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Verhext, absurd, unerklärlich
In Freiburg kommt es am Mittwoch zum entscheidenden Spiel um den Halbfinaleinzug zwischen Gottéron und den Rapperswil-Jona Lakers. Die Ausgangslage könnte offener nicht sein.
Gewiss: Eigentlich müsste der HC Fribourg-Gottéron als haushoher Favorit ins Spiel 7 steigen. Gottéron beendete die Regular Season auf Platz 2, für die Lakers resultierte nur Platz 7. In der Playoff-Geschichte gab es in den Viertelfinals schon 31 Mal ein siebentes Spiel, nur vier Mal setzte sich der Aussenseiter auswärts durch. Auch die Erfahrung spricht für Gottéron. Die Freiburger verfügen über 21 Akteure, die schon "Belles" bestritten und mehrheitlich sogar gewonnen haben (37:26 Siege). Bei den Lakers spielten lediglich elf Akteure schon in einem Spiel 7 - und sie haben diese Partien mehrheitlich verloren (6:12 Siege).
Aber was bedeuten schon Statistiken in einer Serie, die immer wieder unerwartete Wendungen nimmt. Am Montag hätten die Lakers in den Halbfinal einziehen können, sie dominierten im ausverkauften Lido mit 34:16 Torschüssen, spielten acht Mal Powerplay und verloren 1:3. "Es ist extrem bitter, so zu verlieren", meinte Yannick-Lennart Albrecht. "Wir steckten enorm viel Power und Energie in dieses Spiel, schossen aber keine Tore."
Das Powerplay
Der Hauptgrund für die zu wenig erzielten Tore ist das Powerplay. Am Montag versagten die Lakers mit einem oder zwei Spieler(n) mehr auf dem Eis. Die Powerplay-Effizienz macht indes beide Teams wahnsinnig. Die Spieler bezeichnen es als "verhext" und "unerklärlich" (Albrecht) oder "absurd" (Christoph Bertschy). Sowohl Gottéron wie die Lakers spielten in dieser Serie schon fast eine Stunde lang Powerplay. Gottéron hat in Überzahl noch gar kein Tor erzielt, die Lakers (in Spiel 2) immerhin eines. Gemäss den Erfolgsquoten aus der Qualifikation müsste Gottéron mindestens sieben und die Lakers mindestens fünf Tore in Überzahl erzielt haben.
Entsprechend ist sich Christoph Bertschy von Fribourg-Gottéron sicher, dass wir das Überzahlspiel vor Spiel 7 "nochmals angucken". Bertschy gibt sich aber zuversichtlich: "Wir spielen daheim, wir haben alles in den eigenen Händen."
Heimnachteil
Aber ist das Heimspiel tatsächlich noch ein Vorteil? Die Lakers gewannen in dieser Serie zwei der drei Partien in Freiburg. Sie siegten zu St-Léonard auch in der Qualifikation schon zweimal. Man rechne: Vier der letzten fünf Heimspiele verlor Gottéron gegen die Lakers. Nur einmal, beim 4:0 in Spiel 3, erzielten die Freiburger dabei mehr als zwei Goals. Bei der 1:2-Niederlage am Samstag in Spiel 5 verkrampfte sich Gottéron derart, dass gemäss Sportdirektor Gerd Zenhäusern "die schwächste Saisonleistung" raus kam.
Auf den Heimvorteil verlässt sich Gottéron besser nicht. Denn schon zum Abschluss der Qualifikation gab es noch eine Heimniederlage (3:4 gegen Lausanne). Im Februar bestritten die Drachen gar kein Heimspiel - und seit dem 17. Januar (6:1 gegen Biel) holten sie in der Heim-Arena nie mehr drei Punkte.
"Nur Sprunger anschauen"
Roger Rönnberg, der Trainer Gottérons, weiss zumindest, was am Mittwoch nicht zu tun ist: "Im letzten Heimspiel am Samstag haben wir alles falsch gemacht. Diese Fehler dürfen wir nicht wiederholen." Verteidiger Simon Seiler gibt die Marschrichtung bekannt: "Wir wissen, was wir zu tun haben. Wir werden raus kommen wie die Feuerwehr. Und wenn einer eine Portion Extramotivation braucht, dann muss er in der Kabine nur zu Julien (Sprunger) rüber schauen."
Sprunger beendet nach dieser Saison nach einem Vierteljahrhundert nur bei Gottéron seine Karriere. Ein Karrierenende am Mittwoch wäre für den HC Fribourg-Gottéron ein schlechter Aprilscherz.
















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