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Keystone-SDA | Mittwoch, 29. April 2026

Neue Studie zeigt drastische Langzeitfolgen sexueller Gewalt

Die Folgen sexueller Gewalt sind weit gravierender und langanhaltender als bislang angenommen. Eine neue Studie aus der Romandie zeigt: Noch ein Jahr nach der Tat leiden die meisten Betroffenen unter schweren psychischen, körperlichen und sexuellen Beschwerden.

Dies oft mit tiefgreifenden Auswirkungen auf ihr gesamtes Leben. Die vom Genfer Universitätsspital (HUG) koordinierte und am Mittwoch vorgestellte Studie basiert auf einer erstmals systematischen Nachverfolgung über zwölf Monate. Damit liefert sie ein bislang einzigartiges Bild der Langzeitfolgen sexueller Übergriffe in der Schweiz. Die Untersuchung ist breit abgestützt: auch der Spitalverbund Wallis und fünf Waadtländer Spitäler beteiligten sich daran.

Die Zahlen sind deutlich: 71 Prozent der Teilnehmenden zeigen ein Jahr nach der Tat depressive Symptome, 68 Prozent Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung und 57 Prozent leiden unter ausgeprägter Angst. Auch die körperlichen Folgen sind erheblich - mehr als die Hälfte berichtet weiterhin über chronische Schmerzen, Schlafstörungen oder anhaltende Erschöpfung.

Besonders einschneidend sind die Auswirkungen auf die Intimsphäre: Rund zwei Drittel der sexuell aktiven Betroffenen geben an, auch ein Jahr später unter sexuellen Funktionsstörungen zu leiden. "Diese Daten zeigen klar, dass sexuelle Gewalt ein tiefgreifendes und dauerhaftes Trauma ist", wird Studienleiterin Jasmine Abdulcadir in der Medienmitteilung zitiert.

Täter häufig aus dem nahen Umfeld

Die Studie bestätigt zudem bekannte Muster: In der Mehrheit der Fälle kennen die Betroffenen die Täterperson, häufig aus dem nahen Umfeld. Die Übergriffe ereignen sich meist in privaten Räumen - und viele Opfer suchen zwar rasch medizinische Hilfe, bleiben danach jedoch oft unzureichend betreut.

Fachleute sehen dringenden Handlungsbedarf. Gefordert werden ein flächendeckender Ausbau spezialisierter Angebote, eine bessere Koordination der Versorgung sowie mehr Sensibilisierung in Gesellschaft und Gesundheitswesen.

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