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Keystone-SDA | Dienstag, 07. Juli 2026

Belgiens Häme nach der Demonstration gegen die USA

Auf die Polit-Farce um Folarin Balogun folgt für die USA das WM-Aus. Belgien deklassiert den Gastgeber mit 4:1. Ein hämischer Social-Media-Post der Belgier krönt den schwarzen Tag für das Weisse Haus.

Es ist ein paar Minuten vor 16 Uhr Ortszeit, als in Seattle eine Information durchsickert, die allenthalben für Kopfschütteln, mancherorts Empörung, vielerorts aber für Unverständnis sorgt. Der US-Verband und die FIFA geben bekannt, dass Folarin Balogun im Achtelfinal gegen Belgien in der Startaufstellung stehen wird. Klar, könnte man meinen. Warum sollte Trainer Mauricio Pochettino in einem K.o.-Spiel auch auf seinen besten Torschützen verzichten?

Wäre da nicht die Sperre, die der 25-Jährige aufgrund einer direkten Roten Karte im Sechzehntelfinal gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) absitzen müsste. Wäre da nicht US-Präsident Donald Trump, der bei FIFA-Präsident Gianni Infantino höchstpersönlich anrief und ihn ersuchte, den Entscheid zu überdenken. Und wäre da nicht eine globale Kontroverse, die vorab die Integrität des Fussball-Weltverbandes und dessen oberstem Angestellten grundlegend in Frage stellt.

Die Erinnerung an 1962

Viele äusserten sich in den letzten Tagen zu Infantinos eigenwilliger Interpretation von Fairness. Der designierte deutsche Bundestrainer Jürgen Klopp etwa, der dezidiert gegen Trump und Infantino Stellung bezog. Auch der Schweizer Fussballverband bekundete in einer offiziellen Mitteilung sein Unverständnis. Und vorab in deutschen Medien wurde darüber spekuliert, wer bei der Wahl des FIFA-Präsidenten als Gegenkandidat zu Infantino installiert werden könnte. Denn, so der Tenor, so eine Affäre dürfe der Walliser nicht in seinem Amt überleben.

Hinter den Kulissen hatte das Weisse Haus zuvor eine beispiellose Maschinerie in Gang gesetzt. Unmittelbar nach Baloguns Tritt gegen den bosnischen Verteidiger Tarik Muharemovic aktivierte Andrew Giuliani, Direktor der hauseigenen WM-Taskforce, den US-Präsidenten. Zusammen mit Handelsminister Howard Lutnick und Vertretern von U.S. Soccer wurde ein Plan geschmiedet, um die automatische Spielsperre gemäss Artikel 10.5 des FIFA-Reglements auszuhebeln. Die Taskforce durchleuchtete sogar die Historie des brasilianischen Schiedsrichters Raphael Claus nach früheren Fehlentscheiden. Trump griff schliesslich selbst zum Hörer. Und bat seinen "great friend Gianni", doch noch einmal nachzudenken.

Infantino und Trump pflegen seit dessen erster Amtszeit ein enges Verhältnis. Trump erklärte im Nachgang öffentlich, er habe lediglich um eine "Überprüfung" gebeten und keine konkreten Forderungen gestellt. Auf seiner Plattform Truth Social feierte er den Entscheid der FIFA später jedoch als Korrektur einer "grossen Ungerechtigkeit". Infantino hörte brav zu und betonte später lediglich, der Entscheid liege beim unabhängigen Disziplinarkomitee. Es mutet in diesem Zusammenhang besonders pikant an, dass Trump und Infantino den WM-Pokal nach dem Final gemeinsam überreichen sollen.

Die FIFA wandelte die Sperre Baloguns schliesslich gestützt auf Artikel 27 des Disziplinarreglements in eine einjährige Bewährungsstrafe um. Ein solcher Vorgang ist in der modernen WM-Geschichte beispiellos. Den einzigen historischen Vergleich bietet die WM 1962, als der Brasilianer Garrincha nach einer Intervention des chilenischen Präsidenten für den Final begnadigt wurde.

Zwar beruft sich die FIFA heute auf ihre völlige Unabhängigkeit, doch der Anschein einer massiven politischen Einflussnahme durch den Gastgeber wiegt schwer. Die US-Spieler erfuhren davon im Teambus via Social Media und hielten die Nachricht zunächst für eine KI-Fälschung.

Der Seitenhieb der Belgier

In Europa löste der Entscheid eine Welle der Entrüstung aus. Der Königliche Belgische Fussballverband (RBFA) reagierte fassungslos und warf der FIFA einen direkten Bruch der eigenen Statuten vor. Die FIFA-Berufungskommission blockierte den Protest kurzerhand. Auch die UEFA schaltete sich ein und erklärte, die FIFA habe eine "rote Linie überschritten". Belgien drohte schliesslich gar mit dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne, um den nachträglichen Ausschluss der USA aus der Weltmeisterschaft zu fordern.

Auf dem Rasen von Seattle fand die hochpolitische Kontroverse schliesslich ihr sportliches Ende – und zwar ein bitteres für den Gastgeber. Die abgeklärten Belgier liessen sich von den Nebengeräuschen nicht beirren und deklassierten die USA souverän mit 4:1. Ausgerechnet Folarin Balogun, der Mann, über den die ganze Fussballwelt sprach, blieb dabei völlig blass. Bis zu seiner Auswechslung in der 92. Minute verzeichnete der Akteur der AS Monaco gerade einmal 19 Ballkontakte. Und in der 82. Minute suchte er erstmals den Abschluss, scheiterte aber am belgischen Goalie Thibaut Courtois.

Die Genugtuung der "Roten Teufel" war offensichtlich gross: Nur wenige Minuten nach dem Schlusspfiff postete das belgische Team auf den sozialen Medien einen süffisanten Seitenhieb in Richtung Trump und Infantino: "Overturn this!" (Macht das rückgängig!).

Pochettinos Zukunft in der Schwebe

Bei den Amerikanern herrschte nach dem Aus derweil grosse Ernüchterung. Nationaltrainer Mauricio Pochettino zeigte sich bei Fox Sports konsterniert: "Wir haben unser Potenzial leider nicht auf den Platz gebracht. Belgien hat verdient gewonnen." Für sein Team sei es ein Lernprozess, man müsse analysieren, weshalb man in diesem wichtigen Spiel nicht habe liefern können.

Wie es mit dem argentinischen Coach weitergeht, ist offen. Noch vor der WM hatte Pochettino eine vorzeitige Vertragsverlängerung abgelehnt. Es wird spannend zu verfolgen sein, ob ihm der amerikanische Verband nach diesem enttäuschend frühen Scheitern überhaupt ein neues Arbeitspapier offerieren wird. Das Turnier im eigenen Land hat für den Gastgeber sein sportliches Ende gefunden, die Integrität des Weltfussballs hat jedoch dauerhaften Schaden genommen.

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