Amrhein. Er stehe ihr nicht nur physisch zur Seite, sondern helfe ihr auch durch emotionale Tiefs: "Er macht das genial, bringt Humor rein. Die Betreuer und Physios helfen auch mental extrem viel." Das Thema Familienplanung drängt derzeit nicht. Priorität habe einzig die vollständige körperliche Genesung, so Gisin. "Zuerst muss mein Körper wieder fit und gesund sein, danach kommt alles andere."

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