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Keystone-SDA | Mittwoch, 17. Juni 2026

Marlen Reusser dämpft die Erwartungen

Marlen Reusser blickt auf eine komplizierte erste Saisonhälfte zurück. Immer wieder von Sturzverletzungen gebremst, dämpft die Zeitfahr-Weltmeisterin die Erwartungen vor dem Start der Tour de Suisse.

Für Marlen Reusser gäbe es eigentlich gute Gründe, die Tour de Suisse auszulassen. Nach zahlreichen gesundheitlichen Rückschlägen und einem kräftezehrenden Giro d'Italia wäre eine längere Erholungsphase naheliegend. Doch für Reusser ist die Schweizer Landesrundfahrt, die sie im vergangenen Jahr nach 2023 zum zweiten Mal und auf dominante Weise gewann, nicht irgendein Rennen, sondern eine Herzensangelegenheit. "Wenn es nicht die Tour de Suisse wäre, würde ich wohl nicht sofort wieder Rennen fahren, sondern zuerst alles ganz in Ordnung bringen und mich dann auf die Tour de France konzentrieren."

Die Frankreich-Rundfahrt mit dem Start in Lausanne am 1. August ist seit Monaten das grosse Ziel der Bernerin. Entsprechend vorsichtig beurteilt sie ihre Chancen auf den Gesamtsieg in ihrer Heimat. "Ich bin sicher nicht die Topfavoritin", sagt Reusser.

Ein Jahr voller Rückschläge

Dabei verlief die Saison nach ihrem Gold-Coup im WM-Zeitfahren im letzten Herbst bislang alles andere als nach Plan. Bereits im Februar wurde sie bei der UAE Tour in einen Massensturz verwickelt und zog sich Verletzungen an Knie und Schulter zu. Fast zwei Monate lang fiel sie aus. Mitte April folgte der nächste Rückschlag: Bei der Flandern-Rundfahrt erlitt sie einen Wirbelbruch, der konservativ behandelt werden musste.

Trotz dieser Vorgeschichte kehrte Reusser beim Giro ins Renngeschehen zurück. Dort liess sie trotz fehlender Trainings- und Rennkilometer phasenweise ihr grosses Potenzial aufblitzen. Im Zeitfahren mischte sie vorne mit, im Gesamtklassement lag sie zwischenzeitlich auf Podestkurs. Doch dann übernahm sie sich und musste feststellen: "Ich bin noch nicht so weit."

Ein weiterer Sturz und anhaltende körperliche Beschwerden warfen sie erneut zurück. Am Ende musste sich die letztjährige Gesamtzweite mit Rang 13 begnügen.

Auch Reussers Vorbereitung auf die Heimrundfahrt verlief aufgrund der Sturzfolgen alles andere als ideal. Vor allem der Rücken und das eine Bein machen ihr weiterhin zu schaffen. In der Woche nach dem Giro stand deshalb vor allem Therapie auf dem Programm. "Ich versuche, das alles wieder in den Griff zu bekommen", sagt sie.

Gefährlich trotz Trainingsrückstand

Trotz allem blickt Reusser nicht pessimistisch auf die anstehende Aufgabe. Im Gegenteil: "Meine Form ist tatsächlich recht gut. Vielleicht nicht die allerbeste, aber sie ist wirklich gut." Dass sie trotz der schwierigen Vorbereitung konkurrenzfähig sein kann, hat sie in der Vergangenheit mehrfach bewiesen.

Dennoch erwartet sie bei der Tour de Suisse eine anspruchsvolle Aufgabe. Der Parcours dürfte kaum Raum für taktische Spielchen lassen. "Abgesehen von der Sprintetappe am Freitag sind das alles sehr knackige Etappen. Wahrscheinlich wird vieles über die Physis entschieden", sagt Reusser. Wer nicht in absoluter Topform sei, habe es auf einem solchen Kurs entsprechend schwer.

Durch die kurzfristige Absage von Giro-Siegerin Demi Vollering hat sich der Kreis der Favoritinnen deutlich erweitert. Reusser liegt vor allem das Zeitfahren vom Samstag in Aarburg. Dort fährt die Weltmeisterin in ihrer Paradedisziplin und erhält die Chance, ihrer bislang von Stürzen und Verletzungen geprägten Saison mit einem Erfolgserlebnis neuen Schwung zu verleihen.

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