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Mercedes und Kimi Antonelli auf Wolke 7
Die Formel 1 begeistert auch mit den neuen Regeln. Beim Grossen Preis von Japan feiert der 19-jährige Kimi Antonelli den zweiten Sieg in Folge und führt als erster Teenager die WM-Wertung an.
"Ich hatte etwas Glück mit dem Safety Car", meinte Kimi Antonelli auf der Ehrenrunde über den Boxenfunk. Aber: Der junge Italiener wäre in Suzuka auch ohne dieses Rennglück wohl kaum zu schlagen gewesen. In der zweiten Rennhälfte fuhr Antonelli der Konkurrenz auf und davon. 13,7 Sekunden betrug am Ende sein Vorsprung auf den Australier Oscar Piastri (McLaren). Der Monegasse Charles Leclerc (Ferrari), der kurz vor Schluss den Briten George Russell im zweiten Mercedes noch vom Podest drängte, büsste 15,2 Sekunden auf Antonelli ein.
Antonelli gewann damit als erster Italiener seit Alberto Ascari (Ferrari) vor 73 Jahren zwei Rennen hintereinander. Ascari wurde 1953 daraufhin auch Weltmeister.
Die Schlüsselszene
Die Schlüsselszenen im Rennen ereigneten sich in Runde 22. Nachdem 18 von 22 Piloten den Reifenwechsel bereits hinter sich hatten, verunfallte Oliver Bearman (Haas) schwer. Bearman, vor dem Rennen in Suzuka sensationeller Fünfter in der Fahrerwertung, kam im Duell mit dem Argentinier Franco Colapinto (Alpine) von der Strecke ab und knallte in die Streckenbeschränkung. Bearman kam ohne Knochenbruch, aber mit einer Knieprellung davon.
Antonelli, Lewis Hamilton und Max Verstappen sowie Nico Hülkenberg (Audi) verloren so bei ihrem Boxenstopp (während der Safety-Car-Phase) mindestens zwölf Sekunden weniger als zuvor die Konkurrenz. Es gab mehr Verlierer als Sieger.
"Zu früh, um schon an die WM zu denken"
George Russell im zweiten Mercedes zählte zu den Verlierern. Vor Bearmans Unfall befand er sich in der perfekten Ausgangslage. Russell wechselte die Reifen auf eigenen Wunsch früher als geplant und unmittelbar vor Bearmans Unfall. Anstatt eines möglichen zweiten Saisonsiegs resultierte für Russell so nur Platz 5. Er verlor die Führung im WM-Klassement an seinen neun Jahre jüngeren Teamkollegen, der nach zwei Siegen in zwei Wochen von allen Seiten gehyped wird. "Eine Runde verändert alles", haderte Russell, "alles wäre anders herausgekommen."
Und Antonelli? Der bleibt cool und geniesst den Augenblick. Obwohl der Tag für ihn katastrophal begonnen hatte. Die Pole-Position warf er mit einem miserablen Start weg, in dem er sich verkuppelte und von Platz 1 auf 6 zurückfiel. Aber als er nach Bearmans Unfall wieder vorne lag, fuhr er der Konkurrenz davon. "Mein Start war furchtbar, eine Katastrophe! Aber die 'Pace' des Wagens war in der zweiten Rennhälfte überragend", so Antonelli. Trotz zwei Siegen aus drei Rennen sei es, so Antonelli, "noch viel zu früh, um schon an die Weltmeisterschaft zu denken".
Statistik spricht für Mercedes
Ist es das? Die Statistik sagt etwas anderes: Wenn Mercedes die ersten drei Rennen einer Saison gewinnt, dann holt Mercedes auch den Titel. So war es bislang immer. Toto Wolff, der Teamchef von Mercedes, will seinen Schützling Antonelli, den er mit 10 unter Vertrag genommen hat, vor Trubel bewahren. "Es ist klar, dass gerade für die italienischen Medien der WM-Titel für Antonelli zum Thema wird. Unser Job ist es, Kimi von diesem Rummel, so gut es geht, abzuschotten."
Die Formel 1 geht nun in eine fünfwöchige, ungeplante Pause - weil die Grands Prix von Bahrain und Saudi-Arabien wegen des Iran-Kriegs nicht stattfinden. Nach einem rennfreien April geht es Anfang Mai in Miami weiter. Dabei hoffen die meisten Rennställe, den Rückstand auf Mercedes weiter zu verringern.
Schon in Suzuka war offensichtlich, dass McLaren und Ferrari aufgeholt haben. Insbesondere McLaren meldete sich stark zurück. "Wenn es uns gelingt zu starten, dann sind wir gar nicht so schlecht", stellte Piastri (2.) fest. "Es wäre interessant gewesen zu sehen, wie es ohne den Unfall von Bearman weitergegangen wäre." Piastri hatte vor den Reifenwechseln geführt und sich sogar von Verfolger Russell absetzen können.
Zudem machte der GP von Japan klar, dass die Neuerungen in der Formel 1 einschlagen. In Suzuka, wo es in der Vergangenheit kaum Überholmanöver gab, wurde ein ums andere Mal überholt. "Wenn jetzt noch einer sagt, dass die Neuerungen nicht funktionieren, dann muss er sich eine neue Sportart suchen", so Toto Wolff.
















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