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Schweizer überzeugen, verpassen aber auch eine grosse Chance
Dass die WM für die Schweiz im Viertelfinal endet, ist nicht nur aufgrund des Spielverlaufs bitter. Es stellt sich auch die Frage, ob das Team diese Qualität über die nächsten Jahre halten kann.
Am Ende der langen Reise, die für das Schweizer Nationalteam bereits Mitte Mai begann, steckten die Spieler zwischen zwei Gefühlswelten fest. So waren sie zu Recht stolz auf das Erreichte: Erstmals seit 1954 stand die Schweiz wieder in einem WM-Viertelfinal, nachdem sie sich zuvor schon regelmässig für die K.o.-Phasen an Endrunden qualifiziert hatte. Der nächste Schritt ist damit gelungen.
Auf der anderen Seite herrschte auch Schmerz über das Turnier-Aus. Das war den Spielern nicht nur anzusehen, sie sagten es frei heraus. Viele Leistungsträger sprachen von Enttäuschung, einige sogar von Wut. Der Ärger richtete sich in eine ganz bestimmte Richtung: die der Unparteiischen.
Das grosse Hadern
Dabei ging es um die Szene in der 72. Minute, als Breel Embolo mit der zweiten Gelben Karte vom Platz gestellt wurde, nachdem der Schiedsrichter auf den Videobildern eine Schwalbe entdeckt hatte. Diese konnte er nur konsultieren, weil er die Szene falsch eingeschätzt und dem argentinischen Spieler Gelb gezeigt hatte.
"Schlichtweg katastrophal", fand es zum Beispiel Remo Freuler. Schliesslich habe es im ganzen Spiel viele kleinere Fouls gegeben, die nicht überprüft worden seien. Manuel Akanji hielt fest, dass er die erste Gelbe Karte gegen Embolo fraglich fand, gerade im Vergleich zu den Einsteigern der Gegner. Für Xhaka fehlte es den Unparteiischen insgesamt an Fingerspitzengefühl.
Dass dabei die Regel korrekt angewendet wurde, rückte im Moment der Enttäuschung bei einigen Spielern in den Hintergrund.
VAR-Anwendung immer noch streitbar
Gleichzeitig zeigte die Szene, wie schwierig der Umgang mit dem VAR weiterhin ist. Wann dieser eingreifen soll und wann nicht, wird seit Jahren diskutiert. In einem Fussballspiel gibt es zig strittige Entscheide. Würde jeder überprüft, würde die Nachspielzeit wohl bald die 20-Minuten-Marke knacken. Gelbe Karten werden deshalb im Normalfall nicht geprüft, mit einer Ausnahme: der "mistaken identity", also dem Fall, dass der falsche Spieler Gelb sieht. So wie eben im Fall von Embolo, der zu diesem Zeitpunkt schon verwarnt war.
Ärgerlich war dies besonders, weil die Schweizer bis zum Platzverweis mehr vom Spiel hatten. Da sie nach einem Corner bereits in der 10. Minute in Rückstand geraten waren, mussten sie allerdings auch mehr in die Offensive investieren.
Nach Dan Ndoyes verdientem Ausgleich geriet Argentinien merklich ins Wanken. Und daher rührt die grosse Enttäuschung bei den Schweizern: Es war nicht ein übermächtiger Gegner, der zum Ausscheiden führte.
Fragen, die ins Nichts führen
Was wäre es für eine Schlagzeile gewesen: "Die Schweiz schlägt den Weltmeister und zieht erstmals in der Historie in den WM-Halbfinal ein." Wenn man so nah an ein grosses Ziel herankommt, tut das plötzliche Aus umso mehr weh - und man stellt sich unweigerlich Fragen.
Was wäre gewesen ohne den Platzverweis? Hätte sich Argentinien auch zu elft gegen die Schweizer nochmals gesteigert? Und sowieso: Wie wäre das Spiel ohne die Verletzung von Johan Manzambi verlaufen? Wie wichtig der Genfer für die Schweizer Offensive war, zeigte sich sowohl gegen Kolumbien als auch gegen Argentinien - sein konsequenter Zug aufs Tor wurde nach seinem Ausfall lange vermisst.
Den Spielern ist jedoch klar: Das sind Fragen, die ins Nichts führen. Der Schweiz hat am Ende das gewisse Etwas zum ganz grossen Coup gefehlt - etwa die Cleverness, als verwarnter Spieler keine Schwalbe zu machen.
Leistungsträger werden nicht jünger
Und doch trauern sie der grossen Chance nach. Einer, die durch den Vierjahresrhythmus bei Grossturnieren im Fussball nicht so schnell wiederkommt. Granit Xhaka und Ricardo Rodriguez wären an der nächsten WM 37 Jahre alt, Remo Freuler 38.
Zwar betonte Freuler, es gehe für ihn im Nationalteam "schon noch weiter", und auch Xhaka kündigte an, nach der Sommerpause "wieder anzugreifen". Klar ist aber: Auf diesem Niveau zu bleiben, wird mit zunehmendem Alter schwieriger.
Schon an diesem Turnier war das Schweizer Nationalteam eines der älteren - allerdings wirkte der Mix aus Erfahrung und nachrückenden Kräften gerade optimal. Nun wird sich zeigen, ob es Murat Yakin gelingt, die etablierten Kräfte zufriedenzustellen und gleichzeitig eine jüngere Generation einzubauen. Oder ob das Viertelfinal-Aus von Kansas City rückblickend als die grösste verpasste Chance einer aussergewöhnlichen Generation in Erinnerung bleiben wird.

















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