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Keystone-SDA | Freitag, 10. April 2026

Thurgau startet trotz unauffälliger Trinkwasserwerte PFAS-Offensive

Obwohl eine nationale Untersuchung 2023 keine Grenzwertüberschreitungen im Trinkwasser zeigte, lanciert der Kanton Thurgau ein umfassendes Drei-Jahres-Projekt zur Untersuchung der PFAS-Belastung. Andere Ostschweizer Kantone führten bereits vergleichbare Messungen durch.

Eine nationale Untersuchungskampagne von Trinkwasserproben im Jahr 2023 ergab, dass im Kanton Thurgau die heute geltenden PFAS-Höchstwerte nicht überschritten werden. Das schreibt die Thurgauer Regierung am Freitag in einer Mitteilung. Es sei aber nicht auszuschliessen, dass auch im Kanton Thurgau erhöhte PFAS-Belastungen vorkämen, fährt sie fort. Daher habe der Regierungsrat im August 2025 den Projektauftrag zur "Erfassung, Koordination und Begleitung der PFAS-Situation im Kanton Thurgau" erteilt.

Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) sind Industriechemikalien mit vielfältigen Stoffeigenschaften: Sie sind unter anderem fett-, schmutz- und wasserabweisend, sehr stabil - und potenziell gesundheitsgefährdend.

Laut Mitteilung wurde das dreijährige Gesamtprojekt per 1. Januar 2026 lanciert. Für die dreijährige Projektlaufzeit sind 517'000 Franken für "Sachmittel" und durchschnittlich 160 bis 220 befristete Stellenprozente veranschlagt.

Zeitplan gibt Auskunft über Untersuchungen

Um die im Projekt formulierten Ziele zu erreichen und die PFAS-Situation zu erfassen, hat die Projektgruppe einen Zeitplan erarbeitet. Dieser gibt Auskunft darüber, wann welche Untersuchungen durchgeführt werden sollen.

"Um belastete Regionen, sogenannte Hotspots, zu identifizieren, untersucht das kantonale Laboratorium ab Mai Milchproben", schreibt die Regierung weiter. "Die Ergebnisse sollen aufzeigen, in welchen Regionen möglicherweise eine erhöhte PFAS-Belastung vorliegt und wo vertiefte Abklärungen notwendig sind."

Es handelt sich dabei um die ersten systematischen Proben von Milch im Kanton Thurgau, wie der Kanton auf Nachfrage von Keystone-SDA bestätigt. Bodenproben wurden im Thurgau bereits vereinzelt durchgeführt.

Gemäss Mitteilung werden auch diesmal Bodenmessungen vorgenommen: zum einen in Form von Archivproben und zum anderen in Form von neuen Messungen. Weitere Untersuchungen erfolgen in Abwasserreinigungsanlagen, im Grundwasser und in Oberflächengewässern. Der Kanton Thurgau sei zudem Teil des nationalen Grundwassermonitorings.

Es geht auch um Folgen von PFAS-Nachweisen

Sämtliche Messungen dienen laut Mitteilung dazu, die PFAS-Situation im Kanton Thurgau zu dokumentieren. Im Projekt gehe es aber auch um die Folgen möglicher Nachweise von PFAS, zum Beispiel im Hinblick auf die "Verursacherthematik" bei den Feuerwehren oder die Unterstützung von Landwirtinnen und Landwirten bei erhöhten Werten auf Landwirtschaftsbetrieben.

Allerdings: Die vom Regierungsrat bewilligte Summe beinhaltet keinen PFAS-Sonderkredit für eine allfällige finanzielle Unterstützung stark betroffener Landwirtschaftsbetriebe. Mittel für den Sonderkredit und zusätzliche Mittel für die Unterstützung von Landwirten würden dem Grossen Rat beantragt, sobald die betroffenen Flächen und Betriebe sowie die zu ergreifenden Massnahmen bekannt seien.

Andere Kantone führten bereits Untersuchungen durch

PFAS-Untersuchungen gab es in den vergangenen Monaten auch in den beiden Appenzell. Bei 58 von 169 untersuchten Bauernbetrieben in Ausserrhoden respektive bei 22 von 91 in Innerrhoden zeigten die Messungen Werte, die über einem EU-Grenzwert lagen. Analysiert wurden vor allem Milch, aber auch Tränkewasser. Die Teilnahme an den bis im März durchgeführten Tests war für die Betriebe freiwillig und kostenlos.

Bereits einiges früher war der Kanton St. Gallen bei PFAS-Untersuchungen aktiv geworden. Die St. Galler Behörden untersuchten nach der Entdeckung von mit PFAS-belasteten Böden auf der Eggersrieter-Höhe im Herbst 2021 den ganzen Kanton. In der Gegend zwischen der Kantonshauptstadt und dem Bodensee wurden weitere kontaminierte Flächen gefunden: "Hotspots" befinden sich in den Gemeinden Mörschwil, Eggersriet, Untereggen, Goldach, Altenrhein oder St. Margrethen. Als Grund für die hohe Belastung wird die Austragung von Klärschlamm in der Vergangenheit vermutet.

Thurgauer Regierung lehnt Weisung des Bundes ab

In einer weiteren Mitteilung gab die Thurgauer Regierung bekannt, dass sie eine vom Bund vorgeschlagene Weisung zu PFAS-Höchstgehalten in Lebensmitteln ablehnt. Sie begrüsst zwar die Bemühungen, die Ziele für die festgelegten PFAS-Höchstgehalte, befürchtet aber ohne Begleitmassnahmen "unabsehbare" Folgen für die Produktion von Lebensmitteln und die Existenzgrundlage zahlreicher Betriebe in der Landwirtschaft und damit verwandten Produktionsbetrieben.

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