Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
"Wir sind ein junges Team und haben noch so viel vor uns"
Lukas Laube steht mit Kiel bei einem der erfolgreichsten Handball-Vereine unter Vertrag. Mit der dort gelebten Siegermentalität will er nun helfen, die grosse Enttäuschung an der EM zu verarbeiten.
Lukas Laube ist erst 25 Jahre alt, doch man merkt sofort, dass der Kreisläufer bei Kiel in einem Topteam spielt. Nach der mehr als bitteren 35:38-Niederlage der Schweiz gegen Slowenien im zweiten EM-Vorrundenspiel - sein Team hatte eine 23:14-Führung verspielt - sagt der fünffache Torschütze im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA: "Solche Niederlagen machen uns noch stärker. Wir sind ein junges Team und haben noch so viel vor uns. Das müssen wir im Kopf behalten."
Laube spielte als Kind zunächst Fussball, wie sein älterer Bruder. Mit zehn Jahren verlor er jedoch den Spass daran. Als sich der HSC Suhr Aarau in der Schule vorstellte, fand er, das töne noch interessant, und begann Handball zu spielen. Zwar gab es einen Zeitpunkt, an dem er aufhören wollte, doch seine Mutter ermutigte ihn, weiterzumachen. "Mit 15, 16 Jahren sagte Misha Kaufmann (der damalige Trainer des NLA-Teams), dass er mich gerne binden und in die erste Mannschaft nehmen würde. Dann wurde es immer mehr, und ich dachte mir: 'Das könnte etwas werden'", erzählt Laube.
"Alles richtig gemacht"
Im Sommer 2022 verliess Laube schweren Herzens seinen Jugendklub, weil dort bereits vier Kreisläufer spielten, und schloss sich GC Amicitia Zürich an. Im darauffolgenden Februar nahm er dann die Chance bei Stuttgart wahr. "Von daher habe ich alles richtig gemacht." Er sei auch ein Beispiel für junge Spieler, dass es sinnvoll sein könne, einen unkonventionelleren Weg zu gehen. Das Wichtigste sei, viel zu spielen. Man wachse an Fehlern. "Auch das musste ich lernen. Darum fing ich früh mit Mentaltraining an. Klar brauchst du Talent, aber den Schritt an die absolute Spitze machst du mit dem Kopf. Gerade auch, wenn es läuft, darf man diesbezüglich nicht nachlassen. Denn wenn es läuft, heisst das nicht, dass alles gut ist." So arbeitet er zudem viel im Hypnose-Bereich.
Zu Kiel wechselte Laube im vergangenen Jahr. Der THW gehört zu den erfolgreichsten Vereinen überhaupt: In Deutschland holte der Klub sowohl die meisten Meistertitel (23) als auch die meisten Cupsiege (13) und gewann zudem viermal die Champions League. Laube ist der erste Schweizer, der dort unter Vertrag steht.
Die Erwartungshaltung bei Kiel ist klar: Titel zu holen. Der Kapitän des Teams ist der Kroate Domagoj Duvnjak, der als eine der prägendsten Persönlichkeiten im Handball gilt. "Es ist unglaublich für mich, hier spielen zu dürfen", sagt Laube. "Die Stimmung in der Halle ist magisch, ich habe jedes Mal Gänsehaut, wenn ich einlaufe. Zudem ist alles darauf ausgerichtet, sich voll auf den Handball konzentrieren zu können. Und Duvnjak lebt die Mentalität, jedes Spiel gewinnen zu wollen. Das wird einem wirklich eingetrichtert."
Möchte immer mehr
Laube erhielt bei Kiel eine "relativ wichtige Rolle. Momentan bin ich zufrieden mit der Einsatzzeit, aber ich bin jemand, der immer mehr möchte. Ich glaube, das ist das, was mich auszeichnet." Mit dem Wechsel in den Norden Deutschlands verdient er auch mehr. Der Lohn wäre noch höher gewesen, wenn Kiel ihn nicht aus dem Vertrag mit Stuttgart hätte herauskaufen müssen.
Seine Freundin wohnt nicht fest in Kiel, da sie noch in Zürich Jura studiert. Wie kann er am besten abschalten? "Ich koche und lese gerne oder gehe am Meer spazieren." Am Kreis fühlte er sich von Anfang an wohl. Er betont: "Ich stehe aber nicht einfach im Weg. Ich habe mich immer mit dem Handball beschäftigt - aus verschiedenen Situationen und Perspektiven. Das bringt mir enorm viel und macht es für viele Rückraumspieler einfacher, mit mir zusammenzuspielen."
Später kann es sich Laube durchaus vorstellen, im Trainerbereich zu arbeiten, deshalb hat er bereits mit der Ausbildung begonnen. So oder so dürfte er auch nach seiner Karriere im Sport tätig bleiben. Das ist jedoch aktuell noch Zukunftsmusik. Die Gegenwart heisst EM. Am Dienstag möchte er mit der Schweiz gegen Montenegro die kleine Chance auf das Weiterkommen in die Hauptrunde nutzen. "Wir wollen den Fans zeigen, warum wir hier sind", sagt Laube. Das soll auch dank seiner Siegermentalität gelingen.
















Kommentare (0)
Schreibe einen Kommentar