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Keystone-SDA | Donnerstag, 04. Juni 2026

Livano Comenencia und das Märchen von Curaçao

Erstmals nimmt Curaçao an der WM teil. In einer Gruppe mit Deutschland, Ecuador und der Elfenbeinküste wäre Weiterkommen eine Sensation. Mittendrin im Märchen ist der FCZ-Spieler Livano Comenencia.

"Ich habe am ganzen Körper gezittert. Dann habe ich sofort angefangen zu weinen. Wir haben uns alle umarmt, die Fans sind aufs Feld gekommen. Dann haben wir gebetet und Gott gedankt, dass wir das erreichen konnten."

Die Weltmeisterschaft steht kurz bevor, als Livano Comenencia diese Anekdote erzählt. Der Verteidiger des FC Zürich, der in der Nationalmannschaft als Mittelfeldspieler auf seiner Lieblingsposition eingesetzt wird, beschreibt einer kleinen Medienrunde jenen Abend im November, an dem sich Curaçao erstmals für eine Weltmeisterschaft qualifizierte. Der Karibikstaat ist mit ungefähr 155'000 Einwohnern und einer Fläche von 444 Quadratkilometern das kleinste Land, das je an einer WM dabei war.

Der 22-Jährige spricht ruhig. Und trotzdem ist ihm die Freude anzusehen. Während des gesamten Gesprächs lächelt er. Immer wieder sagt er: "Wir haben Geschichte geschrieben." So, als müsse er es sich selbst immer wieder in Erinnerung rufen, um es auch wirklich zu glauben.

Ein Vorbild für viele

Comenencia erzählt. Von der Qualifikation, von Curaçao, davon, wie stolz es ihn mache, für das Herkunftsland seiner Eltern zu spielen. Er, der eigentlich in den Niederlanden aufwuchs und dort auch sämtliche Nachwuchsstufen durchlief.

"Früher war Baseball der beliebteste Sport in Curaçao. Seit unserer Qualifikation ist es Fussball", erzählt Comenencia. Es fühle sich gut an, für die kommende Generation auch eine Art Vorbild zu sein. "Es gibt in den Niederlanden noch weitere Talente, die Wurzeln in Curaçao haben." Für diese spielt Comenencia. Damit sich junge Spieler nicht gegen Curaçao entscheiden, nur weil die Niederlande bessere Chancen auf ein grosses Turnier haben.

"Nichts ist unmöglich"

Auf der grössten Fussball-Bühne der Welt wird sich Comenencia gleich im ersten Spiel mit einer grossen Herausforderung konfrontiert sehen. Zum Auftakt wartet Deutschland. "Ich kann es kaum abwarten, gegen Spieler wie Florian Wirtz und Jamal Musiala zu spielen", so Comenencia. Es werde hart, aber er möchte seine Qualitäten zeigen.

Und: Kleinreden will er sein Land - das kleinste, das je an einer WM dabei war - auch im Vergleich mit den ganz grossen Nationen nicht. "Wir spielen, um zu gewinnen", sagt Comenencia. "Wir spielen elf gegen elf, nicht elf gegen fünf. Sogar gegen Deutschland ist alles möglich." Weiterzukommen sei nicht unmöglich - vor allem, weil sein Team als Underdog wohl unterschätzt werde.

Unmöglich ist es nicht, aber das Überstehen der Gruppenphase wäre ein zweites Fussballmärchen, das Curaçao schreiben würde. Neben Deutschland als Weltnummer 10 warten die Elfenbeinküste und Ecuador. Beide Mannschaften sind deutlich besser klassiert als Curaçao - die Elfenbeinküste im 34. Rang und Ecuador auf dem 23. Platz. Curaçao liegt auf Platz 82.

Von Druck und Unterstützung

Ob der Inselstaat gegen solche grossen Mannschaften bestehen kann, muss sich zeigen. Ende März verlor das Team gegen Australien, das als Weltnummer 27 vergleichbar mit Curaçaos Gruppengegnern ist, 1:5. Eigentlich keine guten Vorzeichen.

Comenencia winkt ab. "Das war ein Freundschaftsspiel, wir haben uns nicht wirklich um das Resultat gekümmert." Solche Spiele seien da, um Dinge auszuprobieren, Sorgen mache er sich nicht. Auch generell spüre er mit Blick auf die WM noch keinen Druck. Der Stolz überwiege, er sei höchstens etwas nervös. "Aber auf eine positive Art."

Wenn es ernst gilt, wird er auf die Unterstützung seiner Familie zählen können. "Es ist teuer. Deswegen weiss ich nicht, ob sie an jedes Spiel kommen werden", sagt Comenencia. Aber gegen Deutschland werden seine Eltern und noch einige Leute mehr in den Rängen sein, um ihn zu unterstützen. Auch FCZ-Teamkollege Nelson Palacio habe Tickets.

Ein Träumer verwirklicht seinen Traum

"Meine Eltern sind meine grössten Supporter. Sie haben alles für mich getan. Dass sie mich nun so sehen, macht mich glücklich", sagt Comenencia mit einem breiten Strahlen. Dass die Stadien an der Weltmeisterschaft aber nicht nur mit seinen Eltern gefüllt sind, sondern ihn weltweit Millionen von Menschen verfolgen werden, dafür steht Comenencia auf dem Platz. "Ich will, dass alle mir zuschauen. Seit ich ein kleines Kind bin. Deswegen spiele ich Fussball."

Mit der WM geht also ein Traum für den Fussballer in Erfüllung. "Ich träume jeden Tag. Davon, wie die Spiele sein werden, davon, wie ich spiele. Ich liebe es, mir solche Dinge vorzustellen", erzählt Comenencia. Und er hofft, dass das, was er träumt, auch in Erfüllung geht.

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