Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
St. Galler Berufsbildungsexperte mit Tipps für den Lehrstart
Jedes Jahr beginnen Tausende Jugendliche ihre Lehre. Alleine im Kanton St. Gallen sind dieses Jahr über 5000 Lehrverträge abgeschlossen worden. Bruno Müller, Leiter Amt für Berufsbildung des Kantons St. Gallen, über das, was einen guten Lehrstart ausmacht - und was zu tun ist, wenn es harzt.
Bruno Müller, wie gelingt ein guter Start in die Lehre?
Ein guter Start gelingt, wenn Lernende Eigeninitiative zeigen, zuverlässig sind und sich aktiv in den Betrieb einbringen. Dazu gehören Pünktlichkeit, Interesse am Beruf sowie die Bereitschaft, Fragen zu stellen und aus Fehlern zu lernen. Ebenso wichtig ist, dass Lehrbetriebe ihre neuen Lernenden gut begleiten, ihnen genügend Zeit für die Einarbeitung geben und regelmässig Feedback geben. Ein erfolgreicher Lehrstart ist das Ergebnis eines guten Miteinanders zwischen Lernenden und Lehrbetrieb.
Haben Sie konkrete Tipps für Lernende, die jetzt im Sommer starten?
Der Lehrbeginn ist für viele Jugendliche ein grosser Schritt in einen neuen Lebensabschnitt. Wichtig ist, offen und neugierig in die Lehre zu starten. Niemand erwartet, dass am ersten Arbeitstag bereits alles beherrscht wird. Wer aufmerksam zuhört, Fragen stellt und Interesse zeigt, schafft gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einstieg. Hilfreich ist zudem, sich gut auf den ersten Arbeitstag vorzubereiten, den Arbeitsweg im Voraus zu testen, pünktlich zu erscheinen und sich über den Lehrbetrieb zu informieren. Die ersten Wochen sind geprägt von vielen neuen Eindrücken. Es lohnt sich, Notizen zu machen und sich genügend Zeit zum Ankommen zu geben.
Was sind Ihre Erfahrungen – gibt es Muster, die sich über die Jahre zeigen?
Die Erfahrungen zeigen, dass die grosse Mehrheit der Lernenden gut in die berufliche Grundbildung startet. Entscheidend für einen erfolgreichen Lehrbeginn ist oft weniger der Beruf selbst als die Zusammenarbeit zwischen Lernenden, Lehrbetrieb und Berufsfachschule. Wo Erwartungen früh geklärt werden, offen kommuniziert wird und Fragen rasch angesprochen werden können, gelingt der Einstieg in der Regel gut. Unsicherheiten oder Missverständnisse lassen sich in solchen Fällen meist früh erkennen und gemeinsam lösen.
Woran erkennt man früh, dass eine Lehre nicht passt?
Wenn Lernende über längere Zeit unzufrieden sind, sich im Beruf oder im Betrieb nicht wohlfühlen oder die Anforderungen trotz grosser Anstrengung kaum bewältigen können, sollten sie das Gespräch suchen. Wichtig ist, Probleme nicht zu verdrängen, sondern frühzeitig mit der Berufsbildnerin oder dem Berufsbildner, der Berufsfachschule oder weiteren Ansprechpersonen zu besprechen. Oft lassen sich gemeinsam Lösungen finden.
An wen können sich Lernende wenden, wenn es in der Lehre harzt?
Die erste Anlaufstelle ist in der Regel der Lehrbetrieb, insbesondere die Berufsbildnerin oder der Berufsbildner. Je nach Situation können auch die Klassenlehrperson oder andere Ansprechpersonen an der Berufsfachschule unterstützen. Bei weitergehenden Fragen zum Lehrvertrag stehen zudem die Ausbildungsberaterinnen und Ausbildungsberater der Lehraufsicht des Kantons St. Gallen beratend zur Seite.
Wie lassen sich Lehrabbrüche vermeiden?
Ein Lehrabbruch lässt sich nicht immer verhindern. Wichtig ist jedoch, Schwierigkeiten frühzeitig anzusprechen. Oft können Missverständnisse oder Probleme gelöst werden, wenn Lernende, Berufsbildende und Berufsfachschule rechtzeitig das Gespräch suchen. Eine offene Kommunikation, klare Erwartungen und eine gute Begleitung tragen wesentlich dazu bei, dass Herausforderungen gemeinsam bewältigt werden können.
Welche Rolle spielen die Eltern?
Eltern spielen auch nach dem Lehrbeginn eine wichtige Rolle. Sie können ihre Kinder unterstützen, indem sie Interesse am Berufsalltag zeigen, zuhören und bei Herausforderungen ermutigen. Gleichzeitig ist der Lehrbeginn ein Schritt in die Selbstständigkeit. Deshalb ist es wichtig, dass Lernende zunehmend Verantwortung für ihre Ausbildung übernehmen und Anliegen möglichst direkt mit dem Lehrbetrieb besprechen.
Was tun bei Zweifel an der Berufswahl?
Zweifel während der Lehre sind nicht ungewöhnlich und bedeuten nicht automatisch, dass die Berufswahl falsch war. Wichtig ist, die Gründe dafür zu klären und frühzeitig das Gespräch zu suchen. Je nach Situation können der Lehrbetrieb, die Berufsfachschule oder die Berufs- und Laufbahnberatung unterstützen und gemeinsam mit den Lernenden Lösungen oder neue Perspektiven erarbeiten.

















Kommentare (0)
Schreibe einen Kommentar