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Die grosse Leere bei der Davoser Bruderschaft
Der HC Davos verpasst seinen 32. Meistertitel auf der Zielgeraden. Für die Spieler ist dieses Scheitern in extremis schwer zu verdauen, der Coach schaut bereits wieder nach vorne.
Jeder Schritt, jedes Wort ist sichtlich eine Qual. Den Davoser Spielern ist nach der so knappen 2:3-Niederlage in der Verlängerung des entscheidenden Spiels 7 im Playoff-Final gegen Fribourg nicht zum Reden zumute. "Da ist einfach eine grosse Leere", sagt Verteidiger Sven Jung und schluckt leer. "Bitter, es war jedes Spiel so eng. Am Ende haben wir einfach ein Tor zu wenig geschossen."
Der WM-Silbergewinner mit dem Schweizer Nationalteam erinnert auch daran, dass es für manche das letzte gemeinsame Spiel war. "Ich bin stolz auf das Team, es sind so geile Jungs. Das ist wie eine richtige Bruderschaft, die wir hier zusammen haben."
Knak denkt an de Fans
Zu denen, die sich nun ohne Titel aus Davos verabschieden, gehört Simon Knak, der nach einer bärenstarken Saison zu den ZSC Lions wechselt. Er denkt vor allem an die Fans. "Wir wären es ihnen schuldig gewesen, den Sieg heimzubringen", findet Knak. "Wir haben es nicht hinbekommen, und das ist ärgerlich. Denn sie bringen so viel Herzblut in den Klub."
Bereits sehr nüchtern analysiert Coach Josh Holden die eigentlich äusserst erfolgreiche Davoser Saison, der am Ende lediglich die Krönung fehlte. Ganz Gentleman, ist dem Kanada-Schweizer zunächst wichtig, den Gegner zu loben. "Gratulation an jeden einzelnen Freiburger Spieler. Sie haben den Job erledigt", erklärt Holden. "Und eine ganz spezielle Gratulation an Julien Sprunger. Seine Karriere mit einem Sieg, und noch mehr mit einer Meisterschaft, zu beenden, ist ein Traum."
Davos vor einem Umbruch
Er sei "extrem stolz" auf sein Team, auf die Saison, die sie gespielt hätten. Der HCD gewann die Qualifikation mit 117 Punkten, dem zweithöchsten Total in der Geschichte der National League und marschierte bis zum Playoff-Final durch. Dort verloren die Bündner aber drei von vier Verlängerungen, darunter in den letzten zwei Spielen, als der 32. Titel für den Rekordmeister so nahe war. "Wir steckten nicht zurück", betont Holden. "Wir spielten um zu gewinnen. Es hätte auf beide Seiten kippen können. Unsere Spieler liessen ihr Herz auf dem Eis, nun ist die Enttäuschung natürlich gross."
Der Cheftrainer, der nach dem Viertelfinal im ersten und dem Halbfinal im zweiten Jahr nun nochmals eine Stufe weiterkam, blickt bereits in die Zukunft. Er wird im Gegensatz zu dieser Saison, als man von Beginn an auf ein eingespieltes Ensemble zählen konnte, einen kleinen Umbruch moderieren müssen. Mit dem Captain Matej Stransky, den zuletzt verletzten Michael Fora und Rico Gredig, den Verteidigern Klas Dalbeck und Davyd Barandun sowie den Aggressivleadern Chris Egli und Knak verlassen einige Leistungsträger den Klub. Als Zuzüge stehen der Nationalmannschaftscenter Ken Jäger, der zuletzt in Schweden engagierte Dominik Egli sowie der kanadische Verteidiger Frédéric Allard fest.
Holden sieht die Wechsel philosophisch. "Ich sehe das auf zwei Arten", erklärt er. "Von der persönlichen Seite her werde ich diese Jungs vermissen. Aber als Hockeytrainer weisst du, so läuft es eben. Das war auch so, als Büeli (Andres Ambühl) und Marc (Wieser) aufhörten. Wir werden einen Weg finden, es auch mit den neuen Jungs wieder zu schaffen."
Zum Schluss hat Holden noch einen Wink an andere Teams. In den Finalspielen war auffallend, wie Davos und Fribourg sehr konsequent mit vier Linien spielten auch in den entscheidenden Phasen, und so in der enorm kräftezehrenden Serie bis zum Schluss das Tempo hoch halten konnten. "Vielleicht wurden Fribourg und wir dafür belohnt." Man könne im heutigen Hockey nicht mehr Spieler 25, 26, 27 Minuten auf dem Eis haben. "Du musst die Eiszeit verteilen, das sollte vielleicht eine Lektion für alle in der Liga sein", so Holden.

















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