Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
NHL-Stars als Gradmesser für die Hockey-Nati
Nach WM-Silber in den letzten beiden Jahren sind die Erwartungen an das Schweizer Nationalteam gestiegen. Beim Olympia-Turnier in Mailand wartet mit all den NHL-Stars die ultimative Herausforderung.
Das Olympiaturnier in Mailand ist das sechste mit NHL-Spielern; erstmals seit zwölf Jahren unterbricht die weltbeste Eishockey-Liga ihren Spielbetrieb für die Winterspiele. Während das Schweizer Nationalteam seit 2013 an Weltmeisterschaften viermal Silber gewonnen hat, gelang bei Olympia noch kein vergleichbarer Erfolg. Ein Rück- und Ausblick.
Salt Lake City 2002: In der Vorrunde gescheitert
Als 1998 in Nagano erstmals die besten NHL-Profis um olympische Medaillen kämpften, fehlte die Schweiz nach verpasster Qualifikation. Vier Jahre später kehrte sie in Salt Lake City auf die olympische Bühne zurück, und war früh nur noch Zuschauerin. Nach einem 3:3 gegen Frankreich und einem 2:5 gegen die Ukraine war das Schweizer Team bereits aus dem Rennen, noch bevor die NHL-Stars ins Turniergeschehen eingriffen.
Statt der angestrebten Viertelfinals resultierte für das Team von Ralph Krueger lediglich Rang 11. Immerhin schloss die Schweiz das Turnier mit Siegen gegen Weissrussland (2:1) und Österreich (4:1) versöhnlich ab. Für deutlich mehr Gesprächsstoff sorgten die nächtlichen Eskapaden von Marcel Jenni und Reto von Arx, die daraufhin vorzeitig nach Hause geschickt wurden.
Turin 2006: Mit Topnationen auf Augenhöhe
Zwei sensationelle Auftritte waren in Turin beinahe so viel wert wie eine Medaille. Die Schweizer setzten innert 48 Stunden mit einem 3:2-Erfolg gegen Weltmeister Tschechien und einem 2:0 gegen Olympiasieger Kanada zwei Meilensteine. Die beiden Vorrunden-Siege hoben die Schweiz auf ein Niveau, das sie zuvor nie erreicht hatte. Dennoch endete das Turnier in den Viertelfinals mit einer 2:6-Niederlage gegen Schweden. Am Ende resultierte Rang 6, verbunden mit der Erkenntnis, an einem perfekten Tag jeden Gegner schlagen zu können.
Vancouver 2010: Kruegers Abschiedsspiel
Das Turnier im Mutterland des Eishockeys markierte den Abschied von Ralph Krueger nach 13 Jahren als Nationaltrainer. Nach einer durchwachsenen Vorrunde mit drei Punkten aus drei Spielen und einem hart erkämpften 3:2-Sieg nach Penaltyschiessen gegen Weissrussland im ersten K.-o.-Spiel bot sich den Schweizern die Chance, unter Krueger doch noch einen Viertelfinal zu gewinnen. Daraus wurde jedoch nichts. Wie in der Vorrunde beim Punktgewinn gegen Gastgeber Kanada (2:3 n.P.) zeigte die Schweiz auch gegen die USA (0:2) dennoch einen ihrer besten Auftritte unter Krueger. Angeführt von den NHL-Akteuren Jonas Hiller und Mark Streit erreichte die Equipe wie vorgegeben Rang 8 und bereitete ihrem langjährigen Trainer einen würdigen Abgang.
Sotschi 2014: Offensive Harmlosigkeit
Das bislang letzte Olympiaturnier mit NHL-Beteiligung endete für die Schweiz unerwartet früh. Die Equipe von Trainer Sean Simpson, neun Monate zuvor noch für WM-Silber gefeiert, verlor den Achtelfinal gegen Lettland 1:3 und musste nach je zwei Siegen und Niederlagen vorzeitig die Heimreise antreten. Der Hauptgrund für das Scheitern war rasch ausgemacht. Drei Tore in vier Partien waren schlicht zu wenig, um auf höchstem Niveau zu bestehen. Drei Monate später, nach dem erneuten Verpassen der WM-Viertelfinals - zum dritten Mal in vier Jahren -, ging Simpsons Ära als Nationaltrainer mit einer weiteren Enttäuschung zu Ende.
Bereit für den nächsten Schritt?
Bei den letzten zwei Olympiaturnieren wirkte sich das Fehlen der NHL-Stars für die Schweiz nicht positiv aus. 2018 in Südkorea blieb die Equipe deutlich hinter den Erwartungen zurück und musste im Achtelfinal gegen Erzrivale Deutschland nach Verlängerung mit 1:2 die Segel streichen. Die Deutschen zeigten mit ihrem Lauf bis in den Final, in dem gegen die Russen nur wenig zum ganz grossen Coup fehlte, was möglich gewesen wäre. Vier Jahre später in Peking gewann die Schweiz lediglich eines ihrer fünf Spiele und schied im Viertelfinal mit 1:5 gegen den späteren Olympiasieger Finnland aus.
Was ist den Schweizern in Mailand zuzutrauen? Drei Monate vor der Heim-WM bietet sich im dritten und letzten Olympiaturnier unter Patrick Fischer die Chance, sich auf höchstem Niveau zu messen. Klar ist, dass das Level im Vergleich zu Weltmeisterschaften nochmals höher sein wird - auch wenn die Russen weiterhin fehlen. Rekordolympiasieger Kanada, Weltmeister USA, Schweden sowie mit einer Ausnahme auch Olympiasieger Finnland treten ausschliesslich mit NHL-Spielern an. Knapp die Hälfte der rund 300 Akteure steht in der NHL unter Vertrag, zehn von ihnen gehören dem Schweizer Team an.
In der Vorrunde geht es für das Schweizer Team in einer Gruppe mit Frankreich, Kanada und Tschechien primär darum, sich eine möglichst gute Ausgangslage für die K.-o.-Phase zu erarbeiten. Das Erreichen der Halbfinals und damit zwei Chancen auf eine Olympia-Medaille - es wäre nach Bronze 1928 und 1948 in St. Moritz die dritte für die Schweizer Männer - bleibt ein ambitioniertes Ziel.
















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