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Lars Weibel: "Da habe ich Urvertrauen ins Team"
Nationalmannschaftsdirektor Lars Weibel spricht im Interview mit Keystone-SDA über eine neue Zeitphase und erklärt, warum die Norweger nicht unterschätzt werden.
Lars Weibel, war der Viertelfinalsieg gegen Schweden aufgrund der Vorgeschichte mit den vielen Niederlagen der ultimative Härtetest - gerade auch mental?
"Ganz ehrlich, nein. Es war von aussen immer ein Thema, und ich sah die Statistiken, aber die Mannschaft hat dem im Vorfeld keinen Wert beigemessen, hatte das nicht im Kopf. Wir sind wie in einer neuen Zeitphase nach einem zehnjährigen Aufbau. Wir haben nun eine andere Einstellung, die Mannschaft lebt im Hier und Jetzt und denkt nicht an Statistiken. Das spürte man. Aber ich gebe Ihnen Recht, es war wirklich eine schwierige Partie. Mich hat gefreut, dass wir nach dem ersten Rückstand an diesem Turnier weiter kontinuierlich unseren Gameplan verfolgten. Die Spieler und der Staff blieben ruhig, im Wissen, dass wir auch gegen ein Topteam einen Rückstand aufholen können. Es war für uns ein Reifetest, aber emotional kein Thema."
Sie haben von einer neuen Zeitphase gesprochen. Können Sie das etwas genauer umschreiben?
"Ich muss da Fischi (den entlassenen Nationaltrainer Patrick Fischer) erwähnen. Nach der letzten WM haben wir uns wieder intensiv hinterfragt. Den letzten Schritt zu schaffen, war das Thema, wie zuvor das Überwinden der Viertelfinal-Hürde. Daran haben wir extrem hart gearbeitet, was Jan (Cadieux) nun hervorragend weiterführt: die Favoritenrolle nicht nur anzunehmen, sondern sie zu lieben."
Gibt es etwas, das Sie besonders stolz macht am ganzen Prozess?
"Ja, darauf, dass wir kontinuierlich unseren Weg gegangen sind, wir uns von nichts aus der Bahn werfen liessen. Das zeigt Stärke und widerspiegelt sich auf und neben dem Eis. Es ist kein Zufall, wie wir nun unterwegs sind. Wir sind eine Gruppe mit Charakter und nicht nur mit Talent. Darauf achteten wir in den letzten Jahren extrem bei der Zusammensetzung des Teams - auf und neben dem Eis. Nun Teil davon sein zu dürfen, gibt ein gutes Gefühl."
Kann man sagen, ihr habt das ganze Setting perfektioniert und die Leistungen sind nun der Ausdruck davon?
"Ich finde Perfektion ein heikles Wort. Das können wir vielleicht in den Mund nehmen, wenn wir den ganz grossen Coup geschafft haben. Aber wir besitzen den Willen, immer besser zu werden, hinterfragen jede Position. Das ist unser unbändiger Antrieb. Zwar wollen das viele, sie knicken dann aber bei Widerständen von innen oder aussen ein. Diese Stärke mussten wir uns erarbeiten."
Die Euphorie ist immens. Ist nun die grösste Herausforderung, es hinzubekommen, sich einerseits davon beflügeln zu lassen und auf der anderen Seite nicht zu überdrehen? Dies ist ein schmaler Grat.
"Ja, vielleicht, es ist eine neue Situation. Man kann es jedoch nicht verallgemeinern. Für gewisse Spieler kann es eine Gefahr sein, da sie schon ein hohes Bereitschaftsniveau haben, anderen tut es gut, weil sie eher gepusht werden müssen. Klar ist, dass wir spielerisch eine Top-Mannschaft sind und jedes Team bezwingen können, aber den Titel gewinnst du nur, wenn die Zweikampfintensität im Durchschnitt höher ist als jene des Gegners. Das hat man gegen Schweden gesehen. Wir waren in den entscheidenden Momenten zäher."
Gegen Norwegen seid ihr auf dem Papier der klare Favorit, die Leute erwarten den Finaleinzug. Das kann eine grosse Gefahr sein. Was macht Sie zuversichtlich, dass dies keinen Einfluss auf die Leistung hat?
"Die Leute draussen erwarten das vielleicht. Der Mannschaft ist jedoch bewusst, wie hart sie für den Finaleinzug arbeiten muss. Es spielt keine Rolle, gegen wen du spielst. Wir haben gesehen, wie Norwegen bislang aufgetreten ist. Sie sind definitiv ein guter Gegner und nicht per Zufall im Halbfinal. Wir werden sie nicht unterschätzen, sondern unser Spiel spielen. Da habe ich Urvertrauen ins Team."
Zum Schluss: Was macht Sie zuversichtlich, diesmal den ganzen Weg zu schaffen?
"Es ist eine Überzeugung, ein Gefühl, das ist schwierig zu erklären. Die Mannschaft hat definitiv das Rüstzeug dafür."

















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