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Keystone-SDA | Donnerstag, 28. Mai 2026

Mäder und Kernen überzeugen mit starkem Saisonstart

Babypause hier, Spitzensport-RS da: Trotz verschiedenen Lebensphasen bilden Joana Mäder und die 14 Jahre jüngere Leona Kernen neu ein Beachvolleyball-Duo. So haben sie den Start erlebt.

Was war das für ein Auftakt in die Saison. An den zwei Elite16-Turnieren in Brasilien trotzen Joana Mäder und Leona Kernen dem frenetischen Publikum und besiegen gleich drei einheimische Teams. Zudem entscheiden sie das Schweizerinnen-Duell mit Anouk und Zoé Vergé-Dépré für sich. In der Hauptstadt Brasilia winkt dem neuformierten Team der Einzug in die Halbfinals, ehe Mäder und Kernen in einem mitreissenden Kampf gegen die letztjährigen WM-Bronze-Gewinnerinnen scheitern.

Die sechs Satzbälle, die im Duell gegen Carol/Rebecca ungenutzt blieben, tun auch eine Woche später noch ein bisschen weh. "Für mich war es schwierig, diese Atmosphäre auszublenden und bei mir selbst zu bleiben", sagt Kernen nach einem Training in Bern. "Und wenn im entscheidenden Moment der Mut etwas fehlt, wird das halt sofort bestraft - vor allem gegen die aktuelle Weltnummer 1."

Das Positive überwiegt jedoch deutlich: Sie hielten mit den besten Teams der Welt mit und feierten ein paar schöne Siege. "Das 'fägt'", hält Mäder fest. "Denn gleichzeitig wissen wir, dass immer noch viel Luft nach oben ist." Für die 34-Jährige waren es die ersten Elite16-Turniere seit August 2024.

Mäders neue Doppelrolle

In dieser Zeit ist bei Joana Mäder so einiges passiert. Ihr Partner Stefan und sie wurden erstmals Eltern, und alles drehte sich um Töchterchen Malia. Die neue Situation, die sie beide teilweise auch etwas überforderte, liess Mäder zunächst daran zweifeln, ob sie wieder auf die Tour zurückkehren würde. Dass das Feuer bei ihr zurückkehrte, lag auch daran, dass sie die Spiele ihres Bruders Adrian Heidrich regelmässig im Livestream verfolgte.

Es stellten sich Mäder nun zwei Fragen: Wie ist das Leben mit Spitzensport und Familie? Und: Mit wem soll und kann sie ein Team bilden?

Zum ersten Punkt sagt Mäder nach den ersten Monaten zurück auf der Tour: "Es ist intensiv, aber auch eine spannende neue Erfahrung für mich." Früher habe sie alles dem Sport untergeordnet, nun habe sich die Perspektive etwas geändert. Trainings oder Spiele, die nicht wie gewünscht verlaufen, kann Mäder leichter verarbeiten, weil daheim eine ganz andere Aufgabe auf sie wartet.

Auch mit dem nun oft zu kurzen Schlaf kann Mäder gut umgehen. Und das überraschte sie selbst, denn früher sei sie meist unzufriedener gewesen oder habe Blessuren mehr gespürt, wenn sie nicht auf ihre acht Stunden gekommen sei. "Als Mami habe ich gelernt: Ich funktioniere auch mit wenig Schlaf. Einfach, weil ich es muss." Sie hadert weniger und versucht schlicht, das Beste aus der gegebenen Situation herauszuholen. "Aber natürlich packe ich die Gelegenheit für ein Nickerchen gerne, wenn es sich bietet."

Ein Duo auf Augenhöhe

Bei der Frage nach der neuen Partnerin schien die Antwort auf der Hand zu liegen: Im Jahr mit Tanja Hüberli, die nach der Mutterschaftspause von Nina Brunner nun wieder mit der langjährigen Partnerin zusammenspielt, hat Kernen Erfahrung auf der Profi-Tour gesammelt. Sie war für viele die naheliegende Kandidatin, um das Duo mit Mäder zu bilden. Allerdings hätte es mit Muriel Bossart eine weitere starke Nachwuchsspielerin gegeben, die zur Verfügung gestanden wäre. Mäder setzte sich mit beiden Optionen auseinander.

Im Gespräch mit Kernen stellte Mäder gleich zu Beginn klar: "Ich bin jetzt Mama, aber ich bin nicht deine Mama." Eine Zusammenarbeit, in der sie den Ton angibt, nur weil sie über mehr Erfahrung verfügt, wollte die Zürcherin nicht. Sie suchte einen Austausch auf Augenhöhe und stellte zufrieden fest: Das ist mit Leona Kernen definitiv möglich.

Teilweise sind die vermeintlichen Rollen sogar getauscht: So ist es Kernen, die Mäder vor dem Interview mit Keystone-SDA noch kurz mahnt, den Physiotermin am Nachmittag nicht zu vergessen. "Ich denke, wir sind charakterlich sehr ähnlich", sagt Kernen. "Wir sind beide sehr strukturiert." Und Mäder ergänzt: "Leona ist für ihre 20 Jahre enorm weit."

Olympiaquali beginnt im Herbst

Kernen sagt, dass sie nicht lange überlegen musste, ob sie sich mit Mäder zusammentun möchte. Die Chance, an der Seite der Olympia-Bronze-Gewinnerin von 2021 zu spielen, musste die Bernerin einfach packen. "Ich bewundere Joana. Obwohl sie schon so viel erreicht hat, will sie immer noch mehr und arbeitet jeden Tag enorm hart an sich."

Nachdem sie im letzten Jahr das Sportgymnasium abgeschlossen hatte, absolvierte Kernen zuletzt die Spitzensport-RS. Ein Studium sei künftig mal ein Thema. Vorerst sei sie aber in der privilegierten Position, sich ganz dem Beachvolleyball widmen zu können. "Lange habe ich mir selbst Druck gemacht und gedacht, dass ich nicht nur auf den Sport setzen kann", sagt Kernen. Nach Gesprächen mit ihren Nächsten erkannte sie: "Ich bin in einem Alter, in dem ich im Training alles aufsaugen und mich weiterentwickeln kann. Das will ich nutzen."

Hinzu kommt die klare Zielsetzung der beiden: Sie wollen 2028 an den Olympischen Spielen in Los Angeles teilnehmen. Die gut eineinhalbjährige Qualifikationsperiode dafür beginnt im Herbst dieses Jahres - also schon bald.

Der gelungene Start in die Saison hat das Duo in den hohen Ambitionen nochmals bestärkt. Nun ist Bestätigung gefragt. In dieser Woche steht das Elite16-Turnier in Ostrava an.

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