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Keystone-SDA | Montag, 25. Mai 2026

Das Schweizer Fecht-Wunder

Von fünf Team-Weltcups gewannen die Schweizer Degenfechter drei. Nach Vancouver, Fujairah triumphierten die Schweizer erstmals auch in Bern. Ein wahres Fechtwunder!

Denn so einfach sind die Schweizer Siege nicht zu erklären. Alexis Bayard, Lucas Malcotti, Ian Hauri und Sven Vineis belegen in der Einzel-Weltrangliste die Plätze 19, 22, 53 und 60. Einzig Bayard qualifizierte sich über Pfingsten auch im Einzel für die Direktausscheidung der besten 64. Wenn das Quartett indes als Equipe antritt, dann gelingt im Moment alles.

Nach den Weltcups folgen nun die Titelkämpfe: zuerst die Europameisterschaften in Frankreich im Juni, dann die Weltmeisterschaften in Hongkong im Juli. "Für mich wäre es eine herbe Enttäuschung, wenn es an diesen Titelkämpfen nicht zu Medaillen reichen würde", sagt Nationalcoach Daniel Jerant nach dem Sieg in Bern. Der Franzose arbeitet erst seit einem halben Jahr mit den Degenfechtern zusammen; in Bern genoss Jerant der erste Heimauftritt.

Vier Akteure aus den Top 60

Was sagen die Athleten zu den sensationellen Erfolgen? Lucas Malcotti, neben Bayard der zweite Walliser im Nationalteam, fragt zurück: "Nicht schlecht, oder?", um dann gleich selber anzufügen, "Eigentlich ist es unglaublich. Jetzt müssen wir diesen Schwung an die EM und WM mitnehmen."

Aber wie ist zu erklären, dass die Schweiz mit nur einem Top-20-Athleten (Bayard) und drei weiteren Top-60-Fechtern von Weltcupsieg zu Weltcupsieg eilt. Ungarn (mit 3 Fechtern in den Top 13), Italien (3 in den Top 17) und Weltmeister Japan (3 in den Top 16) scheinen den Schweizern haushoch überlegen.

Max Heinzer, die ehemalige Weltnummer 1 und mittlerweile Verbandspräsident, versucht gegenüber Keystone-SDA zu erklären. "Natürlich sind wir über diese Resultate mega-begeistert. Der neue Nationalcoach (Daniel Jerant) formte das Team zu einer Einheit. Ausserdem denke ich, dass die Schweizer Fechter in der Mannschaft ihre Qualitäten besser ausspielen können."

Sechs Penaltyschiessen

Das müssen sie erklären, Herr Heinzer: "Im Einzelwettkampf mit fast 400 Teilnehmern über zwei Tage mit dreimal längeren Gefechten ist der athletische Aspekt viel wichtiger. Die Schweizer sind körperlich und athletisch gut, aber technisch und taktisch sind sie Weltklasse. Das kommt ihnen im Team-Bewerb mit kürzeren Gefechten und immer wieder Pausen entgegen."

Heinzer will auch nicht auf die Euphorie-Bremse treten, "aber wir müssen schon auch sehen, dass bei den drei Weltcupsiegen sehr viel für uns gelaufen ist." Heinzer vergleicht das mit einer Fussballmannschaft, die sechsmal in ein Penaltyschiessen muss und immer gewinnt: "In Bern entschied im Viertelfinal gegen Kasachstan (nach einer 10-Punkte-Führung) und im Halbfinal gegen Frankreich jeweils ein einziger Treffer. Dieses Wettkampfglück muss man sich an den Europa- und Weltmeisterschaften auch wieder erkämpfen und verdienen."

"Wollen auch im Einzel top sein"

Davon kann Alexis Bayard ein Liedchen singen. Am Samstag im Einzel gelingt ihm gegen Team-Olympiasieger Gergely Siklosi das perfekte Gefecht (15:4), im Achtelfinal verliert er aber gegen Tibor Andrasfi, einen anderen Ungar, nach Führung kurz vor Schluss mit 10:11 in der Verlängerung. "Wenn man so verliert, ist man immer traurig und enttäuscht", so Bayard. Am Pfingstsonntag war Bayard froh, dass sein Walliser Teamkollege Lucas Malcotti im Halbfinal gegen Frankreich die Verlängerung bestritt und nach 19 Sekunden gewann.

So endete der Grand Prix de Berne am Pfingstsonntag "so, wie wir alle es gern haben". Die Europa- und Weltmeisterschaften können kommen! Und es ist ja auch nicht so, dass sich das Schweizer Fechtwunder aufs Team beschränkt. Bayard und Hauri haben diese Saison auch im Einzel schon Podestplätze geschafft. Malcotti gewann vor drei Jahren (im Final gegen Bayard) den Heim-Weltcup in Bern. "Wir wollen auch im Einzel top sein", betonen die Degenfechter am Abend in Bern unisono.

Nächster GP in fünf Monaten

Ausserdem wurde am Rand des Berner GP bekannt, dass der internationale Verband noch im Mai das Wettkampfprogramm bis zu den Sommerspielen 2028 in Los Angeles bekanntgeben wird. Der "Grand Prix de Berne" findet künftig nicht mehr im Mai, sondern im November statt, womit es in diesem Jahr in fünf Monaten zu einer weiteren Austragung kommt. Das bedeutet für den Fechtverband aber auch, dass er das Budget von knapp 200'000 Franken 2026 zweimal stemmen muss.

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