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Keystone-SDA | Dienstag, 20. Oktober 2026

Verlässlich wie eine Schweizer Uhr

Die Schweizer Kunstturner liefern auch an der WM in Rotterdam ab. Eine besondere Rolle im Team spielt Florian Langenegger, der oft als Startturner mit seiner Verlässlichkeit überzeugt.

"Aussergewöhnlich", dieses Wort fällt mehrmals, als die Nachrichtenagentur Keystone-SDA nach der starken Qualifikation der Schweizer Männer an der WM in Rotterdam (6. Rang) mit David Huser spricht. Der 39-Jährige ist seit 2021 Chef Spitzensport im Schweizerischen Turnverband. Aussergewöhnlich ist vor allem die Konstanz der Männer. Die Generation um Pablo Brägger wurde aufgrund ihrer Erfolge als "goldene" im Schweizer Kunstturnen bezeichnet. Nun ist keiner mehr dabei und die Resultate sind noch besser geworden.

Die Konstanz ist kein Zufall

Wie schon vor drei Jahren in Antwerpen stehen die Schweizer im Teamwettkampf am Dienstagabend wieder im WM-Final, nachdem sie an den Europameisterschaften im vergangenen und in diesem Jahr Silber respektive Bronze gewonnen hatten. Zudem schaute an den Olympischen Spielen 2024 in Paris der siebte Platz heraus. Und dies in einer Weltsportart.

"Das bestätigt, dass es kein Glück, sondern eine Systematik dahinter ist", sagt Huser. "Ich habe sehr hohen Respekt vor den Jungs, vor dem ganzen Team. Es gibt viele Faktoren, die hineinspielen." Nach dem Absturz in Liverpool (WM 2022, Rang 20) hätten sie alles intensiv reflektiert und Schlüsse daraus gezogen. Und anscheinend waren es die richtigen. Beim fünften Rang in Antwerpen erhielten die Schweizer vom internationalen Turnverband den Infinity Award als Anerkennung für ihre herausragende Leistung.

Ruhe unter Druck

Das Wort aussergewöhnlich verwendet Huser auch im Zusammenhang mit Florian Langenegger. Dieser steht zwar im Schatten von Noe Seifert, der vor einem Jahr WM-Bronze im Mehrkampf geholt hat, spielt im Team aber eine besondere Rolle. Denn meistens turnt er als Erster an einem Gerät, und ein guter Auftakt hilft selbstredend enorm. Von daher ist er einem speziellen Druck ausgesetzt.

"Ich weiss gar nicht, wieso es dazu gekommen ist, aber ich habe mich daran gewöhnt", erzählt Langenegger Keystone-SDA. "Ich bin ein rationaler, nicht sehr emotionaler Mensch, versuche einfach, mich von der bestmöglichen Seite zu zeigen, jene Arbeit abzurufen, die ich im Training leiste und die keiner sieht. Dazu muss man sich, finde ich, keinen grossen Druck machen, sondern einfach den Moment geniessen. Dann kommt es schon gut."

Hat er ein Ritual, um in den optimalen Leistungszustand zu kommen? "Ich bereite mich mental gut vor, gehe jede Übung vor dem Wettkampf im Kopf durch. Wenn ich merke, dass ich zu nervös bin, dann atme ich durch, um ruhig zu bleiben." Bei seinen ersten internationalen Wettkämpfen sei er allerdings noch deutlich nervöser gewesen. Mittlerweile fühle er sich sicherer und habe sich an die grossen Arenen und das Publikum gewöhnt. Obwohl er erst 23 Jahre alt ist, bestreitet der Aargauer bereits seine vierte WM. Dazu kommen die Olympischen Spiele 2024 und drei Europameisterschaften.

Dank Stabilität in die Weltspitze

In Rotterdam hat sich Langenegger zum dritten Mal an einer WM auch für den Mehrkampf-Final qualifiziert, vor einem Jahr belegte er den 10. Rang - an einer EM ist der 7. Platz seine beste Klassierung (2023). Er ist einer, der nicht die schwierigsten Übungen zeigt, vielmehr zeichnet ihn seine Stabilität aus. Anfang Jahr versuchte er, an vier Geräten schwierigere Elemente einzubauen. An einem Wettkampf im April in China gelang ihm die Umsetzung jedoch nicht wie gewünscht. "Es hat mir an Selbstvertrauen gefehlt", sagt Langenegger. Deshalb reduzierte er den Schwierigkeitsgrad wieder. "Das Ziel wäre aber schon, die neuen Elemente im nächsten Jahr zu integrieren", betont er.

Langenegger, der über eine gute Koordination verfügt, besitzt also noch einiges Potenzial. Huser sagt über ihn: "Er hat unheimliche Qualitäten, ist wie eine Schweizer Uhr, die quasi immer funktioniert. Es braucht relativ viel, dass ihn etwas aus der Ruhe bringt - allgemein im Leben. Diese Zuverlässigkeit in Person auf sehr gutem Niveau ist extrem hilfreich. So einen sicheren Wert im Team zu haben, ist aussergewöhnlich."

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