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Keystone-SDA | Dienstag, 06. Januar 2026

Massenprotest in Jerusalem gegen Wehrpflicht - Bus überrollt Menschen

Bei einem Massenprotest Tausender Ultraorthodoxe gegen ihre Rekrutierung in Israel hat laut israelischen Polizeiangaben ein Busfahrer mehrere Teilnehmer mit seinem Fahrzeug erfasst. Ein junger Mann sei unter dem Bus eingeklemmt und für tot erklärt worden, meldete der Rettungsdienst Magen David Adom. Demnach wurden auch mehrere Menschen verletzt. Der Busfahrer wurde laut Polizei festgenommen.

Laut ersten Ermittlungen ereignete sich der Vorfall ausserhalb des für den Protest vorgesehenen Bereichs, wie die Polizei weiter mitteilte. Dort habe es regulären Verkehr gegeben. Demonstranten hätten dort versucht, den Busfahrer an der Weiterfahrt zu hindern. Der Fahrer sagte den Angaben zufolge aus, Demonstranten hätten ihn angegriffen.

Haaretz: Rund 15.000 Demonstranten in Jerusalem

Laut der israelischen Zeitung "Haaretz" nahmen rund 15.000 Ultraorthodoxe an dem Protest teil. Israels Polizei teilte mit, dass einige von ihnen Polizisten mit Gegenständen beworfen und Mülltonnen angezündet hätten. Zudem hätten Randalierer auch Journalisten angegriffen, hiess es weiter. Die israelische Polizei sei im Einsatz, um die "gewalttätige Unruhe" aufzulösen.

Streng religiöse Männer waren in Israel jahrzehntelang von der Wehrpflicht befreit. Diese Ausnahmeregelung lief jedoch vor rund anderthalb Jahren aus. Der israelischen Regierung gelang es nicht, ein neues Gesetz zu verabschieden, um diesen Sonderstatus für die Ultraorthodoxen zu zementieren.

Seitdem gibt es immer wieder grosse Proteste streng religiöser Juden gegen ihre Rekrutierung. Viele Ultraorthodoxe empfinden den Militärdienst als Bedrohung ihres frommen Lebensstils, unter anderem, weil Frauen und Männer gemeinsam dienen. Ein Redner habe auf der Demonstration die Wehrpflicht mit dem Holocaust verglichen, meldeten die "Times of Israel" sowie die israelische Nachrichtenseite "ynet".

Streit um die Wehrpflicht gefährdet Netanjahus Koalition

Die Armee hat dagegen auch wegen des langen Gaza-Kriegs eindringlich vor einem drastischen Mangel an kampffähigen Soldaten gewarnt. Viele Israelis empfinden es zudem als ungerecht, dass ultraorthodoxe Juden vom Dienst an der Waffe und gefährlichen Kampfeinsätzen ausgenommen sind.

Die Kundgebung in Jerusalem richtete sich auch gegen einen neuen Gesetzentwurf, der die Befreiung der Ultraorthodoxen regeln soll, der einigen von ihnen aber nicht weit genug geht.

Der Streit um die Wehrpflicht für streng religiöse Männer gilt auch als Gefahr für den Fortbestand der rechtsreligiösen Koalition des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

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