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Keystone-SDA | Dienstag, 07. Juli 2026

Die zwei Lionels als Argentiniens Erfolgsgaranten

Nicht nur mit Lionel Messi, dem Superstar der Argentinier, zeichnet Nationaltrainer Lionel Scaloni eine besondere Beziehung aus.

Lionel Scaloni musste den Kraftakt gegen Kap Verde in seinem Jubiläumsspiel zunächst sacken lassen. "Es wäre verrückt gewesen, in meinem 100. Spiel zu verlieren", sagte er. Aber so sei Fussball eben. Scaloni, der ohne jegliche Meriten vor acht Jahren den Posten übernommen hat, bekommt an der WM in Nordamerika auch sein 101. Spiel als Trainer der argentinischen Nationalmannschaft: am Dienstag (18.00 Uhr MESZ) in Atlanta gegen Ägypten. "Es ist Scalonis Stunde", schrieb die argentinische Zeitung "La Nacion" vor dem WM-Achtelfinal.

Wenn er auch sein 104. beim XXL-Turnier erleben wird und das mit einem Sieg endet, wird er selbst argentinische Trainer-Legenden wie César Luis Menotti (Weltmeister-Trainer 1978) oder Carlos Bilardo (1986) in den Schatten stellen. Und das heisst was. Nur eines wird er dann vermutlich wieder nicht: Jubeln. Er geniesst innerlich, nur Tränen fliessen schnell. Das war schon beim Titeltriumph in Katar 2022 so.

Was acht Trainer nicht schafften

Vor 20 Jahren in Deutschland musste Scaloni Lionel Messi noch stoppen. Zumindest im Training. Er, der Verteidiger, Messi, der Offensiv-Zauberer. Bei der WM in Deutschland standen sie zusammen im Kader der Argentinier. Scalonis Karriere in der Albiceleste als Spieler blieb mit sieben Einsätzen aber eher überschaubar.

Nicht so als Trainer. An Messi verzweifelten alle, die seit dessen kurzem Länderspieldebüt mit Rot nach Einwechslung im August 2005 im Amt waren. Ob anfangs José Pekerman, zwischendurch sogar Diego Maradona oder am Ende Jorge Sampaoli - insgesamt acht Trainer versuchten es vergeblich. Bis Scaloni kam. Ex-Profi, aber mit null Trainer-Erfahrung als Chefcoach eines Profi-Teams.

Er war Co-Trainer unter Sampaoli beim FC Sevilla und der argentinischen Nationalmannschaft, ehe Scaloni die U20 übernahm. Nach der WM in Russland, als Messi im Sommer 2018 ein Lustlos-Turnier spielte, wurde Scaloni zum Cheftrainer der Albiceleste berufen. Wie der ehemalige rechte Verteidiger die Mannschaft führen und formen würde, wurde schnell klar. Dass Messi nicht zurücktrat, war auch Scalonis Verdienst.

Was zeichnet Scaloni aus?

Scaloni ist weder Eisklotz, noch Selbstdarsteller. Er zeigt Emotionen, ist Mensch. Auf Pressekonferenzen kommen bei Erinnerungen und Wiedersehen schnell auch mal die Tränen. Als er am 30. Mai 2015 seine letzten Minuten als Profi für Atalanta Bergamo absolviert hatte, umarmte der damals 37-Jährige seinen Vater Angel und "weinte wie nie zuvor", schrieb mal die FIFA über Scaloni, dessen Vorfahren auch italienische Wurzeln haben. Die erste Trainerausbildung zur UEFA-B-Lizenz absolvierte er 2011 in Trigoria, dem Trainingszentrum der AS Roma. Damals stand er bei Lazio unter Vertrag.

Scaloni ist mit einer Mallorquinerin verheiratet und lebt teilweise auf der Insel. "Wie schön, dass dieses Märchen auf Mallorca seinen Anfang genommen hat", schrieb das "Mallorca Magazin" mal über den Weltmeister-Trainer Scaloni, der mit seiner Art einen Wandel in der argentinischen Nationalmannschaft schaffte.

"Er hat mir klargemacht, dass man das Leben aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann, auch den Fussball", erklärte Mittelfeldmann Rodrigo de Paul bei der WM. Der wichtigste Nebenmann von Superstar Messi - beide spielen auch bei Inter Miami zusammen - hob Scalonis verständnisvolle Art hervor.

"Das Wichtigste ist, dass wir keine Fussballspieler sind, sondern Menschen, die Fussball spielen. Dieser Satz ist für mich äusserst wichtig. Hinter jedem Spieler steht ein Mensch mit vielen Problemen, Freuden und Enttäuschungen. Wenn man sieht, dass derjenige, der einen anleitet, das versteht, fühlt man sich viel wohler", betonte de Paul. Schon als Spieler soll Scaloni kein Typ für Kontroversen gewesen sein.

Messi und der drohende Abschied Scalonis

Ein besonderes Verhältnis hat er zu Messi. Er liess ihn in Ruhe, als er den Posten übernommen hatte und Messi nach dem Aus in Russland Zeit brauchte. Messi kam zurück und zelebrierte unter Scaloni seinen Fussball. Nie zuvor wirkte Messi in der Nationalmannschaft glücklicher, nie war er erfolgreicher. 2021 Sieger der Copa America, drei Jahre später wieder, 2022 der WM-Triumph. Unter Scaloni verewigte sich Messi endgültig.

Und er war es, der Scaloni in Momenten des Zweifels zum Weitermachen bewegte, wie Scalonis Biograf Diego Borinsky der argentinischen Zeitung "La Capital" erklärte. Zweimal soll Scaloni dessen Schilderungen zufolge ans Aufhören gedacht haben. Einmal, als es seinen Eltern nicht gut gegangen war und er glaubte, nicht die nötige Energie für den Job zu haben. "Vergiss es. Wir stehen voll und ganz hinter dir", soll Messi ihm gesagt haben. Und es ist genau diese Einheit von Spielern und ihrem Trainer, die Argentinien 2022 zum Weltmeister machte.

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