Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Zwischen Hürde und Nadel: ein Kleid läuft mit
Im Scheinwerferlicht der Sports Awards tritt Ditaji Kambundji in Blau auf. Das Kleid überzeugt und verdrängt die sportliche Leistung aus dem Fokus.
Der Einteiler ist schlicht, aber bewusst gestaltet. In einem ruhigen Blauton gehalten, ohne auffällige Muster oder übertriebene Akzente, setzt er auf klare Linien und eine saubere Verarbeitung. Er liegt nah am Körper der Hürden-Weltmeisterin, ohne einzuengen, und wirkt elegant.
Was auf den ersten Blick wie eine stilbewusste Wahl wirkt, erzählt auf Nachfragen eine persönlichere Geschichte. Ditaji Kambundji hat das Outfit selbst entworfen und genäht. Es ist das Resultat eines neuen Hobbys, das sie sich bewusst als Ausgleich zum Spitzensport gesucht hat. "Das Nähen hilft zum Abschalten. Da dreht es sich nicht um den Sport", erklärt sie. In einer Karriere, die von Trainingsplänen, Leistungsdaten und internationalem Konkurrenzdruck geprägt ist, schafft sie sich damit einen Raum, der frei ist von Erwartungen und Resultaten.
Ausgleich zum Sport
Aus dem anfänglichen Ausgleich entwickelt sich ein konkretes Ziel. Mit Blick auf die Sports Awards nimmt sich die Sportlerin vor, ein eigenes Kleid zu fertigen. Während sie im Wettkampf explosive Energie über die Hürden bringt, arbeitet sie am Stoff ruhig und konzentriert, Stich für Stich.
Ganz ohne Druck bleibt dieses Projekt aber nicht. Die Deadline des Anlasses setzt einen klaren Rahmen, um rechtzeitig fertig zu werden. Das Resultat überzeugt jedoch. Die Bernerin fühlt sich in ihrem selbst geschaffenen Kleid sichtlich wohl und tritt entsprechend selbstbewusst auf. "Ich weiss noch nicht, für welchen Anlass ich das Kleid erneut tragen werde, vielleicht für einen Hochzeitsanlass", sagt sie.
Emotionaler Abschluss
Sportlich dient der Abend im Leutschenbach in erster Linie als emotionaler Abschluss eines aussergewöhnlichen Jahres. 2025 hatte die 23-Jährige endgültig den Durchbruch an der Weltspitze geschafft. Besonders präsent ist dabei ihr Triumph an den Weltmeisterschaften in Tokio, wo sie über 100 m Hürden in 12,24 Sekunden Gold gewann und dabei die versammelte Weltelite hinter sich liess: Weltrekordhalterin, Olympiasiegerin und Titelverteidigerin. Dieser Moment erfahre mit der Auszeichnung zur Sportlerin des Jahres eine zusätzliche Würdigung. "Eine schöne Anerkennung, ich fühle mich geehrt."
Trotz aller Emotionen richtet Ditaji Kambundji den Fokus nach vorne. Die Leistungsdichte in ihrer Disziplin sei enorm hoch, betont sie. Um weiterhin erfolgreich zu sein, müsse sie konstant das Beste abrufen. Der WM-Titel gebe ihr einerseits zusätzliche Motivation, andererseits wolle sie den Erwartungsdruck bewusst relativieren. Die Saison 2026 betrachtet sie als "normale Saison" mit einem klaren Höhepunkt an den Europameisterschaften in Birmingham.
Tante Ditaji
Mit dem vierten Abend an den Sports Awards schliesst sich für Ditaji Kambundji auch persönlich ein Kreis. 2019 ist sie erstmals als Begleitung ihrer älteren Schwester Mujinga vor Ort, die damals selbst als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet wurde. Damals habe sie sich nicht vorstellen können, eines Tages in deren Fussstapfen zu treten, sagt sie rückblickend. Nun gelingt ihr genau das und sie schreibt damit zugleich ein neues Kapitel in der Familiengeschichte.
Die Bedeutung ihrer Schwester für ihre persönliche und sportliche Entwicklung hebt sie bei jeder Gelegenheit hervor. Gleichzeitig freut sie sich darüber, dass sich deren Leben zuletzt verändert hat. Sie sei nun sehr gerne Tante Ditaji und glücklich darüber, dass ihre Schwester dieses Kapitel aufschlagen dürfe.
So verbindet sich an diesem Abend vieles: sportlicher Erfolg, familiäre Geschichte und eine persönliche Note, die sich im selbst entworfenen Kleid widerspiegelt.
















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