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Roger Federer liess Arthur Fery zittern
Der Engländer Arthur Fery steht in Wimbledon sensationell in den Viertelfinals - nur einen Steinwurf von seinem ehemaligen Schulhaus entfernt. Roger Federer wäre ihm dabei fast im Weg gestanden.
Arthur Fery blickt ins Rund des berühmtesten Tenniscourts der Welt, die Hände an den Hüften, und schüttelt den Kopf. Der 23-Jährige braucht einen Moment, um zu realisieren, was da gerade geschieht. Er hat Grigor Dimitrov, den ehemaligen Halbfinalisten und Weltranglisten-Dritten, in fünf Sätzen niedergerungen und steht im Viertelfinal vom Mittwoch.
"So etwas hätte ich mir nie vorstellen können", sucht Fery nach Worten. "Vor einer Woche wäre ich schon glücklich gewesen, ein, zwei Matches zu gewinnen." Stattdessen wurden es vier, darunter zuletzt seine ersten beiden siegreichen Fünfsätzer. Die Schlagzeilen in England schreiben sich fast von alleine. Von "Fery-tale" (Märchen) ist natürlich die Rede. Dabei ist der Erfolg vielmehr das Resultat von viel Arbeit.
Sein Vater ist der Chef von Mvogo
Zum vierten Mal profitierte Fery, (noch) die Nummer 114 der Welt, von einer Wildcard. Nachdem er vor einem Jahr immerhin erstmals die 2. Runde erreicht hatte, fühlte er sich nun erstmals wohl damit, zu den Auserwählten zu gehören. "Ich war vom Ranking her viel näher dran, diesmal hatte ich das Gefühl, die Wildcard tatsächlich verdient zu haben", betonte er.
Fast schon kitschig ist der Hintergrund von Arthur Fery. Er wurde im Pariser Vorort Sèvres geboren, der Vater ist der Geschäftsmann Loïc Féry, Präsident und langjähriger Eigentümer des Ligue-1-Klubs Lorient, bei dem der Schweizer WM-Ersatzgoalie Yvon Mvogo spielt. Die Mutter, Olivia Gravereaux, war selbst einmal Tennisprofi. In jungen Jahren dislozierte die Familie jedoch nach Wimbledon, Ferys Schule war nur wenige Minuten vom Tennisstadion entfernt.
Fan von Federer, Trainingspartner von Djokovic
Als Teenager besuchte er ab und zu die Matches im Rasenmekka, bevorzugt jene von Roger Federer. Nun sass genau dieser auf dem Centre Court in der königlichen Loge und schaute dem jungen Engländer zu. Das hätte auch ins Auge gehen können. "Als ich am Aufwärmen war, sah ich auf dem Bildschirm, dass Roger da ist", erzählt Fery nach dem Spiel gegen Dimitrov. "Ich habe sofort meinem Team geschrieben: 'Roger ist in der Loge. Ich bin ganz schön nervös.'"
Nervosität hin oder her, Fery behält die Nerven. Ganz neu sind ihm solche Begegnungen mit den Stars nicht. Vor sechs Jahren durfte er als Junior bei den ATP Finals in London Trainingspartner von Novak Djokovic und Co. sein. Danach wechselte der talentierte Junior aber nicht direkt auf die Profitour, sondern nahm ein Sportstipendium der renommierten Universität von Stanford im Silicon Valley an. Drei Jahre studierte er dort. "Die Coaches waren grossartig, ich lernte auch akademisch viel und hatte eine Alternative, falls es mit dem Tennis nicht klappen würde."
Cobolli auf Haussuche
Den braucht er nun nicht. Im Viertelfinal kommt es zur Revanche mit Flavio Cobolli, dem French-Open-Finalisten, den er am Australian Open in drei Sätzen bezwang. "Da war ich aber krank, das war kein Match", relativiert der Italiener, doch er mache sich auf einen harten Kampf gefasst.
Derweil hatte er nach seinem Achtelfinal-Sieg gegen Alex de Minaur noch ein anderes Problem zu lösen. Er hatte nur für eine Woche ein Haus gemietet und suchte noch eine Bleibe für die weiteren Tage, wie er beim Platzinterview verriet. Der "Hilferuf" wurde erhört, eine italienische Familie stelle ihm ihr Haus zur Verfügung, konnte der 24-jährige Römer, der 2020 an der Seite von Dominic Stricker Doppelsieger am French Open der Junioren wurde, später am Montagabend Entwarnung geben. Zumindest das Problem hatte Arthur Fery nicht.

















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