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Liam Millar: "Unsere Fans können den Unterschied machen"
Beim FC Basel war er ein Publikumsliebling, nun trifft Liam Millar mit Kanada auf die Schweiz. Er spricht über die Stärken seines Teams, die Fussball-Entwicklung in Kanada und das Gamen mit Dan Ndoye.
Als Keystone-SDA Liam Millar telefonisch erreicht, befindet er sich mit Hull City gerade in der heissen Schlussphase der Saison. In der letzten der 46 Runden eroberte sein Team in der zweithöchsten englischen Liga den 6. Platz und qualifizierte sich damit gerade noch für die Playoffs. "Der Aufstieg würde mir alles bedeuten", sagt Millar damals. "Genau deswegen bin ich nach Hull gekommen: Um in der Premier League spielen zu können."
Davon träumt der 26-Jährige, seit er im Alter von 13 Jahren Kanada verliess und sich der Jugendakademie von Fulham anschloss. Und sein Traum kann sich tatsächlich bald erfüllen: Zuerst setzte sich Hull City gegen Millwall durch, dann auch im Wembley gegen Middlesbrough - dank eines Treffers in der 95. Minute. Millar stand in allen drei Playoff-Spielen in der Startaufstellung.
Für ihn war es der goldene Abschluss seiner Comeback-Saison, nachdem er wegen eines Kreuzbandrisses fast ein Jahr ausgefallen war. Am Ende kam er auf 38 Einsätze, drei Tore und fünf Assists. Natürlich hätte er gerne noch ein paar Treffer mehr erzielt, sagt der Aussenläufer. "Wichtig war für mich aber vor allem, wieder in den Rhythmus zu kommen, regelmässig Spiele zu machen und den Fussball wieder richtig zu geniessen."
Als Fussballer ein "Exot"
Die Belohnung folgte nicht nur mit dem Aufstieg, sondern auch mit dem Aufgebot für die Heim-WM. Obwohl - oder gerade weil - er Toronto bereits in seiner Jugend verlassen hat, sei er "ein unglaublich stolzer Kanadier", betont Millar. Immer wenn er zurück sei, geniesse er die Weite des Landes und fahre gerne mit dem Auto herum. Als "besonders kanadisch" an sich bezeichnet Millar ausserdem seine Vorliebe für die Einkaufskette Costco.
Als Fussballer sei er in seiner Kindheit ein Exot gewesen. "Damals haben viele Kinder Fussball nur gespielt, um ein bisschen herumzurennen. Niemand hat es wirklich ernst genommen." Deshalb sei für ihn früh klar gewesen, dass er ins Ausland wechseln müsse, um sich weiterentwickeln zu können.
Durch die Entwicklung der Nationalmannschaft, die nach 1986 und 2022 zum dritten Mal an einer Weltmeisterschaft teilnimmt, sowie durch viel Arbeit hinter den Kulissen sei Kanada jedoch immer mehr zu einem Fussballland geworden. Und als Co-Gastgeber der WM sei die Euphorie zusätzlich gewachsen. "An Eishockey kommen wir noch nicht vorbei, aber eines meiner Karriereziele ist es, alles dafür zu tun, dass Fussball in Kanada irgendwann die Nummer eins wird."
Kanadas positive Entwicklung
Millar war bereits in Katar dabei, als das Team mit drei Niederlagen ausschied und er selbst nur zu einem Kurzeinsatz kam. An der Heim-WM stand er beim Auftaktspiel gegen Bosnien-Herzegowina (1:1) in der Startaufstellung, musste in der anschliessenden Partie gegen Katar, die Kanada 6:0 gewann und damit den ersten WM-Sieg seiner Geschichte feierte, jedoch auf der Ersatzbank Platz nehmen.
Der kanadische Aufschwung ist auch auf Nationaltrainer Jesse Marsch zurückzuführen, der das Team seit Mai 2024 betreut. Der 52-jährige Amerikaner durchlief die Red-Bull-Schule und trainierte zunächst die New York Red Bulls, später RB Salzburg und RB Leipzig. Mit Salzburg gewann er zweimal das Double.
Im März 2025 feierte Kanada im kleinen Final der Nations League einen 2:1-Prestigesieg gegen die USA. Und auch sonst hat das Team auf dem Weg zur Heim-WM Selbstvertrauen getankt: Von den letzten 20 Partien (mehrheitlich Testspiele) verlor es nur eine.
Nun kommt es am Mittwochmittag (21.00 Uhr Schweizer Zeit) in Vancouver zum Duell mit der Schweiz um den Gruppensieg. Auf dem Papier sei die Schweiz der Favorit, sagt Millar. Seine Mannschaft verfüge jedoch ebenfalls über grosses Potenzial. "Wir sind ein Team mit sehr viel Energie. Wir pressen gerne, wir sprinten viel und spielen intensiv."
Dan Ndoye, der Gamer-Freund
Besonders freut sich Millar auf das Wiedersehen mit seinen ehemaligen Teamkollegen Zeki Amdouni und Dan Ndoye. Mit dem FC Basel erreichte das Trio einst den Halbfinal der Conference League. Inzwischen spielen alle drei in England.
Amdouni habe er kurz geschrieben, als dieser sich einen Kreuzbandriss zuzog und damit zu einem Leidensgenossen wurde. Mit Ndoye stehe er sogar fast täglich in Kontakt, erzählt Millar. "Dan ist ein sehr guter Freund geworden, wir gamen fast jeden Abend zusammen online."
Gemeinsam hätten sie auch das Playoff-Spiel zwischen Bosnien-Herzegowina und Italien verfolgt und mit Riccardo Calafiori mitgefiebert. "Wenn es Italien auch geschafft hätte, wäre es in dieser Gruppe gleich mehrfach zu einer Basel-Reunion gekommen."
Nun kommt es zumindest zu einer solchen Wiedervereinigung, bei der Millar natürlich auf einen erfolgreichen Ausgang für sein Team hofft. Dabei zählt er auch auf den Heimvorteil. "Ich glaube, das kann ein echter Unterschied sein, wenn Spiele schwierig werden. Wenn dann 50'000 Menschen im Stadion sind und dich anfeuern, ist das ein enormer Vorteil für uns."
Auf Klubebene hat Millar in diesem Jahr schon ausgiebig gefeiert, nun hofft er auch auf die grosse Party mit dem Nationalteam.

















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