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Keystone-SDA | Mittwoch, 20. Mai 2026

Manzambi mit Freiburg im Final gegen Aston Villa Aussenseiter

Freiburg steht am Ende einer denkwürdigen Saison und kann diese mit dem Europa-League-Titel perfekt vollenden. Ein Triumph über Aston Villa in Istanbul (21.00 Uhr) käme einer Überraschung gleich.

Es ist eine vielleicht einmalige Chance. Und viele deutsche Fans drücken für das grösste Spiel der Freiburger Vereinsgeschichte die Daumen. "Warum sollen wir das Ding nicht holen?", fragte Captain Christian Günter im TV-Interview. Der Linksverteidiger steht ebenso wie Abwehrchef Matthias Ginter sinnbildlich für die erfolgreiche Fussball-Philosophie des Klubs, bei welchem auch der 20-jährige Schweizer Internationale Johan Manzambi zu den Schlüsselspielern gehört.

"Es haben schon grössere und auch schon kleinere Vereine als der SC Freiburg Finalspiele gewonnen", meinte Ginter. "Es ist ein sehr, sehr grosses Zeichen, wie sich der Verein die letzten Jahrzehnte, aber vor allem auch die letzten Jahre entwickelt hat." Es sei jetzt das Ziel, "diese Hemmschwelle" der titellosen Zeit zu überbrücken und dieses Endspiel "als kleinen Startschuss" zu sehen.

Aufstieg in eine neue Dimension

33 Jahre ist es her, dass der Klub mit anfangs beschränkten finanziellen Mitteln erstmals in die Bundesliga aufgestiegen ist. Spätestens jetzt ist Freiburg in eine neue Dimension vorgestossen. Man müsse den Klub wirklich bewundern, so die Würdigung von Weltmeister-Trainer Joachim Löw. "Viele Vereine können sich an Freiburg ein echtes Beispiel nehmen", sagte der 66-Jährige. Ein langer Atem zahle sich aus, der Erfolg sei kein Zufall, so der Ex-Bundestrainer.

Es ist eine beachtliche Geschichte. Nicht der FC Bayern, sondern Freiburg vertritt die Bundesliga in einem europäischen Finale. Ein Triumph gegen den klaren Favoriten aus Birmingham würde die Südbadener erstmals in die Champions League und auf eine neue Ebene katapultieren. Ohnehin hat sich der Klub verglichen mit den Anfangszeiten in Liga eins in andere finanzielle Sphären entwickelt.

In dieser Saison summieren sich die Einnahmen aus Startgeld und Prämien im UEFA-Wettbewerb auf 33 Millionen Euro. Weitere zehn Millionen Euro würde der Finalsieg im Besiktas-Stadion einbringen. Mit dem Einzug in die lukrative Königsklasse wäre allein ein Antrittsgeld von gut 18 Millionen Euro verknüpft.

Freiburger Fussballschule ein Erfolgsfaktor

Goalie Noah Atubolu ist eines der noch immer zahlreichen Eigengewächse, die die Erfolgsstory mitschreiben. Dazu zählt auch der zwischenzeitlich abgewanderte und zurückgekehrte Ginter. Oder Günter, der zwar nicht mehr unersetzliche Stammkraft, aber unumstrittene Führungskraft ist. Oder Nicolas Höfler, der in dieser Saison lange abgeschrieben schien, beim 3:1 im Halbfinal gegen Sporting Braga aber wieder eine entscheidende Rolle einnahm. Sie alle stehen für Geschlossenheit. Keiner nimmt sich zu wichtig. Auch Julian Schuster nicht.

Der Coach ist als einstiger Captain und Verbindungstrainer bestens mit Freiburgs System vertraut. Rasant hat sich der Klub mit ihm von der Streich-Ära gelöst und diese sogar übertroffen. "Er holt aus dieser Mannschaft mehr heraus, als von der Papierform möglich ist", lobte Klubikone Nils Petersen.

Nachdem die Freiburger 2023 und 2024 in den Achtelfinals der Europa League klar die Grenzen aufgezeigt bekommen haben, ist das Selbstvertrauen mittlerweile gestiegen. Die Haltung hat sich gewandelt, auch wenn dieser Schritt bis ins internationale Endspiel überraschend kommt. Letzter deutscher Titelträger und einziger seit der Wettbewerb Europa League heisst, ist Eintracht Frankfurt (2022).

Europa lernt Freiburg kennen

Die Aussenseiterrolle gegen Aston Villa soll den SC Freiburg nicht abschrecken. "Ich habe gehört, sie kennen fast gar keinen aus unserem Team", sagte Verteidiger Lukas Kübler. "Vielleicht können wir ihnen auf dem Platz zeigen, wer wir sind."

In Freiburg ist die Euphorie gewaltig. In 15 Minuten waren alle 11'000 Tickets für Istanbul vergriffen, 62'000 Fans fragten Karten an. "Die Leute sind hyped auf dieses Finale", sagte Keeper Atubolu. Wenn man an den friedlichen Platzsturm nach dem Finaleinzug zurückdenkt, an die Spieler, von Fans auf Schultern getragen, oder an den weinenden Schuster, ist kaum auszumalen, welche Emotionen im Falle eines Triumphs ausbrechen.

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