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RhB-Direktor macht sich Sorgen über die personelle Zukunft
Vor zehn Jahren hat der Direktor der Rhätischen Bahn, Renato Fasciati, sein Amt angetreten. Keystone-SDA sprach mit ihm über die Modernisierung der Bahn, Personalprobleme, schwierige Zeiten im Bündner Tourismus und Fahrplan-Verbesserungen.
Renato Fasciati, Sie feiern Ihr zehnjähriges Jubiläum als RhB-Direktor. Können Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag erinnern?
Ja, ich kann mich erinnern, als sei es gestern gewesen. Ich durfte an meinem ersten Arbeitstag gleich einen neuen Zug einweihen. Das war ein wunderschöner Start in meine Funktion als RhB-Direktor.
Der Start war aber ansonsten aufgrund der touristischen Situation nicht ganz leicht?
Ja, bis und mit 2015 durchlebte der Bündner Tourismus eine schwierige Zeit. Nach der Finanz- und Währungskrise war die Nachfrage im touristischen Bereich in Graubünden sehr stark gesunken. Das hatte auch Auswirkungen auf die Rhätische Bahn: Von 2010 bis 2015 verzeichneten wir durchschnittlich jedes Jahr ein Prozent weniger Nachfrage. Das ist natürlich nicht schön - vor allem, wenn man vor einer grossen Erneuerung steht und viel investieren muss.
Kann man von einer Tourismuskrise sprechen?
Ja, das war eine Krise für den Tourismus, aber eben auch für die Rhätische Bahn. Ab 2016 hat der Wind dann aber komplett gedreht. Wir wachsen seither im Durchschnitt mehr als dreimal so stark wie die restlichen Schweizer Bahnen. Die Nachfrage hat zugenommen, und wir konnten auch das Angebot verbessern.
Und dann kam die Coronapandemie.
Ja, 2020 und 2021 waren Krisenjahre. Da ist die Nachfrage in beiden Jahren um jeweils etwa 30 Prozent eingebrochen. Was folgte, war aber wieder eine enorme Aufholjagd. 2022 hatten wir fast wieder das Niveau von 2019 erreicht und sind seither nochmals sehr stark gewachsen. Über zehn Jahre gesehen ist die Nachfrage im Personenverkehr um 50 Prozent angestiegen. Auf manchen Strecken - beispielsweise der Berninastrecke - hat sich die Anzahl der Reisenden gar verdoppelt.
Sie haben vorhin von einer grösseren Erneuerung gesprochen. Hat es diese gebraucht?
Ja, wir waren völlig überaltert, was das Rollmaterial und den Ausbau der Stationen anbelangt - und sind es teilweise heute noch. Aber in den vergangenen zehn Jahren hat sich enorm viel getan. Wir durften die Albula-Gliederzüge neu beschaffen, wir haben die Capricorn-Züge gekauft, die Glacier- und Bernina-Express-Wagen komplett renoviert und weitere Rangierlokomotiven angeschafft. Auch im Bahndienst und im Güterverkehr haben wir teilweise neues Rollmaterial im Einsatz. Zusätzlich konnten wir den Halbstundentakt auf verschiedenen Strecken einführen.
Ausserdem wurden Dutzende Bahnhöfe renoviert oder neu gebaut. Über zehn Jahre gesehen haben wir unglaublich viel investiert – alles zusammengerechnet sind das mehrere Milliarden. Und trotzdem konnten wir den Kostendeckungsgrad steigern, also den Anteil der Investitionen, den wir mit den Fahrgasteinnahmen selbst stemmen können.
Vor wenigen Jahren musste die RhB aufgrund von Personalmangel Angebotsanpassungen machen. Sind diese Probleme behoben?
Das war neben der Coronakrise ein weiterer Tiefpunkt. Wir mussten während rund eines Dreivierteljahres Massnahmen treffen, weil wir zu wenig Lokomotivführer hatten. Dies auch, weil nach der Coronazeit die Krankheitsraten sehr stark angestiegen sind und wir einige Lokführer an andere Bahnen verloren haben. Diese Situation ist unterdessen bereinigt, wir haben heute genügend Lokomotivführer.
Mittel- und langfristig stehen wir beim Personal aber vor grossen Herausforderungen: In den nächsten zehn Jahren wird etwa ein Drittel unserer Mitarbeitenden pensioniert. Gleichzeitig nimmt die arbeitsfähige Bevölkerung im Kanton Graubünden ab. Das macht uns Sorgen. Wir haben deshalb diverse Massnahmen ergriffen und quasi eine Arbeitgeberstrategie entwickelt, die darauf abzielt, unsere Attraktivität zu steigern.
Welche Massnahmen sind das?
Die Flexibilisierung des Pensionsalters ist ein wichtiger Teil. Einige Mitarbeitende sind heute weit über das ordentliche Pensionsalter hinaus für uns tätig. Zudem haben wir flexiblere Arbeitsmodelle geschaffen, die speziell Frauen den Einstieg bei uns ermöglichen - oder allgemein allen, die nicht 100 Prozent arbeiten wollen. Ausserdem haben wir die Lernendenausbildung nochmals verstärkt.
Damit verbunden ist das Ziel, dass wir möglichst allen Lernenden nach dem Abschluss auch eine Stelle bei uns anbieten können. Schliesslich investieren wir stark in unsere Arbeitgeberattraktivität. Bei den Lokführern haben wir beispielsweise das Ausbildungsprogramm angepasst, damit sie schneller auf den Zügen eingesetzt werden können.
Im Dezember steht der nächste Fahrplanwechsel an. Gibt es Verbesserungen, die Sie gerne realisieren möchten, die sich zurzeit aber vielleicht nicht umsetzen lassen?
Ich bin sehr froh, dass wir in der Vergangenheit das Angebot Schritt für Schritt verbessern konnten und auf verschiedenen Linien der Halbstundentakt eingeführt wurde. Wir hoffen, dass es gelingt, diesen Halbstundentakt auch in weiteren Regionen umzusetzen. Das hängt aber davon ab, ob die finanziellen Mittel bei den Bestellern da sind - konkret beim Bund und beim Kanton. Da findet aktuell eine politische Diskussion statt. Wir hoffen, dass man den sehr erfolgreichen Weg der vergangenen Jahre weitergehen wird.
Gibt es eine konkrete Strecke, bei der Sie gerne einen Ausbau machen würden, wo es aber stockt?
Wir müssen vor allem infrastrukturelle Massnahmen treffen, damit wir das Angebot an verschiedenen Orten verbessern können. Um ein Beispiel zu nennen: Wir werden bis 2036 auf der Berninastrecke diverse Tunnels und Galerien erweitern, damit wir mit neuen Zügen durchfahren können, die länger sind als heute. Mit einem Doppelspurausbau und Geschwindigkeitserhöhungen könnten wir die Züge dann im Halbstundentakt fahren lassen und somit die Kapazität deutlich erweitern.
Sie sind nun seit zehn Jahren im Amt. Werden weitere Jahre dazukommen?
Ich fühle mich überhaupt nicht amtsmüde. Im Gegenteil: Ich habe jeden Tag grosse Freude daran, zur Arbeit zu kommen. Es gibt noch viele Projekte, die ich umsetzen möchte. In dem Sinne hoffe ich, dass ich bis zu meiner Pensionierung im öffentlichen Verkehr tätig sein kann. Ich habe im Moment keine anderen Pläne, als meine Arbeit hier weiterzuführen.

















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