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Keystone-SDA | Dienstag, 07. Juli 2026

Die Stunde der Wahrheit für das Schweizer Nationalteam

Nach dem ersten K.o.-Sieg seit 88 Jahren strebt das Schweizer Nationalteam im Spiel gegen Kolumbien den ersten Viertelfinaleinzug seit 1954 an. Der Countdown läuft.

Fünf Kontinentalverbände

Aus Schweizer Sicht macht die Weltmeisterschaft ihrem Namen alle Ehre: Nach Katar (Asien), Bosnien-Herzegowina (Europa), Kanada (Nord- und Mittelamerika) und Algerien (Afrika) folgt mit Kolumbien (Südamerika) der fünfte Gegner aus dem fünften Kontinentalverband.

Passend ist auch, dass es das fünfte Duell zwischen den Schweizern und den Kolumbianern sein wird. Zwischen 1985 und 2007 gab es für die Schweizer einen Sieg, ein Unentschieden und zwei Niederlagen, wobei vor allem jene im Gruppenspiel an der WM 1994 in Erinnerung blieb - nicht zuletzt wegen des Ellbogenschlags des kolumbianischen Captains Carlos Valderrama gegen Ciriaco Sforza.

Auch im Hinblick auf den Dienstag stellen sich die Schweizer auf ein physisches Spiel ein. "Wir erwarten harte Duelle, vielleicht auch Trash Talk", sagte etwa Ruben Vargas im Vorfeld des Achtelfinals. "Wir müssen in den Zweikämpfen mit der gleichen Energie dagegenhalten." Gelinge ihnen das, werde es eine Begegnung auf Augenhöhe sein.

Vier WM-Achtelfinals in Serie

Vier Teams haben an den letzten vier Weltmeisterschaften - die aktuelle mitgerechnet - stets die Achtelfinals erreicht: Argentinien, Brasilien, Frankreich, die zusammen zehn Weltmeistertitel aufweisen, sowie die Schweiz. Wäre es früher eine Ehre gewesen, in einer Reihe mit diesen Topnationen des Fussballs genannt zu werden, möchte das Schweizer Nationalteam nun mehr.

Zu dieser Statistik gehört allerdings auch, dass der Achtelfinal für die Schweiz bei den letzten drei Endrunden jeweils Endstation war. Die knappen Niederlagen gegen Argentinien und Schweden sowie die Klatsche gegen Portugal haben Spuren hinterlassen, die Mannschaft aber auch geformt.

Nun scheinen die Schweizer über die nötige Reife zu verfügen. Jedenfalls zeigten sie gegen Algerien nach zögerlichem Start eine abgeklärte Leistung und brachten den Vorsprung problemlos über die Zeit. Mit Kolumbien trifft die Schweiz aber erstmals an dieser WM auf einen Gegner, der in der Weltrangliste höher eingestuft ist. Die Südamerikaner belegen Platz 13, die Schweiz Platz 19.

Dreimal Vancouver

An der WM der Frauen 2015 schied die Schweiz im Achtelfinal in Vancouver aus. Dieses Mal soll es anders kommen, hat der BC Place den Schweizern doch schon zweimal Glück gebracht. Sie gewannen dort das letzte Gruppenspiel gegen Kanada ebenso wie den Sechzehntelfinal gegen Algerien. Nun folgt der dritte Auftritt in der Arena, die in Vancouvers Downtown liegt und etwas mehr als 52'000 Fans Platz bietet.

Von einem Heimvorteil wird jedoch kaum die Rede sein können. Nachdem die kolumbianischen Fans bereits in den Spielen zuvor in grosser Zahl in die Stadien geströmt sind, wird auch im Achtelfinal eine "Gelbe Wand" erwartet. Sie könnte im Stadion mit dem geschlossenen Dach für eine ganz besondere Stimmung sorgen.

"Wir wissen, wie es ist, wenn die Mehrheit der Fans gegen uns ist", sagte Granit Xhaka. Das Team hat dies in der Gruppenphase bereits gegen Bosnien-Herzegowina und Kanada erlebt. Auch gegen Algerien waren die Schweizer Fans in der Unterzahl. Daher macht sich der Schweizer Captain keine Sorgen. "Wir haben bereits gesehen, dass uns diese Ausgangslage auch pushen kann."

Zwei angeschlagene Topskorer?

Murat Yakin verkündet an der Pressekonferenz ein bitteres Personalupdate: Mit Johan Manzambi (drei Tore, zwei Assists) und Ruben Vargas (zwei Tore, ein Assist) seien zwei Topskorer des Teams für den Einsatz gegen Kolumbien fraglich. Die beiden hätten wie auch Djibril Sow das Abschlusstraining frühzeitig beendet.

Zu den Hintergründen der Verletzungen gab es zunächst keine Informationen. Doch der Nationaltrainer wirkte knapp 22 Stunden vor dem Spiel ernüchtert. "Es wäre natürlich ein Riesenausfall, wenn uns diese Spieler gegen Kolumbien nicht zur Verfügung stehen würden."

Der Verband kündigte an, sich nach den medizinischen Untersuchungen allenfalls nochmals zu melden, was bis 20.00 Uhr Ortszeit aber nicht passierte. So bleibt offen, ob und wie sehr die drei Spieler vom Zwischenfall im Training tatsächlich beeinträchtigt worden sind.

Bei der letzten Einheit nicht dabei waren Michel Aebischer und Luca Jaquez, die schon seit mehreren Tagen mit muskulären Beschwerden kämpfen. Sie dürften den Achtelfinal gegen Kolumbien verpassen.

Ein grosses Ziel

Von Beginn an stand die Kampagne unter einem grossen Ziel: Es sollte die beste WM einer Schweizer Nationalmannschaft werden. Bewusst wurde dabei darauf verzichtet, dieses Bestreben mit dem Erreichen einer bestimmten Runde wie dem Viertelfinal zu verknüpfen.

Doch nachdem die Schweiz zuletzt an der Heim-WM 1954 unter den letzten acht Teams stand und seither dreimal in der Gruppenphase sowie fünfmal im Achtelfinal gescheitert ist, war immer klar, dass der Viertelfinal den Massstab für das Erreichen dieses Ziels darstellte.

So hielt Breel Embolo nach dem Sechzehntelfinal gegen Algerien fest, dass sein Team noch lange nicht genug habe. "Wir sind jetzt dort, wo wir schon vor vier Jahren waren", sagte der Stürmer. "Nun ist es an uns, den nächsten Schritt zu machen."

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