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Keystone-SDA | Dienstag, 07. April 2026

Bei Bayern dreht sich fast alles um Harry Kane

Auf diese ganz grossen Fussballabende mussten Vincent Kompany und die Bayern ein Jahr lang warten. Jetzt sind sie da: Einen grösseren Gegner als Real Madrid und eine grössere Bühne als das Estadio Santiago Bernabéu könnte sich Kompany (39) für sein 100. Pflichtspiel als Bayern-Trainer nicht wünschen.

Real gegen Bayern - ein episches Gigantentreffen in Europa. "Real Madrid ist der beste Verein in der Geschichte der Champions League. Darum ist das eine schöne Aufgabe", sagte Kompany zur Viertelfinal-Kraftprobe mit dem Rekordsieger. Und Bayern München fühlt sich bereit. "Mehr positives Gefühl, um nach Madrid zu fahren, geht gar nicht", frohlockte Sportvorstand Max Eberl nach dem famosen 3:2-Comeback-Sieg am Ostersamstag in Freiburg.

Kompany bietet sich nun endlich die Chance, die bitteren Erinnerungen an das Viertelfinal-Out gegen Inter Mailand zu löschen, die ihn zwölf Monate lang verfolgten. Vor einem Jahr fehlten ihm "neun verletzte Spieler", wie er seither immer wieder wie ein Mantra wiederholte. "Es geht um Details im Fussball. Und um Qualität - und das heisst, die Topspieler zur Verfügung zu haben", erklärte der Belgier.

Kane trainierte vor Abflug

Sorgen hat Kane auch jetzt wieder. Harry Kane schlägt sich mit Problemen am Sprunggelenk herum. Spielt er? Oder spielt er noch nicht? Vor dem Abflug der Bayern nach Spanien gab es positive Signale: Kane stand im Abschlusstraining auf dem Rasen. Er trainierte mit. "Natürlich sind wir besser, wenn Harry (Kane) dabei ist", so Kompany.

"Selbst wenn er noch ein bisschen Schmerzen hat, wird er sich auf den Platz schleppen", glaubt Joshua Kimmich. Kein Kane in Freiburg, das geht. Kein Kane in Madrid, geht das auch? Mit zehn Toren ist der Engländer der zweitbeste Königsklassen-Schütze der laufenden Spielzeit; nur Real-Star Kylian Mbappé traf noch häufiger, nämlich 13 Mal.

Womöglich hat der emotionale Sieg in Freiburg, bei dem die Youngster Tom Bischof und Lennart Karl mit ihren Toren vom 0:2 zum 3:2 trafen, zu Kanes schneller Genesung beigetragen. "Wow, wow, wow. Was für ein Comeback. Was für eine Einstellung", schwärmte der daheim gebliebene Zuschauer Kane danach in einem selbst aufgenommenen Video. Er liebe dieses Team.

"Einfach gewinnen - und fertig!"

Der Mentalitäts-Erfolg im Breisgau war womöglich der letzte Push, den Kompanys Winner-Kollektiv vor der Kraftprobe mit den Real-Individualisten um Vinícius Júnior und Mbappé noch benötigte. "Wir können jetzt jeden Gegner schlagen", sagte Offensiv-Juwel Karl. Der 18-Jährige formulierte mit der Unbekümmertheit des Teenagers forscher als alle anderen das Ziel gegen seinen Traumverein: "Einfach gewinnen - und fertig!"

Wenn das nur so einfach wäre. Es gibt schliesslich diesen königlichen Mythos um Real in der Königsklasse. "Wenn Real Madrid in diesem Wettbewerb spielt, ändert sich alles. Wir sind bereit für mehr, für alles, was kommt", sagte Stürmerstar Vinícius. Beim Achtelfinalerfolg über Manchester City belegte das Team von Trainer Álvaro Arbeloa, der zu Jahresbeginn Xabi Alonso ablöste, mal wieder diese These. Allerdings fällt Stamm-Goalie Thibaut Courtois in beiden Partien verletzt aus.

Auch die Münchner haben viele schmerzliche Erfahrungen mit Real Madrid gesammelt. Seit dem dramatischen Einzug ins noch dramatischer verlorene "Finale dahoam" 2012 sind sie viermal an den Königlichen gescheitert: Halbfinal 2014, Viertelfinal 2017, Halbfinal 2018, nochmals Halbfinal 2024. Immer hiess der Sieger Real. Darum sagt Kimmich: "Es ist mal an der Zeit!"

Neuers offene Rechnung

"Hoffentlich können wir unsere Stärke zeigen", hofft Trainer Kompany. Die grossen Real-Spiele werden zeigen, ob der Mann, der vor zwei Jahren als Notlösung in München loslegte, tatsächlich schon zum dritten Triple-Coach nach Jupp Heynckes (2013) und Hansi Flick (2020) aufsteigen könnte.

Kompany hat die Bayern zu einer Sieg- und Tormaschine geformt, die selbst den Real-Protagonisten Respekt einflösst. "Uns erwarten zwei grosse Spiele gegen eine Mannschaft, die meiner Meinung nach derzeit die formstärkste in Europa ist", sagte Stürmer Mbappé. Der Franzose machte aber einen Zusatz: "Wenn jemand Bayern stoppen kann, dann ist es Real Madrid."

Kompany verspürt gar keine "Lust zu entscheiden, wer Favorit ist". Er freut sich einfach: "Beide Mannschaften haben so viel Qualität. Das muss einfach für den Fussball gut sein." Ganz Europa wird zuschauen. Und auch auf Manuel Neuer blicken. Der 40-jährige Captain hat noch eine persönliche Rechnung zu begleichen, nachdem er beim letzten Duell mit Real vor zwei Jahren bis zur 88. Minuten überragend hielt - und dann entscheidend patzte.

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