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Keystone-SDA | Mittwoch, 17. Juni 2026

So prägt Ricardo Rodriguez das Schweizer Nationalteam

Er meidet das Rampenlicht, prägt aber seit 15 Jahren das Schweizer Spiel: Nun könnte Ricardo Rodriguez gegen Bosnien-Herzegowina sein 140. Länderspiel bestreiten.

"Wir haben einen Punkt geholt, die anderen haben einen Punkt geholt. Nun geht es weiter. Das Leben geht weiter." Dies antwortete Ricardo Rodriguez, als er nach dem 1:1 gegen Katar gefragt wurde, ob die Pläne des Nationalteams nun über den Haufen geworfen worden seien. Es ist eine Aussage, die ihn als Person perfekt widerspiegelt. Der 33-jährige Zürcher ist gelassen, pragmatisch und nüchtern. Praktisch nie lässt er sich von negativen Emotionen mitreissen. Das zeigt auch der Blick in die Statistik: In 139 Spielen für das Schweizer Nationalteam sah Rodriguez nur sechs Gelbe Karten und niemals Rot.

Kein Wunder, sagte Murat Yakin in einem kurz vor der WM geführten Interview mit Keystone-SDA: "Ich höre oft, ich sei gechillt. Wer das denkt, soll mal mit Ricci sprechen." Die Ruhe, die er ins Spiel bringen kann, sei eine grosse Qualität des Linksverteidigers. Deswegen bezeichnet der Nationaltrainer Rodriguez auch als "superintelligenten Fussballer", der defensiv richtig stehe, kaum einen Ball verliere und immer eine Idee habe.

Das zeigte sich auch beim WM-Auftakt gegen Katar, als vor allem in der ersten Halbzeit viel über seine linke Seite lief. Rodriguez schaltete sich dabei immer wieder ins Offensivspiel ein und hätte in der 10. Minute beinahe seinen 15. Assist im Nationalteam verbucht. Doch der Schuss von Dan Ndoye ging bekanntlich knapp über das Tor.

Oft im Schatten der Mitspieler

Gerade weil er so ruhig ist, wird er aber auch immer wieder etwas übersehen, wenn es darum geht, die Stärken des Schweizer Nationalteams aufzuzeigen. Gerne wird dann auf die "starke Achse" mit Goalie Gregor Kobel, Verteidiger Manuel Akanji, Mittelfeldspieler und Captain Granit Xhaka sowie Stürmer Breel Embolo verwiesen. Rodriguez, der seit bald 15 Jahren das Nationaldress trägt und dabei fast immer in der Startaufstellung steht, wird oft übergangen.

Das ist ihm aber auch ganz recht so, denn das Rampenlicht abseits des Fussballplatzes meidet er, wenn möglich. Er fühle sich vor der Kamera einfach nicht wohl, erklärte Rodriguez kürzlich in einer SRF-Dokumentation. In dieser ging es allerdings nicht um ihn, sondern um die Rolle der "Spielerfrau" seiner Freundin Nicole, mit der er die Söhne Santiago und Cruz hat. "Ich habe das Gefühl, wenn ich dann rede, verliere ich mich irgendwo. Und dann weiss ich nicht mehr, was ich sagen soll. Deshalb rede ich lieber gar nicht", so Rodriguez. Und wenn er dann doch Interviews gebe, dann am liebsten solche mit sehr kurzen Antworten.

Entsprechend knapp blieb der ehemalige Junior des FC Schwamendingen denn auch in seiner Analyse nach dem Spiel gegen Katar: "Wir müssen jetzt einfach schauen, was wir schlecht gemacht haben, und es dann korrigieren." Er sei zuversichtlich, dass das Team gegen Bosnien-Herzegowina eine Reaktion zeigen und die Partie gewinnen werde. Warum? "Weil wir eine gute Mannschaft sind."

Vor ungewisser Zukunft

Und nun blickt er also einem speziellen Jubiläum entgegen: Am Donnerstag könnte er in Los Angeles zu seinem 140. Einsatz im Nationalteam kommen. Einzig sein langjähriger Weggefährte Granit Xhaka, mit dem er vor 17 Jahren U17-Weltmeister wurde, hat derzeit acht Spiele mehr auf dem Konto. Mit ihm teilt sich Rodriguez den Titel des Schweizer WM-Rekordspielers (aktuell 13 Spiele). Gemeinsam mit Breel Embolo und Yann Sommer ist er zudem EM-Rekordspieler (14).

Der Konjunktiv wird hinsichtlich des Meilensteins gebraucht, weil "der ewige Rodriguez" nicht mehr ganz so unbestritten ist wie zu jener Zeit, als er vom Schweizer Fernsehen diesen Übernamen erhalten hat. Gerade wenn Yakin eine Systemumstellung vornehmen sollte, könnte Rodriguez der Leidtragende sein. Allerdings hat dieser seinen Wert beim WM-Auftakt nochmals unter Beweis gestellt. An ihm ist es nicht gelegen, dass die Schweizer bloss einen Punkt holten.

Die starke Leistung hat möglicherweise auch mit seiner Zukunft zu tun, die noch nicht geklärt ist - wie bereits vor zwei Jahren an der EM in Deutschland. Damals war sein Vertrag ausgelaufen, ehe Rodriguez mit starken Leistungen das Interesse von Betis Sevilla noch verstärkte. Nun könnte er nach zwei Jahren in Andalusien nochmals eine neue Herausforderung anpacken. Seine vierte und vielleicht letzte WM-Teilnahme ist für die Verhandlungen eine willkommene Bühne. Umso mehr hofft auch Rodriguez, dass das Turnier für die Schweiz trotz des Fehlstarts noch lange andauert.

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