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Jetzt wartet der Weltmeister - und die Chance für die Ewigkeit
Im 100. Spiel des Turniers greift die Schweiz nach den Sternen. Gegen Weltmeister Argentinien kämpft die Mannschaft von Trainer Murat Yakin um den historischen Einzug in den WM-Halbfinal.
Das Ziel, die beste WM einer Schweizer Nationalmannschaft zu zeigen, haben die Schweizer mit dem Vorstoss unter die letzten acht Teams geschafft. Doch wie Captain Granit Xhaka so schön erklärte: Das erste Ziel sei die Qualifikation gewesen, das zweite das Überstehen der Gruppenphase, das dritte der erste K.o.-Sieg an einer WM seit 1938, das vierte der erste WM-Viertelfinal-Einzug seit 1954. "Und jetzt kommt Ziel Nummer fünf."
Es war offensichtlich, welche Last vom Captain mit dem Sieg im Penaltyschiessen gegen Kolumbien abgefallen ist. Während seine Mitspieler zum letzten Schützen Ruben Vargas sowie zu Goalie Gregor Kobel eilten, sackte Xhaka am Mittelkreis zusammen. Verteidiger Eray Cömert war es, der den weinenden Teamleader aufrichtete, danach folgte eine lange Umarmung mit Trainer Murat Yakin.
Später erklärte der 33-Jährige im Innern des Stadions von Vancouver: "Es war eine harte Zeit in den letzten Jahren. Wir hatten viele gute Spiele, am Schluss hat aber immer etwas gefehlt." Oft sei es auch das nötige Glück gewesen. Knappe Niederlagen, Pech im Penaltyschiessen, durch die Grippe geschwächte Spieler, aber auch das eigene Unvermögen: Diese Umstände verhinderten, dass der "goldenen Generation" um die U17-Weltmeister Granit Xhaka, Ricardo Rodriguez und früher Haris Seferovic auch im A-Team die Krönung gelang.
Als Captain seit gut sieben Jahren hat Xhaka stets hohe Ziele formuliert. Das waren Töne, die in der Schweiz viele nicht gewohnt waren und die Xhaka dann auch um die Ohren gehauen wurden, wenn das Team die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Trotzdem hielt der Basler an seinem Credo fest und sagte auch vor dieser WM: Wer an einem Turnier antritt, will es auch gewinnen.
Vom Fehlstart erholt
Umso bitterer war das Erwachen vor vier Wochen, als die Schweiz gegen Katar nicht über ein 1:1 hinausgekommen ist. Eine Partie, in die das Team von Murat Yakin mit so viel Selbstvertrauen gegangen war - und aus der es so verunsichert wieder herauskam.
Xhaka musste feststellen, dass man weit vom grossen Ziel dieser Endrunde entfernt sei. Und plötzlich geisterte sogar das Horrorszenario herum: die Heimreise nach der Gruppenphase. "Vielleicht sind das die letzten beiden Spiele", sagte zum Beispiel Remo Freuler an der Pressekonferenz in Los Angeles.
Mit dem 4:1-Sieg gegen Bosnien-Herzegowina folgte die erste kleine Erlösung. Aber eben: Damit war einzig die mögliche Blamage abgewendet, für das hochgesteckte Ziel brauchte es deutlich mehr. Und gerade, als die Schweiz langsam in Fahrt kam, sorgte der verletzungsbedingte Ausfall von Johan Manzambi für einen Schlag in die kollektive Magengrube.
Dass der mit drei Toren und zwei Assists beste Schweizer Spieler des Turniers den so wichtigen Achtelfinal gegen Kolumbien verpassen sollte, schien wie ein böses Omen. Wie der schicksalhafte Grund, warum es eben doch wieder nicht mit dem Viertelfinal klappen sollte.
Doch dieses Mal war es anders. Die Schweiz hatte gegen Kolumbien das Glück auf ihrer Seite: in der Verlängerung, als die Südamerikaner drei gute Chancen nicht nutzten, und im Penaltyschiessen, als Gregor Kobel den richtigen Instinkt hatte. "Es macht mich glücklich, dass wir endlich den grossen Schritt gemacht haben", sagte Xhaka. "Für die ganze Schweiz, den Staff und unsere Familien."
Sie wissen, wie man Grosse besiegt
Und nun folgt eben Ziel Nummer fünf. Ein WM-Halbfinal wäre aus Schweizer Sicht absolut einmalig. Und mit Argentinien als aktuellem Weltmeister gilt es, eine der grössten Hürden überhaupt zu überspringen. Dass sie Titelhalter bezwingen kann, hat die aktuelle Schweizer Mannschaft aber schon bewiesen. An der EM 2021 besiegte sie den damaligen Weltmeister Frankreich im Penaltyschiessen, an der EM 2024 schlug sie den damaligen Europameister Italien souverän 2:0.
Am aktuellen Turnier hat die Schweiz mal bessere, mal schlechtere Leistungen gezeigt. Ein Ausnahmespiel wie in den genannten Beispielen fehlt noch. Vielleicht kommt dieses nun in Kansas City, wenn es auch darum gehen wird, Ausnahmespieler Lionel Messi zu stoppen, der in den letzten neun WM-Spielen in Folge immer mindestens ein Tor erzielt hat.
Entscheidend wird sein, ob sich die Schweizer nach dem umjubelten Achtelfinalsieg nochmals fokussieren und genug Offensivkraft entwickeln können - wiederum ohne Manzambi, der nach dem Achtel- auch den Viertelfinal verpassen wird. Geht es nach Xhaka, steht dies ausser Frage. "Wenn du so nah dran bist, ist der Hunger noch grösser. Jetzt wollen wir durchmarschieren."
Wie weit die Mannschaft effektiv schon gekommen ist, zeigen die Zahlen: Der Viertelfinal gegen Argentinien ist das 100. von insgesamt 104 Spielen dieser WM. Gewinnt die Schweiz in der Nacht auf Sonntag (3.00 Uhr Schweizer Zeit), gehört sie zu den letzten vier Teams des Turniers und bestreitet zwei der vier verbleibenden Partien.

















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