Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Amoklauf in Aarau: Der Schütze besass die Waffen legal
Die Schiesserei in Aarau war ein Amoklauf. Das hat die Kantonspolizei Aargau an der Medienkonferenz in Schafisheim AG bekannt gegeben. Der Schütze habe ein psychisches Leiden, und er habe die Waffen legal besessen. Den Rave in Aarau habe er wohl zufällig ausgewählt.
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sei der am Montag in den frühen Morgenstunden festgenommene Mann der Schütze, sagte Polizeikommandant Michael Leupold am Mittwoch vor den Medien. Der 43-jährige Schweizer habe keinen Migrationshintergrund und wohne im Kanton Jura.
Der Mann habe sich am Montag der Kantonspolizei Jura in Delsberg selbst gestellt, sagte Gesamteinsatzleiter Matthias Schildknecht. Die Kantonspolizei Aargau habe das mutmassliche Tatfahrzeug bereits ermittelt gehabt, und Einsatzkräfte seien im Jura gewesen. Mithilfe einer Zeugenaussage sei man auf dieses Fahrzeug gestossen.
Der Mann habe vor Ort angegeben, dass es ihm seit längerer Zeit nicht gut gehe, führte der leitende Staatsanwalt Christoph Rüedi weiter aus. Daraufhin habe die Kantonspolizei Aargau den Mann in den Aargau überführt.
Über 40 Schüsse abgegeben
Am Sonntagmorgen, um 2.30 Uhr, soll der Beschuldigte im Aarauer Schachen über 40 Schüsse abgegeben haben. Mehr als 100 Menschen seien nach dem Ende der Raveparty noch vor Ort gewesen. Er soll drei Waffen dabei gehabt haben - zwei Pistolen und eine Kalaschnikow. Der Beschuldigte habe die Waffen vor über 20 Jahren legal erworben, und sie seien auf ihn registriert gewesen. Nach der Tat sei der Verhaftete relativ rasch von Aarau in den Kanton Jura gefahren.
Die Polizei und die Rettungskräfte seien innerhalb weniger Minuten vor Ort gewesen. Weil im Gebiet geschossen wurde, habe man dieses zuerst gesichert, damit nicht auch noch Rettungskräfte verletzt werden. Polizeipatrouillen hätten erste Hilfe geleistet, sagte Gesamteinsatzleiter Matthias Schildknecht.
Dann habe die Polizei Ermittlungen in alle Richtungen begonnen. Man habe in den ersten zwölf Stunden nach der Tat über 130 Befragungen durchgeführt. Ausserdem habe man Videos und Fotos ausgewertet und Hinweise aus der Bevölkerung aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Verfahren.
Mann verweigerte die Aussage
Bei einer ersten Einvernahme habe der Verhaftete die Aussage verweigert, führte Rüedi weiter aus. Der Mann habe jedoch Angaben zur Person gemacht. Er habe versichert, allein gehandelt zu haben. Man gehe aktuell davon aus, dass der 43-Jährige ein psychisches Leiden aufweise. Angaben zum persönlichen Umfeld, zu Familie oder Beruf machte der Staatsanwalt keine.
Auch das Motiv sei noch gänzlich unklar. Hinweise auf ideologische Hintergründe lägen derzeit nicht vor. Der Mann habe bis auf Bagatellen im Strassenverkehr keine Vorstrafen und sei den Behörden nicht bekannt gewesen.
Bei der Schiesserei wurde eine 22-jährige Italienerin getötet. Sie habe einen Durchschuss im Oberkörper erlitten, der lebenswichtige Organe getroffen habe, sagte Schildknecht. Fünf weitere Personen hätten ebenfalls Durchschüsse erlitten. An einer Person sei ein Schuss abgeprallt beziehungsweise habe diese gestreift. Diese Person habe sich erst am Montag bei der Polizei gemeldet, daher sei man zunächst von nur fünf Verletzten ausgegangen.
Verletzten geht es besser
Zwei Personen befänden sich noch immer im Spital. Es gehe ihnen den Umständen entsprechend besser, hiess es an der Medienkonferenz weiter. Man werde nun weiter ermitteln. "Wir interessieren uns nicht nur für den äusseren Ablauf, sondern auch für die Gedanken des Täters", erklärte Rüedi. Mögliche Tatbestände seien vorsätzliche Tötung - teilweise versuchte -, Mord, - teilweise versuchter -, Gefährdung des Lebens und Widerhandlungen gegen das Waffengesetz.
Auf die Frage, warum die Polizei erst am Mittwoch informierte, sagte Leupold, man habe sicher sein wollen, dass das Sicherheitsrisiko gebannt sei, wenn man wieder vor die Medien trete.
Das Interesse an der Medienkonferenz war gross. Mehr als ein Dutzend Kameras und fast 50 Medienschaffende waren vor Ort - neben Schweizer auch italienische und deutsche Medien. Die Medienkonferenz dauerte rund eine Stunde.

















Kommentare (0)
Schreibe einen Kommentar