Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Kompanys Wut und Motivation
Die Enttäuschung bei Bayern München ist riesig nach dem Verpassen des Champions-League-Final. Aber vom Weg abbringen soll das Ausscheiden gegen Paris Saint-Germain die Mannschaft nicht.
Im heftigen Schmerz über den geplatzten Traum vom Triple und in der Wut auf den Schiedsrichter drückte Vincent Kompany sein breites Kreuz demonstrativ durch und richtete den Blick entschlossen nach vorne. Einen langen Münchner Trauermarsch wird der Trainer nicht zulassen.
Der 40-jährige Belgier entdeckte im knapp verpassten Champions-League-Final gegen den international reiferen Titelverteidiger vielmehr auch eine Kraftquelle für eine noch grössere Gier in seinem dritten Jahr im Dienst der Bayern. Noch in der Nacht nach dem zu geringen 1:1 (0:1) im Halbfinal-Rückspiel wurde das Double als letztes, aber zugleich ganz wichtiges Ziel in dieser von nationalen Torrekorden geprägten Spielzeit ausgerufen.
"Die Mannschaft kennt mich. Ich habe nicht die Fähigkeit, lange enttäuscht zu sein. Ich bin schon jetzt motiviert für die nächste Saison", sagte Kompany. Die kämpferische Tonlage hatte er schon zuvor in der Kabine gewählt. Er haderte extrem mit den Schlüsselmomenten. Vor allem einer für ihn "deutlichen" Gelb-Roten Karte für PSG-Verteidiger Nuno Mendes, die der portugiesische Schiedsrichter João Pinheiro nicht zeigte.
Regelwerk "Quatsch" und "Blödsinn"
"Quatsch" und "Blödsinn" nannte Kompany zudem das Regelwerk beim Hands von PSG-Spieler João Neves im eigenen Strafraum, das aber nicht strafbar war. "PSG hat leider ein herausragendes Spiel gemacht. Wir haben vielleicht in der einen oder anderen Situation den falschen Entscheid getroffen. Und jemand anderes auf dem Platz auch", sagte Sportvorstand Max Eberl mit einem unverhohlenen Hinweis auf den Schiedsrichter. "Das sind die Details, die einen in Summe so einen Halbfinal mit einem Tor Unterschied verlieren lassen."
Trotz der "kleinen Details", die bei den Pfiffen des Schiedsrichters gegen die Bayern sprachen, gratulierte Kompany fair seinem erneuten Bezwinger Luis Enrique. "Ich will nichts wegnehmen von Paris. Das ist eine Top-Mannschaft."
Das seit einem Jahr in Europa über allen thronende Team aus Frankreichs Hauptstadt trifft nun statt der Bayern im Final am 30. Mai in Budapest auf Arsenal London. "Es hat noch nicht ganz gereicht. Wir können aber mit der besten Mannschaft absolut auf Augenhöhe mithalten", resümierte Eberl stolz.
Viertelfinal 2025, Halbfinal 2026 - und nun Final 2027? Der Münchner Weg wirkt vorgezeichnet. "Ich weiss, wie schwierig es ist, diesen Preis zu holen", sagte Kompany zum bedeutendsten Vereinstitel. "Ich bin der Überzeugung, dass wir es nächste Saison schaffen, noch mal einen Schritt zu machen. Das ist auch mein Job", sagte der Trainer mit dem besonderen Arbeits-Ethos.
"Ich glaube nicht, dass uns das irgendwie umwerfen oder vom Weg abbringen wird. Ich sitze da in der Kabine und habe das Gefühl, dass ich mit dieser Mannschaft die Champions League noch gewinnen kann. In dieser Saison leider nicht, darum ist die Enttäuschung gross", sagte Joshua Kimmich.
Der Captain des Nationalteams mochte nicht auf den Schiedsrichter schimpfen. Er sprach lieber über die Leistung. Die war nicht top im Rückspiel. Und PSG mit dem Traumsturm Dembélé, Chwitscha Kwarazchelia und Desiré Doué bewies in München, dass es eben auch Weltklasse verteidigen kann, wenn es zwingend notwendig ist.
Der eigenen Mannschaft hätten dagegen "ein paar Dinge gefehlt", analysierte Kimmich. Tore im Rückspiel an erster Stelle. "Und wir laufen wieder einem Rückstand hinterher. Das passiert uns in den letzten Wochen zu oft." Und trotzdem: "Ich habe Vertrauen in die Mannschaft, in den Trainer, dass da wirklich etwas zusammenwächst. In dieser Saison waren wir ein Stück weit näher dran."
Veränderungen im Kader
In München blicken sie auch aus personeller Warte in die Zukunft. Gemeinsam mit Kompany ist Eberl gefordert, ein Kader-Update zu schaffen. Leon Goretzka, Raphael Guerreiro und Leihspieler Nicolas Jackson stehen als Abgänge fest. Die Altersstruktur stimmt. Viele Spieler sind jung und haben noch viel Entwicklungspotenzial - Aleksandar Pavlovic, Lennart Karl, Tom Bischof, auch ein Michael Olise, der schon Weltklasse ist. Jamal Musiala oder Alphonso Davies sollten nach ihren schweren Verletzungen wieder X-Faktoren werden.
Neuer könnte seinen Kronprinzen Jonas Urbig im Tor weiter an seine kommende Aufgabe heran führen. Auch Leader Kane hat bestimmt noch ein, zwei grosse Jahre in sich. Der Engländer kämpfte vor der Fankurve mit den Tränen. "Es ist hart, wirklich hart." Er wird aber nicht ruhen und weiter seinem ersten grossen internationalen Titel nachjagen. "Wir hatten eine fantastische Saison bis hierhin. Wir wollen uns immer verbessern. Der Trainer will uns immer besser machen. Diese Denkweise müssen wir haben", war sein Schlusswort.

















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