Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Vom schottischen Talent zum Schweizer Hoffnungsträger
Jason Smith vertritt beim CSIO St. Gallen erstmals die Schweiz im Nationenpreis auf dem Gründenmoos. Der gebürtige Schotte hat sich mit Geduld, Leistung und Picobello an die Weltspitze gearbeitet.
Wenn am Freitag auf dem Gründenmoos in St. Gallen die Schweizer Equipe zum Nationenpreis einreitet, steht ein Reiter im Fokus, den viele Zuschauerinnen und Zuschauer erst noch kennenlernen müssen. Jason Smith gehört inzwischen zum Schweizer Aufgebot, ist auf den grossen internationalen Plätzen angekommen und darf beim CSIO St. Gallen erstmals die Schweizer Farben im Heim-Nationenpreis vertreten - an anderen Destinationen hat er dies schon geschafft. Dennoch ist der 35-Jährige hierzulande noch immer einer der eher unbekannten Namen im Spitzensport. Guerdat, Fuchs und wer genau, fragen sich viele.
Ein Schotte findet den Weg in die Schweiz
Dabei verlief sein Weg in die Schweizer Nationalmannschaft alles andere als gewöhnlich. Smith stammt aus Schottland, wuchs in der Nähe von Glasgow auf einem kleinen Bauernhof auf und kam eher zufällig zum Pferdesport. Seine Eltern hatten keinen Bezug zur Reiterei. Es war sein älterer Bruder, der ihn mit der Leidenschaft ansteckte. Was zunächst als Hobby begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einer internationalen Karriere.
Schon als Junior sammelte Smith erste Erfolge für Grossbritannien. Mit 16 Jahren zog es ihn nach Deutschland in den Stall von Dietmar Gugler. Aus einem geplanten dreimonatigen Praktikum wurden mehr als zwei Jahre.
Der aus hiesiger Optik entscheidende Wendepunkt folgte 2008. Smith wechselte in die Schweiz in den Stall von Pius Schwizer. Dort wollte er von einem der besten Springreiter der Welt lernen. Gleichzeitig begann eine Geschichte, die ihn dauerhaft mit der Schweiz verbinden sollte. Im Stall lernte er seine spätere Frau Julia kennen. Die Luzernerin arbeitete damals ebenfalls bei Schwizer. Heute leben die beiden mit Sohn Justin in Schlierbach bei Sursee und führen, eingemietet in einem Stall, ihr Geschäft.
"Der Entscheid für die Schweiz zu reiten, fiel mir nicht schwer, sagt Smith gegenüber Keystone-SDA. "Ich bin schon sehr lange hier." Tatsächlich ist die Schweiz längst zu seiner Heimat geworden. Seit drei Jahren besitzt er den Schweizer Pass und darf auch offiziell für Swiss Equestrian starten.
Stetiger statt steiler Aufstieg
Seinen Weg an die Spitze ging Smith nicht über finanzstarke Grossställe oder prominente Besitzer. Vielmehr arbeitete er sich über Jahre hinweg nach oben. Er baute sich ein Netzwerk auf, erhielt Unterstützung von Förderern und Sponsoren und machte sich 2016 gemeinsam mit seiner Frau selbstständig. Heute bilden die Smiths im eigenen Betrieb Pferde für Besitzer und Sponsoren aus. "Aber wir haben natürlich auch eigene sportliche Ambitionen", betont er.
Lange galt Smith als verlässlicher Profi, der solide Resultate lieferte. Der eigentliche Durchbruch gelang jedoch erst in den vergangenen zwei Jahren. Und er hat einen Namen: Picobello.
Der elfjährige Schimmel veränderte Smiths Karriere grundlegend. Über Daniel Etter, der heute zu seinem engsten Umfeld gehört und ihn an den grossen Turnieren betreut, kam der Schotte erstmals mit dem Hengst in Kontakt. "Als ich ihn das erste Mal ritt, passte es sofort", erinnert sich Smith. Trotzdem liessen sich alle Beteiligten Zeit. Pferd und Reiter sollten sich ohne Druck entwickeln können.
Erstmals Fünfsterne-Niveau
Heute bildet das Duo eines der erfolgreichsten Schweizer Gespanne. Picobello ermöglichte Smith den Einstieg auf Fünf-Sterne-Niveau - vor einem Jahr bestritt er in St. Gallen erstmals einen Grand Prix auf diesem Niveau - und führte ihn bis in die Weltspitze: Platz 5 im Millionen-Grand-Prix von Genf, zwei Nullfehler-Ritte im Nationenpreis von Falsterbo und zuletzt die Auszeichnung als "Rookie of the Year" beim Turnier in Basel haben Smith endgültig in der internationalen Elite etabliert.
Nun folgt am Freitag der Auftritt mit der Schweizer Equipe beim Nationenpreis in St. Gallen. "Picobello ist gut im Schuss. Das Vertrauen stimmt", sagt Smith. Der Hengst sei im Wettkampf aussergewöhnlich kämpferisch. "Picobello ist sehr energisch und hat viel Blut. Ich muss ihn im Parcours eher beruhigen."
Während viele Reiter an diesem Wochenende den Grand Prix als Höhepunkt betrachten, setzt Smith einen anderen Fokus. "Der Nationenpreis hat mehr Priorität. Es geht dort nicht um individuelle Erfolge, sondern um die Schweizer Mannschaft." An einem guten Tag könne er der Schweiz helfen, den Nationenpreis zu gewinnen.
Dann wäre Smith ein neuer Hoffnungsträger im roten Jacket. Ein Schotte, der in der Schweiz eine neue Heimat fand, und berechtigte Ambitionen hegt, die Schweiz im Sommer an der WM in Aachen und in zwei Jahren an den Olympischen Spielen in Los Angeles zu vertreten.
















Kommentare (0)
Schreibe einen Kommentar