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Keystone-SDA | Freitag, 01. Mai 2026

Eine St. Galler Stadtheilige zwischen Ikone und Projektionsfläche

Zum Jubiläumsjahr 2026 rückt die St. Galler Märtyrerin Wiborada ins Zentrum - als historische Figur und Projektionsfläche zugleich. Pfarrer Tim Mahle erklärt, warum die erste von Rom heiliggesprochene Frau bis heute polarisiert und was moderne Gesellschaften von ihrem radikalen Lebensentwurf lernen können.

Wiborada polarisiere, sagt Tim Mahle bei einem Besuch von Keystone-SDA in der Klause in St. Mangen, wo am 2. Mai zum 1100. Todestag der Stadtheiligen ein Fest stattfindet. Die einen fänden es verrückt, dass sich die - 1047 als Erste von der katholischen Kirche heiliggesprochene Frau - als "Inklusin" in eine Zelle bei der Kirche St. Mangen in der Stadt St. Gallen habe einmauern lassen, andere verehrten sie, sagt er.

Der 43-jährige Mahle ist reformierter Pfarrer in der Kirchgemeinde St. Gallen West/Straubenzell sowie bei der Cityseelsorge "Reformiert Mittendrin" und Mitglied der Projektgruppe "Wiborada Jubiläum 926 - 2026". Im Gespräch sagt er, wieso es zum Jubiläumsjahr einen Verein brauchte und weshalb die im Jahre 926 verstorbene Wiborada zur Ikone wurde.

Für das Wiborada-Jubiläum wurde ein Projektverein gegründet. Wie kam es dazu?

Dass man das Jubiläumsjahr mit Veranstaltungsprojekten prägen möchte, war seit längerem klar. Der Verein wurde letztes Jahr gegründet, damit eine Gruppe von Personen aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft und der Stadt die Feierlichkeiten vorantreibt. Dabei ging es ein Stück weit auch darum, Gelder zu akquirieren. So ein Jubiläumsjahr braucht ja immer finanzielle Ressourcen. Für viele Unterstützer war es wichtig, dass das Ganze keine ausschliesslich kirchliche Prägung hat, sondern generell in die Gesellschaft ausstrahlt und stadtgeschichtlich bedeutsam ist.

Es gibt ein Wiborada-Bier, Wiborada- Lehrmittel, einen Wiborada-Rundgang, T-Shirts Bücher.

Ja, genau. Ausserdem gibt es zum Beispiel ein Buch für Kinder, in dem Wiboradas Geschichte kindgerecht erklärt wird. Am Fest wird Wiborada-Glacé mit Fenchelgeschmack verkauft.

Wieso funktioniert Wiborada so gut als Ikone?

Wiborada hat in den letzten Jahren durch dieses Projekt, das hier in der Klause stattfindet (Wiborada-Projekt mit Inklusen, Anm. d. Red.), auf jeden Fall an Bekanntheit gewonnen. Aufgrund des Jubiläums beschäftigt man sich in vielen Bereichen mit der Figur Das Ziel ist ja, dass Wiborada in dieser Stadt ihren Platz bekommt. Wenn ich unterwegs bin, werde ich oft drauf angesprochen und über Wiborada befragt. Da merke ich schon, dass die Leute sich stärker mit ihr auseinandersetzen und neugierig sind.

Braucht die Gesellschaft starke Figuren wie Wiborada als Projektionsfläche?

Ich glaube, dass wir sie gerade in solchen Zeiten wie heute, die immer schnelllebiger werden und in denen viele in einer Phase zunehmender Unsicherheit und Veränderung sind, brauchen. Man sollte sich solcher Figuren wie Wiborada durchaus bedienen, denn sie vertrat wichtige Dinge. Zum Beispiel Mut und Klarheit, sich für einen Lebensweg zu entscheiden und den auch durchzuziehen, selbst, wenn dieser gesellschaftlich vielleicht nicht anerkannt ist. Ausserdem können wir lernen, achtsam zu sein. Wiborada zog sich ja im Grunde genommen nicht aus der Welt zurück, sondern hatte mit den Menschen weiterhin Kontakt. Sie war auch seelsorgerisch und ratgeberisch tätig. Mit ihrer unheimlichen Stärke ist sie eine Figur, die uns guttut.

Was ist Projektion und was weiss man wirklich über die historische Figur?

Es gibt zwei grössere Biografien über Wiborada und verschiedene Nachweise in der Stiftsbibliothek. Ihnen kann man entnehmen, dass Wiborada eine historisch verbürgte Person ist. Sie äusserte den Wunsch, sich als Inklusin einschliessen zu lassen. Bevor sie sich einschliessen liess, lebte sie kurz als Einsiedlerin in St. Georgen. Diese Fakten sind da. Auch dass sie in der Zelle hier in St. Mangen zu Tode kam. Das Grab der Wiborada befindet sich im Inneren der Kirche St. Mangen, wo sie als Inklusin lebte. Das ursprüngliche Grab wurde nach der Reformation geräumt. Sie kam eigentlich vom Bodensee und stammte aus recht wohlhabenden Verhältnissen. Sie entschied sich sehr früh für einen Lebensweg, der sogar nicht dem ihrer Familie entsprach.

Wiborada ist als jemand überliefert, der sich vom Materiellen abwandte. Was würde sie zum Fest zu ihren Ehren sagen?

Gute Frage. Was würde Wiborada zum Fest sagen? Ich würde sagen, Wiborada wäre es vermutlich wichtig gewesen, dass es nicht zu sehr um ihre Person geht. Selbst im Mittelpunkt zu stehen, war wohl nicht ihr Anliegen. Meine subjektive Wahrnehmung ist, dass es ihr wichtig wäre, daran zu erinnern, wofür sie einstand.

War ein Leben als Inklusin ein Lebensentwurf im Mittelalter? Wie radikal war Wiborada wirklich?

Es existieren Berichte über andere Inklusen. Zur Zeit von Wiborada gab es auch in St. Mangen noch eine andere Inklusin. Nicht nur Wiborada entschied sich für diesen Weg. Im Mittelalter scheint das zumindest ein mögliches Lebenskonzept gewesen zu sein. Als Inklusin gab man Gott damals das Versprechen, für immer in einer Zelle zu leben - in der Regel bis zum Lebensende. Die Ausnahme bei Wiborada war: Man wusste, dass die Ungarn im Begriff standen, St. Gallen zu überfallen. Offenbar hatte man versucht, sie zu überzeugen, aus der Zelle zu kommen und am Leben zu bleiben. Aber für sie war es eine Art Vertrag mit Gott. Auch, wenn es bedeutete, als Märtyrerin zu sterben.

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