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"Schweizerinnen müssen die Chance haben, zu spielen"
Am Samstag trifft St. Gallen im Halbfinal-Rückspiel der Women's-Super-League-Playoffs auf YB. Patricia Willi, Co-Sportchefin der Ostschweizerinnen, spricht über die besondere Philosophie des Vereins.
Emotionale Wochen liegen hinter den Frauen des FC St. Gallen. Nach dem überraschenden Sieg im Hinspiel der Playoff-Viertelfinals gegen Basel folgte im Rückspiel die Niederlage im Penaltyschiessen und das vermeintliche Ausscheiden aus dem Titelkampf. Da die Baslerinnen jedoch einen Wechselfehler begingen, zogen die Ostschweizerinnen einige Tage später am Grünen Tisch doch noch in die Halbfinals ein. Dort resultierte gegen den amtierenden Meister YB im Hinspiel vor Heimpublikum ein 1:3. Am Samstag steht das Rückspiel an.
"Gerade in einer Playoff-Phase schlagen die Emotionen schnell in die eine oder andere Richtung aus", sagt Patricia Willi, Co-Sportchefin des FC St. Gallen, im Gespräch mit Keystone-SDA. Aufgrund der Situation rund um den Playoff-Viertelfinal gegen Basel sei das Ganze aber noch emotionaler geworden. "Es ist eine intensive Zeit."
"Setzen punktuell auf ausländische Spielerinnen"
Doch Willi, die sich ihre Aufgabe mit Sandra Egger teilt, ist seit den Playoff-Viertelfinals vor allem eines: stolz. Auf ihr Team, ihre Spielerinnen, den Staff, den Verein. Die Arbeit der vergangenen Jahre zahlt sich aus. In einer Liga, in der die grösseren Klubs mehr und mehr auf Ausländerinnen setzen, verfolgen die Ostschweizerinnen eine andere Philosophie. Schweizer Spielerinnen - vor allem aus dem eigenen Nachwuchs - sollen gefördert werden und Spielzeit erhalten.
"Das ist vielleicht das, was uns von anderen Klubs unterscheidet. Wir haben auch ausländische Spielerinnen im Team. Aber die sind bewusst ausgewählt, um etwa eine andere Mentalität reinzubringen", sagt Willi.
Untermauert wird ihre Aussage durch eine Analyse des Fussballmagazins "Zwölf" vom Februar dieses Jahres. Während die Einsatzminuten von ausländischen Spielerinnen bei Servette 89 Prozent, bei Basel 54 Prozent und bei YB 44 Prozent ausmachen, sind sie bei St. Gallen deutlich tiefer. Gut 16 Prozent sind es - nur bei Aarau, Luzern und Thun haben ausländische Spielerinnen noch weniger Einsatzzeit.
Junge Schweizerinnen brauchen Einsatzzeit
"Letztlich ist es eine Philosophie-Frage. Es geht darum, was für Spielerinnen vom Profil und vom Charakter her im Team sein sollen", sagt Willi. Sie selbst wisse nicht, nach welchen Kriterien Top-Klubs wie Servette, YB oder Basel ihre Ausländerinnen auswählen. "Ich sehe nur ihre Kaderstrukturen. Ich weiss nicht, wie die Strategie bei anderen Klubs entstand und was damit erreicht werden will." Deshalb sei es nicht an ihr, zu bewerten, ob andere Strategien gut oder schlecht seien.
Wozu die Sportchefin aber eine klare Meinung hat, ist die Förderung der Schweizer Spielerinnen. "Schweizerinnen, egal welche Altersstufe, müssen die Chance haben, in der Schweizer Liga zu spielen. Dafür stehe ich und dafür soll auch unsere Arbeit beim FC St. Gallen stehen." Gleichzeitig sei es nicht primär ihre Aufgabe, oder jene des FCSG, Massnahmen wie eine Obergrenze für ausländische Spielerinnen zu fordern. "Der Verband muss das weiterhin im Blick haben und, falls nötig, einen Entscheid treffen. Wir können nur beeinflussen, was wir in St. Gallen machen."
Auch bei einer weiteren Internationalisierung der höchsten Schweizer Liga will St. Gallen an den definierten Werten festhalten. Gleichzeitig soll den Spielerinnen langfristig auch finanziell etwas geboten werden. Die Rahmenbedingungen hätten sich über die letzten Jahre schon stark verbessert. Ziel seien Halbprofiverträge, so Willi.
Kontinuität zahlt sich aus
"Wenn wir versuchen, eine Spielerin mit unserer Wertehaltung, unserer Qualität im Staff, den individuellen Entwicklungsmöglichkeiten oder unserer Vereinskultur zum Wechsel zu uns zu überzeugen, ist das natürlich weniger greifbar, als wenn man mit einer Lohnsumme werben kann", weiss auch Willi. Trotzdem strebe St. Gallen sportliche Fortschritte und vor allem Erfolge an. Willi sagt: "Wir arbeiten hier mit vielen tollen Menschen zusammen, ziehen alle an einem Strang. Man sieht, dass es sich auszahlt, wenn man Kontinuität im Verein hat - sowohl bei den Spielerinnen, wie auch im Staff."
Ob das reicht, um in den Playoff-Final einzuziehen, wird sich am Samstag zeigen. "Es liegt an uns, mit vollem Vertrauen in unsere Fähigkeiten nach Bern zu reisen und überzeugt zu sein, dass wir dieses Duell noch drehen können", blickt Willi voraus.

















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