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Schnee unter Druck: Studie liefert neue Erkenntnisse zur Lawinen
Mehr Druck macht eine Schneedecke nicht stabiler, sondern anfälliger für Lawinen. Das haben Forschenden des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) mit neuen Experimenten gezeigt.
Die neuen Daten könnten langfristig dazu beitragen, die Lawinenprognose weiter zu verbessern, wie das SLF am Mittwoch mitteilte.
Schwachschichten in der Schneedecke sind oft die Ursache für Schneebrettlawinen. In der Lawinenforschung ist laut SLF bis heute aber umstritten, welche Kräfte zum Bruch dieser Schwachschichten und somit zu Lawinen führen.
Seit den 1970er-Jahren treffen in dieser Frage zwei Meinungen aufeinander: Nach der einen macht zusätzlicher Druck von oben, etwa durch eine mächtigere oder schwerere Schneedecke, die Schwachschicht stabiler. Dieser Theorie zufolge braucht es bei mehr Druck von oben stärkere sogenannte Scherkräfte, die den Schnee hangabwärts ziehen, damit es zu einem Bruch kommt.
Nach der anderen Theorie bringt gerade dieser zusätzliche Druck von Oben die fragile Schicht näher an den Zusammenbruch, sodass schon eine geringere Scherbelastung ausreicht, um einen Bruch auszulösen. Die neuen Experimente stützen nun diese Theorie.
Schneeproben aus Davos
Für die Studie untersuchten die Forschenden im Kältelabor 63 Proben von natürlichen Schwachschichten. Die Schneeproben stammten aus der Region Davos GR und wurden mit einer eigens entwickelten Testapparatur kombinierten Druck- und Scherkräften ausgesetzt.
Dabei handelte es sich um eingeschneiten Oberflächenreif. Im Labor stellten die Forschenden die Kräfte nach, die an einem Hang auf die Schneedecke wirken: die senkrechte Normalkraft und die parallel wirkende Scherkraft. Eine Hochgeschwindigkeitskamera hielt den genauen Zeitpunkt fest, an dem die Schichten brachen.
Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" veröffentlicht.
















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