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Keystone-SDA | Donnerstag, 12. März 2026

Raben nutzen ihr räumliches Gedächtnis statt Wölfe zu stalken

Raben sind Strategen: Anders als bisher angenommen verfolgen die Vögel Wölfe nicht aktiv, um von deren Beute zu naschen. Stattdessen merken sie sich, wo die Raubtiere oft Hirsche und andere Huftiere reissen und suchen diese Orte regelmässig auf.

Für ein Stück Kadaver nehmen die Vögel Flüge von bis zu sechs Stunden und 155 Kilometern in Kauf, wie ein Forschungsteam in einer Studie im Fachjournal "Science" zeigt.

"Wenn ein Wolfsrudel seine Beute erlegt, sind oft Raben als Erste zur Stelle", wurde der an der Studie beteiligte Forscher Matthias Loretto von der Universität Wien in einer Mitteilung zitiert. "Noch bevor die Beutegreifer Zeit haben zu fressen, warten die Vögel bereits darauf, von den Fleischresten zu profitieren." Bisher glaubten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass die Raben den Wölfen dafür ständig hinterherfliegen.

Vögel mit GPS-Sendern

Der Wiener Forscher hat mit Kollegen im Yellowstone Nationalpark USA 69 Kolkraben (Corvus corax) winzige GPS-Sender umgehängt. Damit erfasste er ihre Aufenthaltsorte und Wege zweieinhalb Jahre lang, genauso wie jene von 20 Grauwölfen (Canis lupus) mittels GPS-Halsbändern.

Nur in einem einzigen Fall bewegten sich ein Rabe und ein Wolf mehr als einen Kilometer weit und über eine Stunde lang in dieselbe Richtung, berichten die Forscherinnen und Forscher. Bei der detaillierten Analyse der Bewegungsmuster habe sich herausgestellt, dass die Vögel eine andere, "weitaus interessantere Strategie verfolgen", wie sie schrieben: "Die Aasfresser nutzen offensichtlich ihr räumliches Gedächtnis und ihre Navigationsfähigkeiten, um gezielt Gebiete aufzusuchen, in denen Wölfe häufig Beute machen."

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