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Keystone-SDA | Donnerstag, 25. Juni 2026

Trinkgeld ohne Taschenrechner: Was als angemessen gilt

Die Situation kennen viele: Das Essen war gut, der Service freundlich, die Rechnung liegt auf dem Tisch, das Kartenlesegerät wartet. Dann stellt sich eine Frage, die viele lieber intuitiv lösen, als sie offen zu stellen: Wie viel Trinkgeld ist eigentlich angemessen?

Eine neue Studie der Bank Cler und der ZHAW gibt darauf eine recht klare Antwort. Im bedienten Restaurant gelten in der Schweiz fünf bis zehn Prozent als angemessener Richtwert - je nach Betrag, Situation und Zufriedenheit. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung: Die meisten Menschen rechnen nicht exakt. Sie runden auf.

Fünf bis zehn Prozent im Restaurant

Bei einer Restaurantrechnung von rund 64 Franken werden im Schnitt knapp vier Franken Trinkgeld gegeben. Das entspricht etwa sechs Prozent. Fast 44 Prozent der Befragten runden in diesem Fall auf 70 Franken auf, rund ein Drittel auf 65 Franken. Bei einer Rechnung von 112 Franken liegt das durchschnittliche Trinkgeld bei sieben Franken; viele machen daraus 120 Franken. Wird die Rechnung höher, steigt der absolute Trinkgeldbetrag, prozentual fällt er aber etwas tiefer aus.

Damit ist die Faustregel für den Alltag einfach: Bei kleineren Beträgen wird meist aufgerundet. Bei gutem Service im Restaurant sind fünf bis zehn Prozent üblich. Wer weniger gibt, bricht aber keine feste Regel. Der Service ist in der Schweiz seit Jahrzehnten im Preis inbegriffen; Trinkgeld bleibt freiwillig.

Aufrunden statt rechnen

Auch ausserhalb des Restaurants gibt es Orientierungspunkte. Bei Essenslieferungen empfinden viele bei einer Bestellung von rund 30 Franken ein Trinkgeld zwischen 1.60 und 1.90 Franken als passend. Für einen Coiffeurbesuch von 65 Franken gelten rund fünf Franken als angemessen, bei einer Stadtführung für 36 Franken rund zwei Franken.

Besonders unsicher sind viele dagegen beim Autoservice. Fast jede zweite Person empfindet die Trinkgeldfrage dort als schwierig. Bei einer Rechnung von 380 Franken gilt ein Trinkgeld von 30 Franken als übertrieben, aber wer gar nichts gibt, rundet oft immerhin auf 400 Franken auf.

Junge sind eher unsicherer

Auffällig ist der Generationenunterschied. Junge Erwachsene zwischen 16 und 29 Jahren sind beim Trinkgeld deutlich unsicherer als ältere Personen. Sie geben häufiger an, nicht zu wissen, wie viel in einer bestimmten Situation angebracht ist. Insgesamt sagen mehr als vier von zehn Befragten, sie seien gelegentlich oder häufig unsicher.

Bargeld bleibt grosszügiger

Eine weitere Entwicklung betrifft die Zahlungsart. Trinkgeld wird zwar weiterhin am häufigsten bar gegeben, doch der Anteil ist innerhalb eines Jahres deutlich gesunken. Bemerkenswert ist: Barzahlende sind in den untersuchten Situationen weiterhin grosszügiger als digital Zahlende.

Das liege weniger an festen Prozentregeln als an psychologischen Schwellen. Auch beim Bezahlen mit Karte wird häufig auf einen runden Gesamtbetrag aufgerundet.

Die Antwort auf die Frage nach dem angemessenen Trinkgeld lautet gemäss den Studienautoren deshalb: Im Restaurant sind fünf bis zehn Prozent ein guter Richtwert. Im Alltag genügt oft ein sinnvoller Rundungsbetrag. Entscheidend sei weniger die mathematische Genauigkeit als das Signal der Wertschätzung. Wer zufrieden war, rundet auf. Wer sehr zufrieden war, legt etwas mehr drauf.

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