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Kooperativ, aber Nicolas Féraud überzeugt nicht vollends
Der Gemeindepräsident von Crans-Montana VS, Nicolas Féraud, wurde am Montag erstmals im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe vom 1. Januar von der Staatsanwaltschaft angehört. Der FDP-Politiker äusserte sich im Anschluss nicht vor den Medien.
Sein Anwalt Christian Delaloye beantwortete um 22.30 Uhr vor dem Campus Energypolis in Sitten die Fragen der letzten anwesenden Medien - nach rund 90 Minuten, in denen sein Mandant das Protokoll der Anhörung überprüft hatte. Féraud wich Fragen und Kameras aus.
"Es war eine ziemlich belastende Prüfung für ihn mit dieser fast elfstündigen Anhörung. Er ist sehr müde. Aber mein Mandant ist erleichtert, dass er sich erklären und gewisse in letzter Zeit verbreitete falsche Informationen korrigieren konnte", sagte Delaloye.
Stellen bewilligt
Der Anwalt führte weiter aus: "Immer wenn die Sicherheitsverantwortlichen zusätzliches Personal verlangten, hat der Gemeinderat die entsprechenden Stellen bis 2022 bewilligt. Ab diesem Zeitpunkt wurden keine entsprechenden Anträge mehr gestellt. Die Untersuchung wird klären, ob das Personal ausreichend war oder nicht."
"Herr Féraud konnte seine persönliche Situation darlegen und über die Drohungen sprechen, denen er ausgesetzt war. Er konnte damit ein gewisses Leid im Zusammenhang mit dieser Katastrophe vom 1. Januar zum Ausdruck bringen", ergänzte sein Anwalt.
Ein kooperativer Mann
Christian Delaloye rechnet mit einer zweiten Anhörung seines Mandanten - und ist damit nicht allein. "Ich habe ihm noch mindestens 300 Fragen zu stellen", sagte Romain Jordan, Genfer Anwalt mehrerer Opferfamilien, nach der Anhörung.
"Der Gemeindepräsident hat alle Fragen beantwortet, mehr oder weniger ausführlich, aber insgesamt kann man sagen, dass er kooperativ war", erklärte Antonio Bana, einer der Anwälte der italienischen Familien. "Er hat insbesondere die Gemeindestrukturen zum Zeitpunkt der Kontrollen erläutert und seine Sicht auf deren Ausbleiben seit 2019 dargelegt."
Zwischen Aufrichtigkeit und Ausweichen
Nicolas Féraud vermochte jedoch die Mehrheit der anwesenden Anwälte der Privatklägerschaft nicht zu überzeugen: "Bei gewissen Fragen ist er mehrfach Slalom gefahren", sagte Robert Assael bildhaft.
"Diese Anhörung glich einem sehr, sehr langen Weg", sagte Gilles-Antoine Hofstetter. "Der Weg zur Wahrheit ist noch weit, so mein Eindruck. Herr Féraud zeigte Momente von Aufrichtigkeit, vermittelte aber teilweise auch den Eindruck, auszuweichen."
Erleichterung bei den Familien
"Persönlich bin ich Herrn Féraud dankbar, dass er die Fragen beantwortet hat", sagte Romain Jordan. "So konnten wir in gewissen Punkten vorankommen. Es bleibt jedoch die gleiche Feststellung wie zu Beginn der Anhörung: Es wurden so viele Fehler, Nachlässigkeiten und mangelnde Sorgfalt begangen. Es hat sich eine Kultur des Ungefähren etabliert, eine Kultur nach dem Motto: Es ist nicht schlimm, wenn dies oder jenes nicht kontrolliert wird - und am Ende führt das zu einer Tragödie."
Der Walliser Anwalt Sébastien Fanti hatte vor der Anhörung gegenüber Keystone-SDA darauf hingewiesen, dass es mehr als drei Monate gedauert habe, bis Féraud als Beschuldigter einvernommen wurde. "Für die Familien lautet das Stichwort: endlich."
Letzte Anhörung am Mittwoch
Die Gemeinde hatte wenige Tage nach dem Brand eingeräumt, dass die Bar seit 2019 nicht mehr kontrolliert worden war. In einem Interview mit Keystone-SDA Ende Januar hatte Féraud erstmals ein Mea culpa abgelegt. "Ich werde Verantwortung übernehmen, falls ich angeklagt werde", sagte er damals.
Seit dem 5. März wird der Bewohner des Haut-Plateau wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung beschuldigt. Er wurde im Rahmen der dritten Befragungsserie durch das mit dem Fall betraute Staatsanwaltschaftsteam angehört. Der ehemalige Gemeinderat von Crans-Montana, zuständig für die öffentliche Sicherheit (2021–2024), soll am Mittwoch im Rahmen einer zweiten Anhörung dieser Woche befragt werden.
Strafanzeige eingereicht
Zudem läuft gegen Nicolas Féraud eine Strafanzeige einer Opferfamilie vom 26. Januar. Dem 50-Jährigen werden darin fahrlässige Körperverletzung, Gefährdung des Lebens anderer mit Eventualvorsatz, fahrlässige Brandstiftung sowie mehrere Verstösse gegen gesetzliche Pflichten und Verantwortlichkeiten gemäss Gemeindegesetz vorgeworfen, insbesondere gegen das Gesetz über den Schutz vor Feuer und Naturgefahren.
Beim Brand vom 1. Januar in Crans-Montana kamen 41 Menschen ums Leben, 115 wurden verletzt, darunter 38, die weiterhin hospitalisiert sind.

















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