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Für einmal wartet in der Gruppe kein Brocken
Wie schon in der Qualifikation geht das Schweizer Nationalteam auch in seiner WM-Gruppe als Favorit ins Rennen. Eine Rolle, die der Mannschaft zuletzt deutlich besser lag als früher.
Frankreich, Spanien, Argentinien, England oder zum dritten Mal in Folge Brasilien: Es hätte ein echter Brocken sein können, der der Schweiz am 6. Dezember zugelost wird. Doch der Gegner aus Topf 1 heisst Kanada - der nominell schwächste der drei Gastgeber und in der Weltrangliste hinter der Schweiz platziert.
Im März verpasst dann auch noch Italien den Sprung in die Gruppe B. Statt der Weltnummer 12 setzt sich in den Playoffs überraschend Bosnien und Herzegowina durch, das in der Weltrangliste mehr als 50 Plätze hinter Italien klassiert ist.
Und obwohl alle Mannschaften in der Gruppe ihre Qualitäten haben, lässt sich festhalten: Die Schweiz ist Favorit und muss den Gruppensieg als Ziel haben.
Plötzlich der Gejagte
Anhand der Weltranglistenplatzierungen wäre die Gruppe B sogar die schwächste des gesamten Turniers. Für die Schweizer ist diese Ausgangslage Fluch und Segen zugleich. Einerseits scheint der Weg in die K.o.-Phase ohne die ganz grossen Kaliber geebnet. Andererseits zeigt die Erfahrung, dass vermeintliche Pflichtaufgaben oft tückisch sind.
Stolpersteine gibt es überall: Kanada wird als Co-Gastgeber von einer Euphoriewelle getragen und hat fussballerisch enorm aufgeholt. Bosnien reist mit dem Selbstvertrauen des Playoff-Coups an, und auch Katar bringt als zweifacher Asienmeister mittlerweile reichlich Turniererfahrung mit.
Die Schweiz muss sich also auf eine ungewohnte Dynamik einstellen. Bei vergangenen Turnieren gefiel sich das Team oft in der Rolle des Herausforderers. Jetzt ist die Schweiz, die sich zum sechsten Mal in Folge für eine WM qualifiziert hat und seit 2012 keine Endrunde eines Grossturniers mehr verpasst hat, der Gejagte.
Mit Selbstvertrauen aus der Qualifikation
Dass die Mannschaft mit diesem Druck umgehen kann, hat sie in der Qualifikation für die WM bewiesen. Dort hat die Mannschaft von Trainer Murat Yakin die Favoritenrolle angenommen und auch eindrücklich bestätigt. Das Team wirkt reifer und konstanter als noch vor einigen Jahren, als teils leichtfertig Punkte verspielt wurden.
Trotzdem wird intern niemand den Fehler machen, das Ganze als Selbstläufer zu verbuchen. Die Erwartungen sind hoch, der Druck ist es auch. Die Nationalmannschaft muss nun beweisen, dass sie die Partien selbst diktieren kann. Vor allem der Auftakt gegen Katar, bei dem drei Punkte Pflicht sind, wird zum Reifetest. Yakin hat immer wieder betont, wie wichtig ein gelungener Start ins Turnier ist.
Im zweiten Gruppenspiel kommt es zum Duell mit Bosnien und Herzegowina, ehe zum Abschluss der Gruppenphase das Aufeinandertreffen mit Kanada folgt. In diesem könnte es, so mutmasst der Schweizer Trainer, um den Gruppensieg gehen.
Bisher ein Schweizer Gruppensieg
Zuletzt schloss das Schweizer Nationalteam die Gruppenphase an der WM dreimal in Folge auf Platz 2 ab. Den bisher einzigen Gruppensieg gab es 2006, als die Schweiz noch vor Frankreich blieb, im Achtelfinal jedoch im Penaltyschiessen an der Ukraine scheiterte.
Dieses Mal träfe die Schweiz bei einem Gruppensieg auf ein drittplatziertes Team und damit auf einen vermeintlich einfacheren Gegner. Ein zusätzlicher Ansporn. Vor allem aber gehört es mittlerweile zum Selbstverständnis des Schweizer Nationalteams, sich nicht mehr "nur" mit dem Erreichen der K.-o.-Phase zufriedenzugeben, sondern - wie in den letzten Wochen mantraartig wiederholt wurde - die "beste WM einer Schweizer Nati" zu zeigen.
Eine gelungene Gruppenphase soll dafür den Grundstein legen. Die Ausgangslage ist gut. Klar ist aber auch: Alles andere als die souveräne Qualifikation für die K.o.-Runde wäre eine riesige Enttäuschung.

















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