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Interview mit Christian Schmid
Keystone-SDA | Mittwoch, 11. Februar 2026

Kantonalbank-CEO spricht über fehlende Impulse für Ostschweizer Industrie

Die St. Galler Kantonalbank sieht sich trotz der stagnierenden Ostschweizer Industrie gut aufgestellt. Im Interview mit der Nachrichtenagentur AWP erklärt CEO Christian Schmid, wie die Bank mit Dienstleistungen für Pensionskassen neue Gelder anzieht, warum deutsche Kunden wichtig bleiben und wie Künstliche Intelligenz die Arbeit der Bank effizienter machen könnte.

Christian Schmid, Sie konnten im Jahr 2025 gerade bei den institutionellen Anlegern neue Gelder anziehen. Geht dieses Wachstum 2026 weiter?

Christian Schmid: "Unsere neue Dienstleistung Global Custody ist im vergangenen Jahr sehr erfolgreich gestartet und wir sind guten Mutes, diese Dynamik fortzusetzen. Konkret bündeln wir damit die gesamten Vermögen grösserer Pensionskassen an einem Ort."

Strategisch sind auch Kunden aus Deutschland wichtig für Sie. Wie haben sich diese entwickelt?

"Kundinnen und Kunden mit Wohnsitz in Deutschland sind für uns traditionell ein wichtiges Geschäftsfeld. Das liegt auch an der Nähe zur HSG und zur Grenze. Mittlerweile macht diese Zielgruppe 14 Prozent unserer verwalteten Vermögen aus. Das ist ein sehr guter Wert und er ist stabil. Das heisst, die Kundengruppe wächst analog zu den Schweizer Kunden."

Sie haben 2025 auch viel in Personal und IT investiert. Könnte KI hier bald Einsparungen bringen?

"KI wird sowohl unsere internen Abläufe als auch die Kundenberatung beeinflussen. Einerseits wird KI unsere Produktivität deutlich steigern, insbesondere bei der Verarbeitung grosser Datenmengen und der Aufbereitung von Informationen. Gerade in sensiblen Bereichen wie der Geldwäschereiprävention wird sie uns unterstützen. Andererseits nutzen unsere Kundinnen und Kunden KI zunehmend im Vorfeld eines Beratungsgesprächs, um sich zu informieren. Das stellt uns vor eine besondere Herausforderung, da sich die Erwartungen und das Informationsniveau der Kundschaft verändern werden."

Planen Sie trotzdem, 2026 weitere Stellen zu schaffen?

"Ja, vor allem im Vertrieb. Da unser Kundengeschäft wunderbar wächst, können wir entsprechend mehr Mitarbeitende einstellen. Zudem bauen wir Personal in den Bereichen Risikomanagement und IT auf."

Sie sprechen die lokale Entwicklung an. In der Ostschweiz erwarten Sie insgesamt "nur" eine stabile Entwicklung, weshalb Ihr Ausblick für 2026 eher verhalten ausfällt. Welche Entwicklungen erwarten Sie konkret?

"In unserem Wirtschaftsraum gibt es seit langer Zeit eine Dreiteilung: Die Bauwirtschaft läuft gut, der Binnenmarkt und der Detailhandel sind stabil und die traditionell exportlastige Industrie stagniert. Die Ostschweizer Industrie ist nicht voll ausgelastet und es fehlen seit Monaten die notwendigen Impulse aus dem Ausland. Das spüren wir im Kundenverhalten. Wir bedienen jedoch eine grosse Bandbreite an Unternehmen. Je nachdem, welche Produkte die Firmen herstellen und welche Märkte sie beliefern, sind sie mehr oder weniger stark von der aktuellen Situation betroffen."

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