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Keystone-SDA | Mittwoch, 09. September 2026

Dramatische Rekordnacht bis in die Morgenstunden

Noch nie war ein Spiel am US Open so spät zu Ende gegangen. Um 3.33 Uhr Ortszeit beendete Ben Shelton eine dramatische Tennisnacht in New York.

Der als Nummer 8 gesetzte Amerikaner bezwang den Titelverteidiger Carlos Alcaraz nach 4:28 Stunden mit 6:7 (5:7), 6:1, 6:3, 1:6, 7:6 (10:7) und zog zum zweiten Mal in den Halbfinal des Heimturniers ein.

Die Partie verlangte beiden Spielern alles ab. Alcaraz ging körperlich derart an seine Grenzen, dass er sich während des Spiels in sein Handtuch übergab. Dennoch kämpfte sich der Spanier nach zwei klar verlorenen Sätzen zurück und erzwang einen vierten und fünften Durchgang.

"Nach dem dritten Satz war ich körperlich wirklich müde, aber ich fand einen Weg, mich weiter anzutreiben. Im fünften Satz fühlte ich mich immer besser, doch ich spielte gegen ein Biest. Ben ist ein unglaublicher, kraftvoller Spieler. Er hat diesen Sieg vollauf verdient", betonte der Spanier an der Medienkonferenz.

Beginn erst um 23.05 Uhr

Schon der Beginn war aussergewöhnlich spät. Alcaraz und Shelton betraten den Court im Arthur Ashe Stadium erst kurz vor 23 Uhr, um 23.05 Uhr wurde vor knapp 24'000 Zuschauern der erste Ball gespielt. Alcaraz, auf dem Papier der Favorit, entschied den ersten Satz für sich.

Danach kippte das Spiel ein erstes Mal. Vor allem Alcaraz' Vorhand wurde zum Problem. 31 seiner insgesamt 53 unerzwungenen Fehler beging er auf dieser Seite. Shelton erhöhte gleichzeitig den Druck. "Ich denke, dass ich meine Returnspiele intelligent angegangen bin. Ich hatte das Gefühl, dass ich Carlos zu vielen Ballwechseln gezwungen habe", sagte der 23-jährige Shelton, derzeit die Nummer 9 der Weltrangliste.

Der Amerikaner gewann den zweiten Satz 6:1 und holte satzübergreifend neun Games in Folge. Auch im dritten Durchgang bestimmte er das Geschehen. In der Folge zeigten sich beim Amerikaner ebenfalls erste Ermüdungserscheinungen. Alcaraz nutzte die Gelegenheit, ballte kämpferisch die Faust und gewann im vierten Umgang wieder die wichtigen Punkte.

Das Publikum ging mit. Zwar hatten sich die Tribünen inzwischen etwas gelichtet, doch die verbliebenen Fans machten die Nacht immer lauter. "Olé, olé, olé"-Gesänge schwappten durch das Arthur Ashe Stadium, die Anhänger des Amerikaners antworteten mit "USA, USA, USA". Mitten in der Nacht herrschte in der grössten Tennisarena der Welt zeitweise die Atmosphäre eines Fussballstadions.

Die Nacht wird immer länger

Um 2.27 Uhr eröffnete Shelton den entscheidenden Durchgang. Beide Spieler mobilisierten noch einmal ihre Kräfte. Alcaraz hatte beim Stand von 2:2 einen Breakball, Shelton seinerseits beim Stand von 4:3. Keiner konnte seine Gelegenheit nutzen.

Je länger die Partie dauerte, desto nervenaufreibender wurde sie. Die Uhr rückte auf 3 Uhr in der Früh zu, doch beide hielten ihre Aufschlagspiele. Trotz der Müdigkeit und der inzwischen mehr als vierstündigen Spielzeit liefen und schlugen sie weiter. Die Entscheidung musste im Champions-Tiebreak fallen.

Dort gab schliesslich erneut Alcaraz' Vorhand den Ausschlag. Ein weiterer Fehler des Spaniers brachte Shelton in die Position, um zum Sieg aufzuschlagen. Der Amerikaner liess sich die Chance nicht entgehen und beendete die Partie mit seinem siebten Ass, das er mit mehr als 238 km/h schlug.

"Es waren nur Kleinigkeiten, die den Ausschlag gaben. Deshalb werde ich nicht enttäuscht sein, dass ich am Ende nicht gewonnen habe. Ich bin einfach stolz auf mich und darauf, wie ich gekämpft habe", sagte Alcaraz. Im Wissen, dass er mit seinem Comeback nach viermonatiger Verletzungspause auch mit einer Niederlage zufrieden sein darf.

Erstmals Top-3-Spieler bezwungen

Für Shelton endete die Nacht mit seinem ersten Sieg im dritten Duell gegen Alcaraz und seinem ersten Erfolg gegen einen Top-3-Spieler im 18. Anlauf. Zum zweiten Mal nach 2023 steht er im Halbfinal des US Open, wo er am Freitag auf seinen Landsmann Frances Tiafoe trifft, der sich ebenfalls in einem Fünfsatz-Krimi nach 0:2-Satz- und Breakrückstand gegen Alex Michelsen im Match-Tiebreak durchgesetzt hatte.

Doch die Zahlen, die von dieser Viertelfinal-Nacht vor allem bleiben, sind andere: 23.05 Uhr beim ersten Ballwechsel, 4:28 Stunden Spielzeit, 3.33 Uhr beim letzten. "Für uns war es einfach eine Freude, diesen Match zu spielen. Ob Sieg oder Niederlage, wir hätten trotzdem ein Lächeln auf den Lippen gehabt", meinte Shelton.

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