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Keystone-SDA | Donnerstag, 04. Juni 2026

Drei Checkpoints für ein Training

Trotz Jetlag nimmt das Schweizer Nationalteam in San Diego den Schlussspurt auf den WM-Start in Angriff. Eine Reportage aus dem streng gesicherten Trainingscamp in der San Diego Jewish Academy.

Die Sonne versteckt sich noch hinter einem milchig-grauen Schleier an diesem Morgen des 3. Juni, dem ersten Tag der Schweizer WM-Delegation in San Diego. "June Gloom" (Juni-Schwermut) nennen die Einheimischen dieses Naturphänomen im Süden Kaliforniens, wenn der Nebel vom Pazifik ins Land zieht und ein paar Stunden braucht, um sich in der Wärme wieder aufzulösen.

Der Himmel mag noch grau sein, doch beim Eingang des riesigen Parkplatzes der San Diego Jewish Academy (SDJA) werden bereits alle Register gezogen, um grünes Licht für den Einlass zu erhalten. Identitätskontrolle, Leibesvisitation, Metalldetektoren - der Ton ist locker, fast schon freundschaftlich, aber die Anweisungen sind strikt. Willkommen in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Es ist die erste von drei Kontrollen, welche die Journalisten passieren müssen, um auf das Trainingsgeländer der renommierten Privatschule zu gelangen. Ein Neonazi-Attentat mit fünf Toten, unter ihnen die beiden Schützen, auf ein islamisches Zentrum in San Diego hat das eindrückliche Sicherheits-Dispositiv wohl noch einmal verstärkt.

Das Rauschen der Autobahn

Einmal drinnen, wird die Atmosphäre lockerer. Das Rasen-Rechteck befindet sich am Rand der SDJA, eingebettet zwischen zwei Baseball-Feldern und umringt von den Sträuchern des südkalifornischen Buschlandes. Ein paar hundert Kinder und Jugendliche der Akademie, die eine Ausbildung von der Krippe bis zum Hochschulabschluss anbietet, bevölkern die Tribüne. Ungeduldig warten sie darauf, ihre temporären Gäste am Werk zu sehen.

Die 25 Spieler treffen ein, die Zuschauer applaudieren. Man hat ihnen am Ende des Trainings Autogramme und Fotos versprochen. Die Temperatur ist angenehm, vom Pazifik her weht eine frische Brise. Der Rasen ist in gutem Zustand, trotz ein paar gelblich-brauner Flecken. Im Hintergrund rauscht unablässig der Verkehr auf der Interstate 5 vorbei. Die natürliche Geräuschkulisse dieses automobil-vernarrten Landes.

Vargas angeschlagen

Nach ein paar leichten Aufwärmübungen steigt die Intensität. Passtraining unter den energischen Anweisungen von Assistenztrainer Davide Callà. Ausser Breel Embolo, der noch immer in Zürich auf sein Visum wartet, sind alle Akteure im Einsatz, auch Fabian Rieder und Noah Okafor, die letzte Woche in St. Gallen noch leicht angeschlagen waren.

Neben dem Platz schnappen sich die lokalen Journalisten jeden, der ein Tenü des Schweizer Verbandes trägt, für Interviews. Die Star-Reporterin des regionalen Ablegers der TV-Station NBC nimmt ihre Moderation gleich mehrmals auf, mit einem Strahlen im Gesicht und im Ton immer ein wenig übertrieben begeistert.

Am Ende spielen zwei Teams, die einen mit den Überziehern der Stammspieler, die anderen der Ersatzleute, ein Trainingsspielchen. Zehn gegen zehn, die drei Goalies bleiben separat und Okafor ist der Joker. Aber das ergibt nur 24. Ruben Vargas fehlt. Der Luzerner hat das Training abgebrochen und lässt sich pflegen. Er absolviere ein individuelles Programm, erklärt ein Medienverantwortlicher. Das lässt befürchten, dass er für das letzte Vorbereitungsspiel am Samstag gegen Australien ausfallen könnte.

Kinder und Sonne strahlen um die Wette

Trotz der Müdigkeit von der Reise am Vortag ist es kein lockerer Aufgalopp. In zehn Tagen startet die Schweiz gegen Katar ins WM-Turnier, deshalb ist jeder mit vollem Ernst bei der Sache. Captain Granit Xhaka zögert nicht, etwas lauter zu werden, wenn ein einfacher Pass misslingt.

Dann das Ende der Trainingseinheit. Die Spieler verlassen den Platz, während Cheftrainer Murat Yakin die Bälle einsammelt und damit seine Zielgenauigkeit testet. Die Atmosphäre wird wieder lockerer, man scherzt, und die Kinder und Jugendlichen der Akademie strömen aufs Feld. Autogramme, Selfies, ein improvisiertes Torschiessen und viel Lachen. Bei Spielern, Besuchern - nun auch von der Sonne am Himmel.

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