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Reusser überragt aus Schweizer Sicht
Mit der Lombardei-Rundfahrt fand am Samstag der letzte grosse Klassiker der Strassenrad-Saison 2026 statt. Zeit für einen Rückblick.
Wer aus Schweizer Sicht auf die Saison 2026 zurückblickt, kommt an Marlen Reusser nicht vorbei. Mit ihrem dritten Gesamtsieg an der Tour de Suisse läutete die Bernerin eine äusserst erfolgreiche zweite Saisonhälfte ein. An der Tour de France trug sie als erste Schweizerin das Maillot jaune, ehe sie an der WM in Montreal ihren Titel im Einzelzeitfahren erfolgreich verteidigte. Zum Saisonabschluss liess sie ihren fünften EM-Titel im Zeitfahren und Bronze im Strassenrennen folgen.
Dabei stellte Reusser einmal mehr ihre Vielseitigkeit unter Beweis. Als einzige Fahrerin gewann sie in diesem Jahr auf höchster Stufe sowohl ein klassisches Eintagesrennen als auch ein Zeitfahren und eine Etappe an einer Rundfahrt. Bei den Männern gelang dies neben Tadej Pogacar auch Remco Evenepoel und dem französischen Ausnahmetalent Paul Seixas.
Ihr unerklärlicher Einbruch an der Tour de France kostete Reusser die Chance auf den Gesamtsieg, lieferte ihr aber zugleich neue Motivation. Der Triumph bei der Frankreich-Rundfahrt und der WM-Titel im Strassenrennen bleiben zwei grosse Ziele."
"Ich mache das nicht noch zehnmal"
Wie hoch die Messlatte liegt, zeigte in diesem Jahr Demi Vollering. Die Niederländerin krönte einen herausragenden Klassiker-Frühling mit den Gesamtsiegen am Giro und an der Tour de France sowie den Titeln im Strassenrennen an der WM und EM. Dass die Zeit für weitere grosse Erfolge nicht unbegrenzt ist, weiss Reusser selbst. "Ich bin jetzt 35, ich mache das nicht noch zehnmal", sagte sie nach ihrem undankbaren 4. Platz im WM-Strassenrennen.
Die Schweizer Frauen überzeugten auch in der Breite. Noemi Rüegg und Elise Chabbey, die im Januar erstmals Mutter wird, feierten ebenfalls Siege auf der World Tour. Mit der Schweizer Meisterin Steffi Häberlin sowie den aufstrebenden Jasmin Liechti, Linda Zanetti und Ginia Caluori steht zudem eine vielversprechende nächste Generation bereit.
Schmid und Küng setzen die Glanzlichter
Bei den Männern sorgte Mauro Schmid für den emotionalen Höhepunkt. Mit seinem Etappensieg an der Tour de France beendete der Zürcher eine sechsjährige Schweizer Durststrecke. Dass sein Erfolg kein Zufallsprodukt war, unterstrich der 26-Jährige in den folgenden Tagen mit zwei 2. Plätzen.
Mit Jan Christen und Stefan Küng trugen sich auf Stufe World Tour noch zwei weitere Schweizer in die Siegerlisten ein. Für Küng hatten die beiden Zeitfahr-Erfolge an der Polen-Rundfahrt und an der Vuelta besonderen Wert. Nach einem im Februar erlittenen Oberschenkelbruch krönte der Thurgauer damit ein eindrückliches Comeback. Während der langen Rehabilitation hatte der bald 33-Jährige zeitweise daran gezweifelt, ob er je wieder sein früheres Leistungsniveau erreichen würde. An ein baldiges Karrierenende will Küng aber nicht denken: "Das Feuer in mir brennt stärker denn je."
Pogacars Rekordjagd jäh gestoppt
International überstrahlte einmal mehr Tadej Pogacar die Konkurrenz. Besonders beeindruckend war die Art seiner Erfolge. Von seinen 22 Saisonsiegen errang er elf als Solist, dreimal setzte er sich über mehr als 50 km alleine an der Spitze durch. Mit seinem fünften Gesamtsieg an der Tour de France schloss der Slowene zu den Rekordsiegern des wichtigsten Radrennens auf, ehe seine aussergewöhnliche Saison Ende August durch einen Sturz an der Vuelta ein jähes Ende fand.
Von den vier Monumenten, bei denen er antrat, gewann Pogacar drei. Einzig bei Paris - Roubaix musste er sich Wout van Aert geschlagen geben. Der Pavé-Klassiker bleibt damit eine der wenigen Lücken in seinem Palmarès und dürfte auch 2027 zu seinen grossen Zielen gehören. Offen ist hingegen, ob der Slowene nach seinen überlegenen Gesamtsiegen an der Tour de Suisse und der Tour de Romandie auch im kommenden Jahr wieder auf Schweizer Strassen zu sehen sein wird.
Seixas lässt Frankreich träumen
Einer von Pogacars gefährlichsten Herausforderern könnte künftig Paul Seixas werden. In Abwesenheit des zuletzt fünfmal in Folge siegreichen Slowenen feierte der erst 20-jährige Franzose an der Lombardei-Rundfahrt einen historischen Triumph. Er gewann den Klassiker als jüngster Fahrer der Geschichte.
Auch die dreiwöchigen Landesrundfahrten lieferten bemerkenswerte Geschichten. Enric Mas beendete mit seinem Vuelta-Triumph eine zwölfjährige Wartezeit Spaniens auf einen Gesamtsieg bei einer Grand Tour. Jonas Vingegaard vervollständigte mit seinem Giro-Erfolg seine Sammlung an Gesamtsiegen bei den drei grossen Landesrundfahrten.
Sicherheit bleibt die grosse Baustelle
Neben den sportlichen Höhepunkten prägten erneut schwere Stürze und Verletzungen die Saison. Wie ernst die Situation ist, zeigte sich unmittelbar vor dem Start der Lombardei-Rundfahrt in Bergamo. Das Peloton setzte mit einem fünfminütigen Protest ein gemeinsames Zeichen für mehr Sicherheit. Auslöser waren mehrere gefährliche Zwischenfälle mit Begleitfahrzeugen sowie der tödliche Unfall des Briten Finlay Tarling.
Auch der Weltverband UCI steht unter Zugzwang. Im Rahmen einer breit angelegten Konsultation wurden zahlreiche Reformvorschläge gesammelt. Zur Diskussion stehen unter anderem unabhängige Sicherheitsprüfungen der Rennstrecken und technische Vorschriften, mit denen die Geschwindigkeiten reduziert werden könnten. Noch handelt es sich um Ideen. Ob daraus konkrete Massnahmen werden, ist offen.

















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