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Keystone-SDA | Dienstag, 26. Mai 2026

Zwischen Ehrung und Warnung

Andres Ambühl und Mathias Seger gehören zu den grössten Legenden im Schweizer Eishockey. Während Ambühl am Sonntag in die Hall of Fame aufgenommen wird, warnt der bereits geehrte Seger.

Andres Ambühl steht bekanntlich nicht gerne im Mittelpunkt. Nächsten Sonntag wird er das aber bei der Zeremonie für die Aufnahme in die Hall of Fame des Internationalen Eishockeyverbandes noch einmal sein. Die Aufnahme hat er sich unter anderem mit dem Rekord von 20 WM-Teilnahmen verdient. Freut er sich darauf? "Momol, es gehe ja nur eine Stunde", sagt Ambühl im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. In erster Linie freut sich der 42-Jährige aber auf die Partien, er ist für das ganze Finalwochenende eingeladen. Bislang war er nur am ersten Tag beim Schweizer Spiel gegen die USA vor Ort.

Es ist mit Ausnahme von 2018 die erste WM seit seinem Debüt 2004, an der Ambühl nicht auf dem Eis steht. Reizt es ihn nicht angesichts der tollen Atmosphäre? "Logisch wäre es cool mit dieser Stimmung, aber ich habe damit ziemlich abgeschlossen. Ich durfte Ähnliches in Bern (an der WM 2009) erleben, es ist schön, dass das nun die Jüngeren können."

Ambühl bedauert Fischer-Aus

Während der Karriere sagte Ambühl, auf seine unglaublichen Rekorde angesprochen, stets, dass ihm vielleicht später bewusst werde, was er geleistet habe. Darauf angesprochen erklärt er: "Darüber mache ich mir auch heute nicht zu viele Gedanken. Ob ich nun 20 oder zwölf Weltmeisterschaften bestritten habe, das spielt keine Rolle. Gute Leute getroffen, coole Momente und Erinnerungen gesammelt zu haben, das ist am Ende das Wichtigste - auch wenn man logischerweise gewinnen möchte."

Ein wichtiger Weggefährte von Ambühl war der langjährige Nationalcoach Patrick Fischer, der kurz vor der Heim-WM aufgrund der Affäre um sein gefälschtes Covid-Zertifikat entlassen wurde. Fischer war nicht nur Ambühls Trainer, sie spielten auch zusammen im Nationalteam. "Es hat mir für ihn extrem leid getan", so der dreifache WM-Silbermedaillengewinner und sechsfache Schweizer Meister. "Er hat einen grossen Anteil daran, dass die Schweiz nun dort steht, wo sie ist. Mich hat erstaunt, dass es noch eine solch grosse Welle gegeben hat. Es wäre in meinen Augen sehr hübsch gewesen, wenn er mit der Heim-WM hätte aufhören können."

So stark das Nationalteam im Moment ist, gibt es auch Wolken am Horizont. Wurden zwischen 2008 und 2017 sechs Schweizer im NHL-Draft in der ersten Runde ausgewählt, war es seither noch einer (2022 Lian Bichsel). Das U18-Nationalteam ist vor einem Jahr aus der höchsten Division abgestiegen, was ein Alarmzeichen sein sollte, auch wenn im April der direkte Wiederaufstieg gelang. Macht sich Ambühl Sorgen? "Die Generation um Josi ist sicher aussergewöhnlich, aber Sorgen ist das falsche Wort." Jedoch müsse man sich bewusst sein, dass es auch nach dieser Generation weitergehen müsse. Wichtig sei, die Jungen einzubauen.

Seger wählt klare Worte

Die Zurückhaltung zu diesem Thema passt zu Ambühl, der kein Mann der grossen Worte ist. Bei einer weiteren Legende im Schweizer Eishockey sieht das ganz anders aus: Mathias Seger, der 2022 in die Hall of Fame der IIHF aufgenommen worden ist, spricht die Mängel gegenüber Keystone-SDA ganz klar an.

Eines der Hauptprobleme ist für den langjährigen Captain der Nationalmannschaft und der ZSC Lions, dass die Breite im Eishockey verloren gehe. "Man sieht, dass kleine Vereine am Eingehen sind, sie die finanziellen Mittel nicht mehr haben, um professionelle Coaches zu engagieren. Das führt zu einer frühen Abwanderung der Talente zu den grossen Klubs." Die Vereine der National League seien bestimmend in der ganzen Entwicklung. Nach der Abspaltung vom Verband müssten sie sich bewusst sein, dass sie nicht nur für sich selbst die Verantwortung hätten, sondern für das gesamte Schweizer Eishockey. Der Verband habe aufgrund der Schwächung viel zu wenig Werkzeuge, um entscheidend einzugreifen. "Doch jeder schaut nur auf seinen eigenen Garten, es geht in erster Linie um schnelle Wirtschaftlichkeit."

Der 48-jährige Seger, der seine Karriere 2018 beendet hat, befürchtet, dass zu spät auf die negativen Tendenzen reagiert werde. "Der National League geht es gut, aber wenn man die Swiss League anschaut, dann geht es dem Schweizer Eishockey eigentlich nicht gut. Wir haben hier so gute Voraussetzungen, so eine Leidenschaft für den Sport, und dann gibt es diesen elenden Kampf zwischen der National League und dem Verband. Das ist himmeltraurig." Jetzt merke man noch nichts von den Konflikten, die goldene Generation sei noch zu sehen, aber vielleicht dann in zehn Jahren. Dann sei es zu spät, um noch zu reagieren.

Doch zurück zur Heim-WM. "Das Team sieht unglaublich gefestigt aus", sagt Seger. "Es ist eine Augenweide, ihnen zuzuschauen." Zudem sei das Turnier auch sehr gut organisiert. Die entstandene Euphorie ist für ihn unglaublich wichtig für das Schweizer Eishockey – er hofft auf einen grossen Aufschwung. Schliesslich soll es, allen Problemen zum Trotz, weitere Ambühls und Segers geben, die in die Hall of Fame aufgenommen werden.

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