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Luca Aernis Gefühlschaos in Adelboden
Acht Jahre nach seinem ersten und einzigen Podestplatz im Slalom-Weltcup blüht Luca Aerni als Riesenslalom-Fahrer neu auf. Die Brandkatastrophe in seiner Wahl-Heimat trübt die Glückseligkeit.
Er galt als grosses Talent, legte einen beachtlichen Aufstieg hin und verschwand dann acht Jahre in der Versenkung. Nun verblüfft er plötzlich als Riesenslalom-Spezialist. Mit 32 Jahren erlebt Luca Aerni, für einige unverhofft, seinen zweiten Frühling als Skirennfahrer. In Adelboden gehört er am Wochenende zu den Anwärtern auf einen Podestplatz - nicht im Slalom, seiner langjährigen Paradedisziplin, sondern im Riesenslalom.
2017 wurde der gebürtige Berner und Wahl-Walliser in St. Moritz Weltmeister in der Kombination. Zehn Monate später stieg er als Zweiter in Madonna di Campiglio zum ersten Mal auf das Slalom-Podest. 24 Jahre alt war Aerni zu diesem Zeitpunkt. Er stand am Anfang einer vielversprechenden Karriere, war einer der drei grossen, wenn nicht der grösste Schweizer Hoffnungsträger im Slalom neben Daniel Yule und Ramon Zenhäusern. Doch Körper und Material spielten in der Folge nicht mit.
Rückenbeschwerden und Materialprobleme
Rückenbeschwerden und Materialprobleme bremsten ihn aus. Er habe sich damals beim Material verloren, in Kombination mit den Rückenbeschwerden sei es schwierig gewesen, locker zu bleiben, sagt Aerni rückblickend. Über Jahre zogen sich die Schwierigkeiten hin. Siebenmal schaffte es Aerni zwischen Dezember 2017 und Januar 2024 im Slalom in die Top 10, zweimal in einem City Event. Nur noch vereinzelt trat er in dieser Zeit im Riesenslalom an.
Dass die Slaloms in den letzten Jahren enger gesteckt wurden, erschwerte Aerni, der es schneller mag, den Wiederanschluss. Nicht zuletzt deshalb begann die sportliche Auferstehung in der Vorsaison im Riesenslalom - mit dem 4. Platz in Val d'Isère, der Bestzeit im zweiten Lauf nach Rang 30 im ersten. Rückblickend war es kein Zufall. "Seit letztem Jahr läuft es im Riesenslalom. Material und Timing passen", sagt Aerni. Er habe zu jener Selbstverständlichkeit gefunden, die er früher in Slalom gehabt habe.
Grosse Emotionen
So blüht Aerni im vermeintlichen Herbst seiner Laufbahn wieder auf. Im Dezember verhalfen ihm der Durchhaltewille und die Geduld mit Platz 2 im Riesenslalom in Val d'Isère hinter Loïc Meillard und vor Marco Odermatt. "So emotional wie nach diesem Rennen war ich noch nie in meiner ganzen Karriere. Ich dachte an alles, was in den letzten Jahren passiert ist, an all die schwierigen Momente, an all die Personen, die mich unterstützt haben", sagt Aerni. Auch im "Riesen" aufs Podest zu fahren, sei immer sein Ziel gewesen. "Cool, dass ich das jetzt geschafft habe. Das zeigt, dass es sich lohnt, nie aufzugeben", so Aerni.
Geholfen haben mitunter unkonventionelle Ansätze, zum Beispiel Karate: "Mit 32 Jahren bist du immer froh um Abwechslung und neue Inputs." Der Kampfsport sei gut für den Flow, so Aerni.
Die Freude über die guten Resultate im Riesenslalom war Aerni in den letzten Wochen anzusehen. Seit Silvester ist sie jedoch getrübt. Die Brandkatastrophe in Crans-Montana, in deren naher Umgebung der Wahl-Walliser Aerni seit 2018 wieder lebt, geht ihm nahe. Er sei an jenem Abend bei Freunden gewesen und habe nach dem Nachhausekommen die Sirene eines Krankenautos gehört, schildert er. Er habe zwar keines der Todesopfer gekannt, es falle ihm aber schwer, die kursierenden Videos davon anzuschauen. "Wir dürfen dieses Ereignis nicht vergessen am Wochenende. Ich werde ganz fest an die betroffenen Familien denken", sagt er. Sein Wunsch: "Vielleicht können wir den Leuten ein wenig Freude geben."
















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